Nur Gedanken

March 25, 2008

BILDERRÄTSEL

Filed under: Umwelt, Irrungen - Wirrungen - word2go @ 11:38 pm

Wer findet die entscheidende Gemeinsamkeit zwischen beiden Bildern? - Ausser, dass der Fotograph talentfrei ist.

Kleiner Tipp: "beides bio" reicht als Antwort bei Weitem nicht! Kategorie beachten! Auflösung demnächst…

Drüben auf meinem Firmenblog war Lisa mit ihrem Kommentar schon ganz nah dran am Problem. Allerdings nur vom falschen Blickwinkel aus.

Also los jetzt Ratevolk. Ich will Ideen und Theorien hören.

December 16, 2007

MORGEN, 17.12.2007 AKTIONSTAG IN G-STAR-LÄDEN

Filed under: Panorama, Umwelt - word2go @ 1:28 pm
Werbetextilien aus Biobaumwolle und fairem Handel

Ich bin spät dran, doch besser spät als nie! Morgen, am 17.12.2007 will die Clean Clothes Campaign (CCC) bundesweit in Ladengeschäften des Markenherstellers G-Star die Verantwortlichen dazu bewegen, Schritte gegen den indischen G-Star-Lieferanten FFI zu unternehmen. FFI hatte im Juni 2007, nachdem die CCC massive Arbeitsrechtsverletzungen innerhalb des Betriebs nachweisen konnte und daraufhin eine Öffentlichkeitskampagne zur Unterstützung der Arbeiter startete, die CCC verklagt und will nun vor Gericht erwirken, dass sich die CCC nicht mehr öffentlich zu den Missständen bei FFI äußern darf.

Gegenüber indischen Gewerkschaften und lokalen Organisationen hatte FFI mit diesem Vorgehen bereits Erfolg. Die Mitglieder der CCC soll es nun sogar noch schlimmer erwischen, sie sollen per internationalem Haftbefehl gesucht und wegen Internetkriminalität, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Verbreitung falscher Informationen, an den indischen Staat ausgeliefert werden. Sollte das Urteil dem Ansinnen von FFI entsprechen, wäre ein Präzedenzfall geschaffen, der zukünftig nicht nur die Kontrolle solcher Unternehmen durch zivilgesellschaftliche Organisationen erschweren würde, sondern auch die Praxis der Monitoring und Audit-Dienstleistungen, welche die CCC oder auch die Fairwear Foundation für europäische Markenhersteller zur Verfügung stellt, bedroht.

Als Leiter eines jungen Unternehmens für ökofaire Kleidung, das nicht nur aus Kostengründen auf die Arbeit unabhängiger Dritter angewiesen ist - so haben wir z.B. unseren Verhaltenskodex für Lieferanten eng an das CCC-Modell angelehnt und dadurch, unabhängig von den FairTrade- und GOTS-Zertifikaten, ein Instrument an die Hand bekommen, selbst auf die Einhaltung der Arbeitsrichtlinien bei unseren Lieferanten einwirken zu können - kann ich nur bestätigen, wie wichtig NGOs wie die CCC für den notwendigen und überfälligen Wandel in den Strukturen der textilen Kette sind. Ohne das CCC-Modell vor Augen, hätte uns die Arbeit an einem ähnlich effektiven Kodex wahrscheinlich Monate gekostet.

Die CCC und andere NGOs sind nicht nur Aktivisten, die den Bösen in der Branche auf die Finger klopfen, sondern v.a. ein unschätzbarer Wissens-, Experten- und Dienstleistungspool für Hersteller, die es “richtig” machen wollen. G-Star gehört hier leider noch nicht dazu, denn das Unternehmen weigert sich, Einfluss auf seinen Lieferanten zu nehmen, das falle nicht in den eigenen Verantwortungsbereich. Zeit also, dass der Verbraucher G-Star zeigt, dass er die Verantwortung nicht so einfach auf sich abwälzen lässt, vielleicht entwickelt G-Star ja dann ein Interesse an Mitsprache beim Lieferanten.

Am morgigen Aktionstag soll erreicht werden, dass G-Star auf FFI einwirkt, die Klage gegen die CCC fallen zu lassen. Dazu sollen Teilnehmer und Kunden in den G-Star Filialen folgende Forderungen stellen:

  • Weitere Aufträge an FFI/JKPL sollen nur platziert werden, wenn FFI a) alle Klagen gegen lokale und internationale Organisationen sowie Einzelpersonen, die im Zusammenhang mit diesem Fall stehen, fallen lässt sowie b) in Dialog tritt mit den VertreterInnen der ArbeitnehmerInnen (darunter GATWU, Cividep, Munnade and NTUI), mit dem Ziel, die Arbeitsrechtsverletzungen in der Fabrik abzustellen;
  • G-Star soll eine „Exit-Strategie“ entwickeln, um die ArbeiterInnen von FFI/JKPL vor einem Arbeitsplatzverlust zu schützen. G-Star soll ggf. offene Aufträge in anderen Fabriken, die in der Nähe der FFI-Fabrik liegen, platzieren und dafür sorgen, dass diese Fabriken den FFI/JKPL-ArbeiterInnen Arbeitsplätze anbieten. G-Star soll öffentlich machen, dass der Rückzug aus FFI/JKPL direkt mit dem Verhalten von FFI zusammenhängt.
  • G-Star muss FFI darüber transparent in Kenntnis setzen, dass eine Umsetzung des G-Star-Verhaltenskodex nur möglich ist, wenn die Vereinigungsfreiheit vollständig implementiert ist. Die Implementierung der Vereinigungsfreiheit beinhaltet, dass sich alle Gewerkschaften, die dies wünschen, in FFI/JKPL organisieren können und dass FFI/JKPL von jeglichen Aktivitäten Abstand nimmt, die dies erschweren oder verhindern könnten. Ganz praktisch bedeutet dies vor Ort, dass die Anklagen gegen GATWU, NTUI, Cividep, Munnade und die CCC Task Force Tamil Nadu fallen gelassen werden.Eine Erklärung zu veröffentlichen, die klarstellt, dass es mit der Erwartung von G-Star, wie das Recht auf Organisationsfreiheit implementiert wird, unvereinbar ist, wenn Arbeitsrechtsorganisationen dafür verklagt werden, weil sie Informationen über Arbeitsrechtsverletzungen bekannt machen.
  • Keine Sozialaudits in FFI durchzuführen, so lange GATWU, Cividep, Munnade und NTUI mit juristischen Schritten die Möglichkeit genommen wird, ihre Meinung in die Audits einzubringen.

Wichtige Links zur Aktion:

Hier findet Ihr G-Star in Eurer Nähe
Clean Clothes Campaign
Dokumentation der Ereignisse im Fall FFI

Aufklärende Seiten zu den Missständen in der Textilproduktion:

Unsere eigene Übersichtsseite: Fakten zur Textilindustrie
Earthlink - Aktiv gegen Kinderarbeit
Südwind-Institut

Einkaufen dürft Ihr natürlich auch:

Bei uns (z.Zt. nur Vorbestellung der ABI-Shirts, ab Mitte Januar könnt Ihr dann auch einzelne Stücke bestellen)

In der Zwischenzeit: FairWear, True Fashion, Glore, Kuyichi, Machja

November 7, 2007

“LOHAS” - BALD ZIELGRUPPE NR.1?

Filed under: Panorama, Umwelt, Werbung - word2go @ 6:58 pm

better - Textilien aus Biobaumwolle und fairem Handel

Hier geht was!

Innerhalb von nur einer Woche starteten zwei taufrische Portale, die dem "neuen" Konsumenten einiges zu bieten haben. Erst hob Burda ziemlich überraschend IVYworld aus der Taufe und verspricht jedem Nutzer für dessen weltverbessernde Idee ein Jahr lang die CO2-Emission seiner PC-Nutzung zu kompensieren. Heute folgte nun die langersehnte Community Utopia. So wie es aussieht, hält das Portal, was es verspricht. Der LOHAS kann sich hier so richtig austoben. Und weil der LOHAS ja vor allem Shoppen soll, um die Welt zu verbessern, ist der ethisch und ökologisch korrekte Shoppingguide gleich mit dabei, Empfehlungs- und Bewertungsmöglichkeit inbegriffen.

Ein schönes Beispiel, wie man Web2.0 und soziale Verantwortung zusammenbringen kann und vor allem ein deutliches Signal an die Bosse: nicht im billigen, billigeren, am billigsten Supply-Chain-Management liegt die Kohle, sondern beim Kunden!

October 25, 2007

WASCH MIR DIE HÄNDE IN ORGANISCHEM SPÜLI, DENN ICH WA(H)R BÖSE!

Filed under: Politisches, Panorama, Umwelt - word2go @ 5:39 pm


Christoph Harrach hat auf Karmakonsum einen Karneval zu einem interessanten, brenzligen und aktuellen Thema ausgerufen: Greenwashing! Was darf man davon halten, wenn sich die "ehemaligen?" Nutznieser von Umweltverschmutzung und Lohndumping in den Entwicklungsländern plötzlich Umweltschutz und Fair Trade auf die Fahnen schreiben, um das gestiegene Interesse der Konsumenten an den Produktionsbedingungen der globalen Wirtschaft in bare Münze umzuwandeln? Wann ist das Engagement echt, wann ist es nur Greenwashing?

Blogkarneval Greenwashing

Einige von Euch wissen ja bereits, dass ich selbst mittlerweile auch zum Kreis der Anbieter von ökofairer Kleidung gehöre, weshalb es für mich ja schon fast Pflicht ist, etwas zu diesem wichtigen Thema zu sagen. Gelegentlich kommt aus meinem Bekanntenkreis sogar hier und da einmal die Feststellung, dass wir mit unserem Geschäftsmodell Firmen direkt zum Greenwashing verleiten. Und so ganz ist es nicht einmal von der Hand zu weisen. Ich pflege dann immer zu betonen, dass uns die Motivation unserer Geschäftspartner diesbezüglich relativ egal ist, solange sie durch ihre Eigenwerbung dazu beitragen, das Vorhandensein ökofairer Kleidung beim Kunden bekannt zu machen.

Ganz so einfach, wie es dieser lapidare Satz zusammenfasst, ist es jedoch nicht, beinhaltet er doch zwei wichtige Variablen, die zueinander in einem reziproken Verhältnis stehen: Motivation der Unternehmen und Konsumentenbewusstsein, bzw. -vertrauen. Und dieses gegenseitige Bedingungs- und Abhängigkeitsverhältnis wird vorwiegend gesteuert von Institutionen (also Regeln, Normen und Verfahren), deren Transparenz und der daraus entstehenden Benennbarkeit des Akteurshandelns, also der Möglichkeit, die Guten von den Schlechten zu unterscheiden. Wenn man also die beiden Pole vergleichen müsste, könnte man mit Fug und Recht behaupten, dass wenige strenge Regeln, deren Durchsetzung von wenigen, transparenten und unabhängigen Organisationen überwacht wird, einem unübersichtlichen Markt an milden Normen und einer Unzahl an intransparenten Kontrollagenturen , bzw. -mechanismen vorzuziehen wäre. Denn dann hätte man eine unmittelbare Erfolgskontrolle sowohl über den tatsächlichen (Verbesserung der ökologischen und sozialen Produktionsbedingungen in den Billiglohnländern), als auch den wahrgenommenen (Gefühl des Konsumenten zur Verbesserung beizutragen) Effekt des bewussten Konsums. In solch einem institutionellen Rahmen wäre bewusster Konsum demnach auch unmittelbar effizient.

In der Realität treffen wir jedoch viel häufiger den zweiten Fall an und das macht Greenwashing zu einem ernstzunehmendem Problem für die Ökobranche. Öko ist Trend und je mehr - ehemals nur an den Produktionskosten interessierte - Global Player sich plötzlich auf der Spielwiese des ökofairen Handels tummeln, den Markt mit betriebsinternem Ökomanagement, betriebsinternen Zertifikaten und neuen, ökologisch wohlklingenden Markenschöpfungen überschwemmen und sich zu, nach NGOs und Verbraucherinitiativen klingenden, Interessenslobbies zusammenschließen, desto unübersichtlicher und unkontrollierbarer wird der Biomarkt für den Verbraucher. Ein einziges schwarzes Schaf kann dann genügen, um die gesamte Ökobranche bis ins Mark zu erschüttern und das neugewonnene Verbrauchervertrauen wieder zu vernichten. "Jacke wie Hose" wären wir dann alle, Einer genauso schlimm, wie der Andere. Jedenfalls in den Augen des Verbrauchers.

Gut, man kann natürlich jetzt argumentieren, dass der wirklich bewusste Konsument diesen Umstand sehr wohl sieht und sich dann eben genau den Anbietern zuwendet, deren Öko- und Sozialmanagement transparent von außen kontrolliert wird. Angst vor dem Verlust der Kundschaft muss daher bei den klassischen  oder meinetwegen auch "echten" Ökoanbietern daher nicht bestehen. Sieht man es jedoch vom Ziel des ökofairen Handels her, also der Verbesserung ökologischer und sozialer Produktionsbedingungen, erscheinen die Folgen eines solchen Skandals verheerend und zeigen die zerbrechliche Volatilität des Verhältnisses zwischen Unternehmensmotivation und Kundenvertrauen auf. Ist das Kundenvertrauen nämlich erst einmal weg und der Kunde indifferent zwischen Öko- und konventionellen Produkten, ist auch das Interesse der Global Player am ökofairen Handel wieder ganz schnell verschwunden und Essig war’s mit der fortschreitenden Verbesserung der Lebensbedingungen der Kaffee- oder Baumwollbauern.

Meist braucht es nicht einmal diesen einen fetten Skandal, denn oft ist das Greenwashing mancher Unternehmen so durchsichtig, so fixiert auf einen einzigen überhöhten Aspekt eigener Umweltfreundlichkeit, dass schon das Bewerben dieses einen Aspekts durch seinen Zynismus dem Verbraucher so dermaßen auf die Nerven geht, dass Zweifel an der Motivation der gesamten Branche entstehen. Ein gutes Beispiel ist hier die desaströs kontraproduktive Citroen-Werbung in der alle anderen Autos als Schweine dargestellt werden. Man fragt sich intuitiv: ah, ihr jetzt also auch? Was hat Citroen nochmal für die Umwelt getan? Ha, ha, wer wird wohl der nächste sein?

Die andere Seite der Medaille
Im Umkehrschluss heisst das dann aber auch, dass der ökofaire Handel, wenn er sein Ziel wirklich erreichen und nicht nur zynisch das Geld von ein paar Idealisten und Weltverbesserern abschöpfen will,  nichts anderes so sehr braucht, wie das Engagement der etablierten Unternehmen. Wenn sich an der Ungerechtigkeit und der ökologischen Verantwortungslosigkeit in den Billiglohnländern wirklich etwas ändern soll, dann sind es die etablierten Unternehmen, die sich umstellen und auf die veränderte Nachfrage reagieren müssen. Nur sie haben die finanzielle und logistische Gestaltungskraft und das Humankapital, um das System wirklich grundlegend umzukrempeln. Wir können ihnen allerhöchstens die Anreize dazu liefern. Greenwashing ist dann eher als Weg, als Testphase für Veränderungen zu sehen.

Der wichtige Punkt bei der Beurteilung von Greenwashing ist also nicht die Motivation der Unternehmen, die kann hier getrost egal sein. Sondern es ist die Frage, wie sie nachhaltig auf diesem Weg zu mehr Verantwortung gehalten werden können und das funktioniert ganz bestimmt nicht allein durch Nachfrage und Konsum - hier liegt der Schwachpunkt der konsumeuphorischen LOHAS-Bewegung, die manchmal ein wenig den Anschein erweckt, als wolle sie sich ganz bewusst von der alten Garde an Aktivisten, NGOs und Kritikern differenziert sehen, deren Ansatz anachronistisch, antiquiert und ganz verstaubt, dem Zeitgeist nicht mehr angemessen scheint. Ganz sicherlich stimmen viele dieser Punkte: es ist ein "Lifestyle", der das "Machen" vor das "Jammern" setzt, das "Belohnen" vor das "Strafen", den "Optimismus" vor den "Pessimismus"…

Dass er jedoch ein irgendwie antiquiertes nicht-kommerzielles Engagement "er"setzt, halte ich persönlich für eine bedenkliche Schlussfolgerung, denn um die etablierten Unternehmen auf einem nachhaltigen Kurs zu halten, muss zuallererst daran gearbeitet werden, die Nachfrage nach ökologischen und fairen Produkten nachhaltig zu erweitern und das geht auf der Kundenseite nur über Aufklärung, Aufklärung und noch einmal Aufklärung, auf der Anbieterseite nur über Glaubwürdigkeit und Vertrauen, sprich transparente, verbindliche Regeln und transparente, unabhängige Kontrolle. Man spürt schon, wie schmerzhaft die Katze sich hier in den eigenen Schwanz beisst, denn die Arbeit an solchen Standards leisten die Unternehmen aus Eigeninteresse nur in den seltensten Fällen und der Kunde durch reinen Konsum schon gleich dreimal nicht.

Man kann es auch anders sagen: ganz unabhängig von der Motivation, um hier wirklich etwas zu reißen und um zu mehr sozialer Gerechtigkeit, mehr ökologischer Verantwortung und mehr überprüfbarer Glaubwürdigkeit zu kommen, brauchen die Unternehmen die NGOs und eine engagierte Zivilgesellschaft wie die Luft zum Atmen. In Abwesenheit staatlicher Einflussnahme sind sie es, die auf transnationaler Ebene Regeln und Verbindlichkeiten festzurren und die Unternehmen an die Kandare nehmen. In der Regel greifen die Standards, die durch die Mitarbeit der NGOs entstanden sind, sei es nun der Global Organic Textile Standard (GOTS) oder der Sozialkatalog und die Zertifizierungsansprüche der FairTrade Labeling Organisation (FLO), Beispiele gibt es ja mittlerweile viele, wesentlich effektiver als die Minimalstandards unternehmerischer Interessensgruppen oder gar reine CSR-Augenwischerei. Das Problem ist eben nur: wie bringt man die Unternehmen dazu, sich diese Standards aufzuerlegen anstatt selbst einen Standard zu "erfinden"? Und schon wieder spielt die Katze mit dem Schwanz, denn schon wieder heisst es Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung…

Es nützt nichts, wenn die Clean Clothes Campaign Monat für Monat Studie um Studie veröffentlicht, wenn der LOHAS sie hütet wie Geheimwissen, nur weil er als "modern und trendy" und nicht als Aktivist angesehen werden will. Das Wissen muss raus, damit der Konsument unterscheiden lernt zwischen dem Echten und dem Vorgegaukelten und dann seinem Wunsch nach Überprüfbarkeit und Entscheidungssicherheit Ausdruck verleiht. Erst, wenn die Unternehmen merken, dass sie den Konsumenten nicht mehr mit dem Bau einer Schule oder der Investition in ein vereinzeltes Wasseraufbereitungsprojekt über soziale und ökologische Mißstände in der Produktion hinwegtäuschen können, werden sie einen Anreiz sehen, sich auch auf die harten Standards einzulassen.

Wenn man jetzt die Eingangsfrage beantworten, will, was denn nun von diesem neuen Engagement zu halten ist, ist die Antwort ernüchternd: Alles und Nichts! "Alles", wenn man unkritisch und pragmatisch das Ziel (nicht den Zweck) die Mittel heiligen lässt und die Macht des Verbrauchers überschätzt, "Nichts", wenn man stur und unbeweglich darauf beharrt, dass nur das Neue das Alte hinreichend ersetzen kann und den etablierten Unternehmen ein voreingenommenes Misstrauen entgegenbringt.

Man sollte sich in der Mitte treffen: Greenwashing ist absolut notwendig, wenn der nachhaltige Konsum wirklich etwas bewirken soll. Und damit dabei nichts schief läuft, sollte man sich einmischen. Ebenso absolut notwendig!

September 25, 2007

BETTER - THE FASHION REVOLUTION

Filed under: Politisches, Panorama, Umwelt, Werbung - word2go @ 11:08 am

faire und ökologische Kleidung

Ja Leute, ich bin (leider) weder auf einer einsamen Insel ohne Internetzugang gelandet, noch habe ich die Existenz dieses Blogs vergessen. Ich hab’ mir auch nicht die Finger gebrochen oder so was ähnliches und bin auch von keinem PI-Leser zum Schweigen "verdonnert" worden. Nein, der Grund für die Vernachlässigung meiner virtuellen Existenz war schlicht und einfach Arbeit. Die macht bekanntlich das Leben süß, mit anderen Worten: wer täglich zwölf Stunden und mehr an der Selbstständigkeit bastelt, kommt nicht mehr zum Bloggen.


Nachdem mich der StoiBär nun allerdings "geoutet" hat - vielen Dank dafür nochmal von dieser Stelle - bin ich ja fast schon gezwungen, dieses Blog wieder zu füllen und Euch ein wenig von meiner Arbeit zu erzählen. Ich wollt’s ja sowieso tun, halt nur ein wenig später. Nun gut.


Was wir machen - wir, das ist nicht der blogger’sche Pluralis Majestatis, sondern meine noch bescheidene Anzahl an Mitarbeitern und ich, die wir uns ganz unbescheiden "better - The Fashion Revolution" nennen - ist schnell gesagt: Oberbekleidung und andere Textilien aus Biobaumwolle und fairem Handel für Unternehmen, Vereine, Organisationen usw… Kurz gesagt, für alle, die mit/auf unseren Produkten für sich werben wollen.


Wer mein Blog schon länger kennt, wird sich nun natürlich fragen: wie kommt ein Politologe dazu, nach Jahren des Studiums und mit einem akademischen Titel in der Tasche, plötzlich etwas ganz anderes zu machen und sich in die mörderische Textilbranche zu begeben? Die Antwort darauf ist eigentlich ganz einfach. Eben deswegen! Die Textilbranche ist im wahrsten Sinne des Wortes mörderisch. Kinderarbeit, Ausbeutung, ungesicherte Maschinen, Verätzungen, Umweltverschmutzung, Vergiftungen, massiver Pestizid- und Insektizideinsatz, die verheerenden Auswirkungen der grünen Gentechnik, v.a. auf den indischen Baumwollmarkt… die Liste lässt sich ewig weiterführen. Und das sind keine Ausnahmen, sondern die Regel. Auch wenn große Textildiscounter wie H&M oder Zara mittlerweile Teile der eigenen Kollektion in bio führen und kräftig Greenwashing für’s eigene Image betreiben: gerade mal etwa 0,05% der globalen Textilproduktion arbeitet nach umwelt- und* sozialverträglichen Maßstäben.

Die Idee, hier etwas zu verändern, brodelte eigentlich schon eine ganze Weile unter meinem Haaransatz, bevor ich mich im Frühjahr letzten Jahres, unterstützt von meiner Freundin Linda, die maßgeblich an der Entwicklung der Idee beteiligt war, konkret an die Umsetzung meines Plans setzte, zertifizierte Produzenten oder Biobaumwollkooperativen ausfindig machte und Marktpotentiale erforschte. Anfangs noch mit dem Ziel, sofort als Marke und mit einer eigenen Kollektion aufzutreten. Wir wollten mit fetzigem Design und coolen Schnitten die Biomode endlich vom "Sack und Asche"-Image der müslibrotfressenden Birkenstocklatschenträger befreien und zeigen, dass "bio" und "fair" auch in der Textilbranche durchaus mithalten können, wenn man dem weltverbesserischen Idealismus eine gute Portion Geschmack und wirtschaftliches Denken zur Seite stellt.

Allein die Erstellung des Businessplans dauerte mehr als ein halbes Jahr, danach machten wir uns auf die Suche nach Investoren und Kreditgebern. Zu früh, wie sich herausstellen sollte, denn es war wie in diesem Tocotronic-Song: "Die Idee war gut, doch die Welt noch nicht bereit!" Das Lächeln der Banker war eher mitleidig denn wohlwollend, die Aussage immer dieselbe: "Dafür gibt es keinen Markt!". Mittlerweile hat sich das geändert, der Klimabericht des IPCC sorgte, trotz manch idiotischer Weltuntergangspanik, für Dollarzeichen in den Augen der Schlipsträger sobald man ihnen eine ökologisch und sozial nachhaltige Idee vortrug. Schade für die Banker, sie hätten so manchen Euro mit uns verdienen können, doch wir hatten uns längst anderweitig orientiert.

Gezwungen, mit so gut wie keinem Kapital auskommen zu müssen, sahen wir unsere einzige Chance darin, nach Auftrag zu arbeiten. Und wer vergibt solche großen Aufträge? Richtig, Unternehmen! Bereits der erste Großauftrag kam von einem internationalen Wirtschaftsberater, weitere folgten fast im Wochentakt. Schnell merkten wir auch, wie gut sich Unternehmen dafür eignen, die Idee von biologischer Produktion und fairem Handel zu transportieren. Auch weil sie ein Eigeninteresse an der Vermarktung ihres Engagements haben, helfen sie kräftig mit, ihren Kunden die Existenz einer Wahlmöglichkeit näherzubringen, was vor allem auf dem deutschen Markt extrem wichtig sein wird, denn in Sachen fairer und biologischer Kleidung hinkt der sonst so bewusste deutsche Verbraucher hinterher und glaubt größtenteils noch immer, dass er solche Klamotten nur in Weltläden und Reformhäusern erwerben kann. Wir selbst bekommen diesen Rückstand sogar im B2B-Sektor zu spüren: zwar kriegen wir Anfragen von deutschen Unternehmen, Aufträge wurden uns bisher jedoch ausnahmslos aus dem europäischen Ausland erteilt.

Wie dem auch sei, der Umweg über das textile Merchandising hat uns jedenfalls in die Lage versetzt, endlich den Traum von der eigenen Kollektion und der eigenen Marke zu verwicklichen und den ursprünglichen Businessplan umzusetzen. Während ich mich weiterhin um das Merchandising kümmen werde, geht, unter Lindas Regie, in wenigen Wochen  der Shop für Wiederverkäufer online, Ende Januar folgt dann der Shop für Endkunden. Ohne schon zu viel verraten zu wollen (dürfen), es wird hier einiges an Neuem geben: frische, unkonventionelle Designs, mutige Künstler und junge Designer… und natürlich alles "fair" und "bio".

Und diesmal werde ich Euch ganz sicher vorher informieren. Versprochen!



*Das "und" ist hier fett geschrieben, denn üblicherweise wird meist der Wert 0,1% angegeben. Dieser bezieht sich jedoch nur auf den Anteil von Biobaumwolle auf dem Weltmarkt und berücksichtigt nicht, dass "bio" zwar die Arbeitsbedingungen der Textilarbeiter schon wesentlich verbessert aber eben nicht automatisch "fair" heisst. Zur, für den Laien mehr als verwirrenden, Zertifikatsschwemme, werde ich an anderer Stelle noch einmal Genaueres sagen, hier nur so viel: wer wirklich sicher gehen will, ob sein Bio-Shirt wirklich fair und bio ist, überprüft entweder, ob sich das ausgewiesene Zertifikat auf den "Global Organic Textile Standard" (GOTS) bezieht (Textile Labels, die zur Zeit die Einhaltung des GOTS garantieren: EKO-Sustainable Textile; Soil Association Organic Standard; Oregon Tilth Certified Organic; IMO Control), der neben den ökologischen Richtlinien einen umfangreichen Sozialkatalog beinhaltet, oder vergewissert sich, dass die Textilie sowohl ein Ökozertifikat, als auch entweder das "FairTrade certified cotton"-Siegel der FairTrade Labelling Organisation (FLO), in Deutschland besser bekannt als TransFair e.V., das "Fair for Life" Siegel der IMO Schweiz oder den DIN-Norm ähnlich aufgebauten SA8000 (SA = Social Accountability) trägt.

May 19, 2007

SOLAR ODER FOTOVOLTAIK?

Filed under: Politisches, Umwelt - word2go @ 9:23 am

So, mit einiger Verspätung. Danke Telekom!

Seit Ende November 2006 sind wir stolze Besitzer einer thermischen Solaranlage. Sechs Kollektoren mit einer Gesamtfläche von knapp 14 Quadratmetern erhitzen seither Dusch- und Badewasser, sowie die Fußbodenheizung. Die Finanzierungskosten von knapp 12000€ förderte die KfW mit 6000€. Bei mittlerweile 143 Tagen Laufzeit erzeugte die Solaranlage 1971 kWh und sparte damit bereits 197 Liter Öl. Auf’s Jahresmittel umgerechnet beträgt die jährliche Einsparung voraussichtlich ca. 700 Liter Öl und damit ein Viertel des bisherigen Jahresverbrauchs (2800l). Eine Ausbeute, mit der wir sehr zufrieden sind, denn beim aktuellen Heizölpreis hätten sich die Kosten der Anlage in 15-18 Jahren amortisiert. Berücksichtigt man allerdings die Prognosen der großen Erdölkonzerne, die ab dem Jahr 2010 einer jährlichen Nachfrageerhöhung von 2% einen jährlichen Förderrückgang von 3% gegenüberstellen, also einen sich jährlich um 5 % steigernden Versorgunsengpass voraussagen - man bedenke, die Ölschocks in den 70er Jahren waren das Ergebnis eines einmaligen Versorgungsengpasses von 5% mit Preissteigerungsraten von 300-400% - ist selbst nach konservativen Schätzungen zu erwarten, dass sich der Heizölpreis in den nächsten Jahren mindestens verdreifachen wird. Die Anlage hätte sich in diesem Fall also bereits viel früher abbezahlt.

Vor der Installation gab es im Familienkreis jedoch heftige Diskussionen um Anlagentypen, deren jeweilige Wirtschaftlichkeit und Energieeffizienz. Da unser Dach zu klein war, um sowohl eine thermische, als auch eine Fotovoltaikanlage zu errichten (bzw. die Schleppgaube in der Dachmitte zuviel Schatten auf die Fotovoltaikanlage geworfen hätte), mussten wir uns entscheiden und sammelten daher reichlich Informationen und Argumente für und wider die jeweiligen Typen, die ich im Folgenden kurz darstellen will.

Um es gleich vorweg zu sagen: am Ende entschieden nicht die Vorteile oder Schwachpunkte des einen oder anderen Systems, sondern ganz banal der eigene Bedarf. Der ans Haus angeschlossene Friseursalon verbraucht täglich mehrere hundert Liter Wasser (zum Vergleich: der tägliche Wasserverbrauch liegt in Deutschland bei 126l pro Kopf; Amerika 382l p.k.) und es wäre wirtschaftlicher Unsinn gewesen, diese Verbrauchsspitzenzeiten nicht mit den Spitzenzeiten der Sonneneinstrahlung zu koppeln, denn so ist seither selbst an schattigen Wintertagen der Warmwasserbedarf des Salons gedeckt.

Nun gut, der erste Diskussionspunkt war eher ideologischer Natur. Während eine thermische Solaranlage vom ersten Moment an sichtbar Energieressourcen einspart, weil sie - auch wenn es sich hier nur um einen marginalen Bruchteil handelt - die Nachfrage nach Erdöl verknappt, wirkt eine Fotovoltaikanlage während der ersten 20 Jahre nur auf der Angebotsseite. Der im eigenen Heim erzeugte Strom muss nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 20 Jahre lang ins Netz eingespeist werden und auch wenn Fotovoltaikanbieter gerne die "vermiedenen" CO2-Emissionen anführen, sind diese Werte nur für den Idealfall errechnet, also für den Fall, dass der von der Fotovoltaikanlage erzeugte Strom dieselbe Menge an industrieller Produktion vollständig substituiert. Die Realität sieht jedoch anders aus: Solarstrom wird von den Netzbetreibern meist lediglich zur Erfüllung von Spitzenlasten herangezogen, während gerade die großen Energieunternehmen noch immer nennenswerte Überkapazitäten produzieren, um billigen Strom auf den Markt zu pressen und damit die Wettbewerbsfähigkeit kleiner Anbieter zu schädigen, weshalb kaum nachprüfbar ist, ob und wann der eingespeiste Fotovoltaikstrom denn nun wirklich zu einer Verminderung der industriellen Stromproduktion und damit zur Verminderung der CO2-Emission beiträgt. Zudem kann man sich erst nach 20 Jahren entscheiden, ob man die Anlage vom Netz nimmt, um den Hausstrom autonom zu erzeugen und damit direkt die Energienachfrage zu verknappen, oder einen neuen Einspeisungsvertrag mit den Stromanbietern schließt. Kurzfristig hat die thermische Solaranlage gegenüber der Fotovoltaikanlage also einen unmittelbaren Nachhaltigkeitsvorteil, langfristig gleichen Fotovoltaikanlagen, natürlich nur unter der Zusatzbedingung, dass immer mehr Haushalte auf Fotovoltaik umsteigen und damit zur Deckung der Grund- und Mittellasten des bundesdeutschen Stromverbrauchs beitragen, diesen Vorteil wieder aus.

Dies bringt mich zum zweiten Diskussionspunkt, denn Regierung und Stromkonzerne haben den Haushalten in den letzten Jahren massive Anreize geschaffen, die langfristigen Nachhaltigkeitsvorteile der Fotovoltaik Wirklichkeit werden zu lassen. Jeder Hausbesitzer, der eine Dachfläche von etwa 8-10qm (Nennleistung ca 1,00 kWp) zur Verfügung hat, kann sich nach dem EEG eine Fotovoltaikanlage leisten, denn sie lässt sich nach Wunsch praktisch von Beginn an gewinnbringend, bzw. kostenlos anschaffen: dann nämlich, wenn man die Laufzeit des Anschaffungskredits so einstellt, dass die Einnahmen aus der Stromerzeugung die Kreditzinsen übersteigen, bzw. finanzieren.

Wir hatten uns im August letzten Jahres deshalb ein Angebot für eine 6,00 kWp-Anlage zu einem Anschaffungspreis von 26.500€ netto machen lassen. Bei einer Kreditlaufzeit von 16 Jahren und einem einem Eigenanteil von 0€ lag der Zinsatz der KfW bei 4,2%. Das Hausdach ist nach Süden ausgerichtet und hat einen Neigungswinkel von 30 Grad, weshalb die Einspeisungvergütung/Förderung 0,518€/kWh (Mindestförderung bei Gebäuden: 0,492€/kWh) betragen hätte. Ich habe einmal einen der vielen Online-Fotovoltaik-Förderrechner mit diesen Daten gefüttert und das Ergebnis spiegelt ziemlich genau das damalige Angebot wider:






Nach einer Vertragslaufzeit von 20 Jahren hätten wir mit dieser Anlage 14716,40 € verdient, ohne auch nur einen einzigen Cent zu investieren. Natürlich lässt sich dieses Ergebnis bedeutend steigern, wenn man die Kreditlaufzeit verkürzt und in den ersten Jahren dazuzahlt. Fotovoltaik ist somit als Anlageform eine äußerst rentable Sache, natürlich nur unter der Voraussetzung, dass keine zukünftige Regierung das EEG kippt oder die Anlage durch Steuerreformen unrentabel macht. Was politisch jedoch grundsätzlich fehlt, ist die notwendige Aufklärung der Bürger über den finanziellen Vorteil der Fotovoltaik und die damit verbundenen Nachhaltigkeitschancen. Hätten wir uns nicht im Anschluss an das Angebot so umfassend informiert, wir hätten den Heizungsbauer weiterhin für einen Scharlatan gehalten. Das Angebot klang absolut unglaubwürdig, denn wer schenkt einem schon Geld.

Einen entscheidenden Nachteil gegenüber der thermischen Solaranlage hat Fotovoltaik dann aber doch noch. Dieser betrifft die Energieeffizienz, bzw. den Wirkungsgrad, der bei der thermischen Solaranlage 3-4 Mal höher ist, was nichts anderes heisst, als dass die thermische Solaranlage fossile Ressourcen wesentlich effektiver schont.

Abschließend kann man sagen, dass meine Erfahrungen in unserem Fall zeigen, dass es sich auf jeden Fall gelohnt hätte, beide Formen der solaren Energieerzeugung zu installieren. Wenn man sich jedoch entscheiden muss, ist zu beachten, dass die thermische Solaranlage aus ökologischer, die Fotovoltaikanlage aus finanzieller Sicht nutzenbringender ist. Was natürlich nur für einen direkten Vergleich zählt. Aus wirtschaftlicher und umweltpolitischer Sicht sind beide alternativlos, zumindest solange, bis die Brennstoffzelle Massenwirtschaftstauglichkeit aufweist.

April 23, 2007

HAPPY MOTHERFUCKIN’ EARTHDAY

Filed under: Panorama, Umwelt - word2go @ 8:29 am

Was zum Lachen (Heulen?) gefällig?

via gebloggte Welten


April 4, 2007

MCPLANET 2007 - KLIMA DER GERECHTIGKEIT

Filed under: Politisches, Umwelt, Werbung - word2go @ 9:50 pm

Er klingt zwar etwas nach der ultimativen Burgerneuschöpfung der Golden Arches, schmeckt aber weder nach Chili, noch nach Hickory: dafür jedoch ist der gemeinsame Klimakongress von BUND, Attac, Greenpeace, EED, der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie randvoll gefüllt mit hochkarätigen Gästen, brandheißen Themen und einem spannenden Rahmenprogramm. In seinem vierten Jahr kehrt der Kongress zurück an die TU Berlin, wo sich drei Tage lang alles um das "Klima der Gerechtigkeit" drehen wird.



Los geht’s am Freitag den 4. Mai um 20.00h mit Prof. Dr. Carlo Jäger, Desmond Tutu und Meena Raman. Sie ziehen 15 Jahre nach Rio Bilanz und fragen "Wo stehen wir?".

Am Samstag diskutieren dann zunächst Candido Grzybowski, Prof. Dr. Jayati Gosh, Jan Burdinski und Andrew Simms über die Vereinbarkeit von Armutsbekämpfung, Klimaschutz und wirtschaftlichem Wachstum, danach beleuchten Sivan Kharta, Konrad Ott und Arne Mogren die Grenzen des Machbaren: müssen wir pragmatische Abstriche machen oder induziert ein konsequenter Klimaschutz von ganz allein mehr globale Gerechtigkeit? Spätabends läutet dann die Stunde der weniger pragmatisch veranlagten Menschen, denn  Fritz Kuhn, Guillaume Paoli, Kate Hampton und Sven Giegold wagen sich unmittelbar vor der langen Partynacht an ein ganz heikles Thema: "Brauchen wir eine Revolution und wenn ja, wie soll sie aussehen?". Zwischen den einzelnen Veranstaltungen geben je 3 Foren, 25 Workshops und ein philosophischer Salon allen Besuchern ausreichend Gelegenheit, sich selbst einzubringen und den ein oder anderen Sachverhalt auszudiskutieren.

Ausgeschlafene können Sonntagmorgen noch einmal Foren und Workshops besuchen, bevor Marcelo Furtado und Klaus Töpfer im Abschlusspanel Bilanz ziehen und die Zukunft skizzieren.

Wer Interesse hat, kann sich auf der Kongresswebsite anmelden, der Unkostenbeitrag beträgt bis 9. April 30 €, danach 35 €.

March 30, 2007

KLIMA SCHMÄH - ALLES LÜGE!?

Filed under: Umwelt - word2go @ 2:15 pm

Bild bringt Schocker des Jahrtausends!

Unsere BILD, ein Phänomen! Nachdem Deutschlands auflagenstärkstes Blatt in den letzten Wochen eine Klimapanik verbreitete, dass man sich als klassisch umweltbewusster Mensch hochnotpeinlich an die Vereinigten Staaten nach 9/11 erinnert fühlte, nun die Kehrtwende. Alles Lüge! Autos pupsen nicht mal halb so schädlich wie Menschen und die Ozeane qualmen mit ihrem CO2-Ausstoß (sic!) tagtäglich schlimmer als der ehemalige Ostblock und das aufstrebende China es zusammen in tausend Jahren nicht geschafft hätten. "Was sollen wir denn jetzt nur glauben?", jammern die Redakteure.

Glauben, liebe BILD-Redakteure… mit dem Glauben ist das so eine Sache. "Du sollst nicht immer alles glauben…", sagte meine Mutter früher immer, wenn ich mal wieder mit zerrissenen Hosen vor der Tür stand, weil der Nachbarsjunge kühn behauptete "der beisst nicht!". Und deshalb glaube ich euch nicht, dass ihr glaubt, nicht mehr glauben zu dürfen, was ihr glaubt, das wir glauben sollen. Dafür sorgt allein schon euer Testimonial - vielleicht wird dieser Begriff ja mal zukünftig die offizielle Bezeichnung für eine Quellenangabe, von der der Freund eines Freundes eines Freundes einmal gesagt hat, dass es sie irgendwo gibt. Als euren Testimonial, äh eure Quelle, gebt ihr nämlich die FAZ an und nennt sie renommiert. Da habt ihr natürlich völlig recht, die FAZ ist eine renommierte Zeitung. Nur wenn eine Zeitung von einer anderen Zeitung behauptet, sie sei renommiert, dann bekomme ich immer gleich den Zwang mich zu fragen, warum die eine Zeitung das tut. Versucht sie vielleicht, das eigene, fehlende Renommee durch die Glaubwürdigkeit anderer aufzubessern? Oder ist vielleicht die Glaubwürdigkeit der Kritiker, welche die FAZ hier zitiert, so am Boden, dass es glaubwürdiger und sinnvoller erscheint, sie nicht zu nennen, um dann mit weisser Weste die FAZ die Suppe auslöffeln zu lassen, wenn auffliegt, dass es die Kritiker waren, die logen?

Wahrscheinlich aber war es nur hinsichtlich des manipulativen Charakters des Artikels opportuner, die Quellen der FAZ nicht zu nennen, denn sonst hätte man ja aufklärende Sentenzen hinzufügen müssen, welche die erwünschte Schockschwerenotstarre des Lesers untergraben hätten. Etwas, was die FAZ übrigens getan hat, liebe BILD-Schreiberlinge - was btw. das ist, was eine renommierte von einer nicht-renommierten Zeitschrift unterscheidet - aber das habt ihr ja "vergessen" zu erwähnen.

Nun, jedenfalls behauptet ihr, dass die FAZ behauptet - wobei die FAZ allerdings behauptet, dass es nur die Kritiker behaupten - dass brandneue (ein Wort, das ihr der FAZ dabei schamlos in den Mund legt) wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass der Anteil des Menschen am Kohlendioxid weltweit insgesamt nur auf 1 bis 4 Prozent geschätzt werde und der Großteil aus tierischer Atmung und aus den Ozeanen stamme, welche umso mehr CO2 abgäben, je wärmer sie werden.

Liebe Bild-Redakteure, wisst ihr, wie eine Archivrecherche funktioniert? Nein? Na, da gibt man ein paar bool’sche Operatoren ein - wenn Ihr nicht wisst, was das ist, könnt ihr ja mal nachgoogeln, funktioniert im Prinzip nämlich genauso - und schon findet man eine Studie aus dem Hause Springer von 1994 mit dem schönen Namen "Das CO2-Problem und die Rolle des Ozeans". Darin setzen sich die Autoren Duiker und Wefer bereits mit dem "brandneuen" Argument der Klimakritiker auseinander und zeigen sehr schön, dass die Ozeane als CO2-Speicher wesentlich zur Verminderung der globalen CO2-Emission beitragen. Was die Ozeane in Wirklichkeit machen, ist - und darauf beruhen auch die Argumente der Klimakritiker - eine beträchtliche Menge Wasserdampf in die Atmosphäre abzugeben, der als Wärmeleiter fungiert und damit, neben der Sonneneinstrahlung, den Hauptanteil am atmosphärischen (natürlichen) Treibhauseffekt trägt, ohne den wir hier auf der Erde bei einem Durchschnittswert von -18 Grad Celsius ganz schön bibbern würden. Klimakiller Ozean? Wäre ja auch ein zu schöner Sündenbock!

Ach ja, wenn ihr schon gerade am googeln seid, dann guckt doch gleich mal die Begriffe "Absorption", "sichtbare Strahlung", "Strahlung im Infrarotbereich", "Kohlenstoffzyklus" und "Photosynthese" nach. Dann werdet ihr merken, warum 99% der Klimatologen die, hauptsächlich auf Dialektik beruhenden, Argumente der Klimakritiker nicht ernstnehmen, die Rolle der Ozeane als Multiplikator des durch CO2-Emission bedingten, anthropogenen Treibhauseffektes aber sehr wohl. Viel Spaß!

February 7, 2007

KOEXISTENZ

Filed under: Politisches, Umwelt - word2go @ 10:08 am

Stelle Dir vor, Du hättest einen Stalker. So ‘nen richtig fiesen, der ständig anruft, Botschaften hinterlässt, Dir auflauert und hinter vorgehaltenem Messer seine Liebe gesteht. Was würdest Du tun? Richtig, Du gehst natürlich zur Polizei und suchst nach Schutz. Nun ist aber dieser Stalker nicht irgendwer, sondern der größte Arbeitgeber im Landkreis. Die Polizei sagt, den könne man nicht einfach wegsperren, der wäre zu wichtig für die ökonomische Entwicklung der Region. Und weil der größte Arbeitgeber im Landkreis so einen Narren an Dir gefressen und dem Landrat gedroht hat, sein Unternehmen nach Polen zu verlagern, wenn er sich Dir nicht weiterhin nähern darf, traut sich die Polizei auch nicht, ihm den Umgang mit Dir zu untersagen. Stattdessen findet man einen Kompromiss, der eine sogenannte "Koexistenz" Eurer beiden individuellen Lebensentwürfe garantieren soll. Zwei Beamte werden abgestellt, Dich rund um die Uhr zu bewachen und dürfen eingreifen, sobald der größte Arbeitgeber im Landkreis Dir eine Wunde zufügt, die tiefer geht als einen Zentimeter. Ansonsten darf er schnippeln, wie er will. Du würdest Dir natürlich denken, "Scheiss Bullen, in was für einem nepotistischen Bananenstaat lebe ich denn hier?", und wärst Deines Lebens nicht mehr sicher. Psychisch und physisch.

Zugegeben, dieses Gedankenexperiment entspricht nicht gerade dem Bild unseres Rechtsstaats. So etwas verortet man dann doch eher in den Unrechtsregimen Afrikas oder Lateinamerikas oder in schlechten Filmen über Bagpacker in Osteuropa. Es geht ja immerhin um Leben und Sicherheit des Bürgers und da sind unsere Behörden ja relativ fit.

Jedoch…, in anderen Bereichen unserer staatlichen Organisation passt das oben gezeichnete Bild von Vetternwirtschaft, Lobbyismus und Erpressbarkeit sehr gut. Zum Beispiel im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Dort betreibt Minister Seehofer seit geraumer Zeit ein aggressives Lobbying für die Biotechnologie, kippt Kontaminationsrichtlinien und Verursacherprinzipien und versucht so, die schleichende Verunreinigung von Lebensmitteln und Saatgut mit genetisch veränderten Organismen (GVO) zwar nicht salonfähig, wohl aber irreversibel zu machen. Und das alles unter dem niedlichen Schlagwort "Koexistenz". "Jedem das Seine, schließlich dürfe man den lukrativen und Arbeitsplätze schaffenden Biotech-Konzernen das Forschen doch nicht verbieten", so seine Argumentation.

Sein neuester Coup? Ein Gesetzesentwurf, der vorsieht, dass Biotech-Konzerne konventionelle Agrarbetriebe bei auftretenden Verunreinigungen erst dann entschädigen müssen, wenn die Kontamination 0,9% übersteigt. In Anlehnung an unser Stalker-Beispiel: ein bißchen Schnippeln ist also erlaubt! Was soll man nun davon halten? Wird in Zukunft analog auch der Taschendieb nur noch dann bestraft, wenn er mehr als 0,9% des Gesamtvermögens des Beraubten klaut? Darf ich in Zukunft im Lebensmittelladen getrost von der Auslegeware naschen, wenn ich sie dann wieder brav zurücklege? Oder mir bei Hugo Boss eine Anzugtasche abreißen, weil ich gerade kein Taschentuch zur Hand habe?

Nein, jetzt mal ganz im Ernst und abgesehen von der Idiotie, die dieser Gesetzesentwurf bei transitiver Auslegung aufweist und die ihn unmittelbar als kaum kaschierten Akt des Lobbyismus entlarvt; der Gesetzesentwurf beweist, dass die Koexistenz bereits versagt hat, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Wenn GVO-Anbau und konventioneller Anbau nebeneinander existieren könnten, bräuchten die Biotech-Konzerne auch diesen Zusatzfallschirm nicht, der sie vor Millionenklagen schützen soll. Dann wären sie in der Lage, eine Verunreinigung zu verhindern.

Doch so: "Damn’, this parajute is a napsack!" … *aufklatsch*

Umfangreiche Informationen zum Thema gibt’s übrigens beim Seenotjens und wer direkt etwas gegen diesen Wahnsinn tun will, ist bei campact richtig gut aufgehoben. Ach ja, und falls sich ein paar M&M-Fetischisten hierher verirrt haben sollten: diese Jungs hier sind keine Umweltschützer, sondern nur opportunistische Demagogen. Die Feinde meiner Feinde sind nicht zwangsläufig meine Freunde, gelle?!

January 24, 2007

NUR EIN KURZER REMINDER

Filed under: Politisches, Panorama, Umwelt - word2go @ 10:04 am

Zum Umkehrschwung der USA in der Klimapolitik werde ich in einem längeren Artikel nochmal etwas sagen, wenn ich mehr Zeit habe. Bis hierher nur so viel: es liegt weniger am Bewusstsein, als an der Lukrativität der neuen "alten" Energien und Probleme gibt’s auch schon mit dem Energiehunger der USA.

Kleine Artikelübersicht:

Konsumblog: Pack die Tortilla in den Tank
Spon: Volle Tanks, leere Teller
Naturbelastet: Mit Biodiesel in die Biokatastrophe
Umweltschutz-News: Nutzung von Planzen als Biosprit nach Gutachten Unsinn
Umweltschutz-News: Deutsche Subventionen für "Kahlschlag-Diesel" aus dem Regenwald

January 23, 2007

NACHHALTIGKEITSGRUNDWISSENSHAPPEN I

Filed under: Panorama, Umwelt - word2go @ 6:03 pm

Liebe Amis (und Europäer), lasst Euch sagen,
Raps Gas füllt den Tank
und Mais den Magen!

December 1, 2006

LIEBE KOMMUNISTISCHE PARTEI CHINAS

Filed under: Politisches, Panorama, Umwelt - word2go @ 12:39 pm

Wir freuen uns hier ja, dass auch Sie die Folgen der globalen Umweltzerstörung erkannt haben, aber das geht ja nun ein wenig zu weit, oder?

October 23, 2006

OFFENER BRIEF AN HORST SEEHOFER

Filed under: Politisches, Umwelt - word2go @ 7:39 am

Sehr geehrter Herr Seehofer,                        16.10.2006

ich möchte Sie gleich eingangs darauf hinweisen, dass ich diesen Brief parallel auch auf meinem Blog http://word2go.blogsome.com veröffentlicht habe und dort meinen Lesern und Bloggerkollegen die Möglichkeit gebe, sich der Forderung mittels Unterschrift und/oder Verlinkung anzuschliessen.

Am 30. September 2006 hat das Panel der WTO im Gentechnikstreitfall USA, Kanada und Argentinien vs. EU in erster Instanz für die Kläger und damit gegen das EU-Moratorium zur Einfuhr von Gen-Pflanzen, sowie unilaterale Beschränkungen von 6 EU-Mitgliedsstaaten entschieden. Diese Entscheidung war vor dem Hintergrund des internationalen Handelsrecht zu erwarten und beweist eindrucksvoll, dass die Nichtverbreitung gentechnisch modifizierter Güter nicht über internationale Rahmenabkommen wie das Biosafety-Protokoll geregelt werden kann, da dieses Protokoll trotz des Beitritts von 134 Mitgliedsstaaten gegen internationales Handelsrecht verstösst, indem es nichttarifäre Handelshemmnisse erzeugt. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Deutschland seine Souveränität über das Angebot gentechnisch veränderter Produkte gar nicht wahrnehmen kann, solange auch in Deutschland gentechnisch veränderte Produkte angebaut und vertrieben werden.

Wie Sie bereits wissen, bergen Anbau und Konsum gentechnologisch modifizierter Produkte zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch zu viele Risiken für die Gesundheit der Verbraucher, sowie für die Arten- und Sortenvielfalt. Erst kürzlich konnte z.B. nachgewiesen werden, dass viele gentechnisch veränderte Pflanzenarten neue, bisher gänzlich unbekannte Reihen an Histonen (Zellkernproteine) ausbilden, über deren Auswirkung auf die menschliche Gesundheit gegenwärtig noch nichts gesagt werden kann, ausser dass von Histonen bekannt ist, dass sie die Epigenese (Veränderung der DNA-Sequenz) entscheidend beeinflussen. Zudem ist mittlerweile bekannt, dass große Biotechnologieunternehmen wie Monsanto, diese Ausbildung neuer Proteine während der Zulassungsverfahren wissentlich verschwiegen und unabhängige Kontrollen teilweise aktiv behindert haben.

Herr Seehofer, machen Sie sich nicht zum Mitwisser und Mittäter einer korrupten Biotechnologiemafia! Setzen Sie ein Zeichen gegen die verlogene "Feed the world"-Kampagne der Biotechnologiefirmen und stoppen Sie Anbau und Verkauf gentechnisch veränderter Produkte. Nur ein vollständiges Verbot für Anbau und Verkauf von Genfood kann Verbrauchersicherheit und Biodiversität gewährleisten! Schieben Sie diese Verantwortung nicht an internationale Gremien ab, sondern tun Sie Ihren Job! Das ist der Wählerauftrag, der Ihnen für diese Legislaturperiode gegeben wurde. Bislang hörten wir von Ihnen nur beschwichtigende Worte und sahen ein Verhalten, das schon fast als Lobbying für die Biotechnologie angesehen werden könnte.

Wir Wähler erwarten, dass Sie nun entschiedene Schritte unternehmen, sich für ein Verbot des Anbaus und Verkaufs von gentechnisch modifizierten Produkten einsetzen und endlich anfangen, die Interessen Ihrer Wähler wahrzunehmen.

Mit freundlichen Grüßen,
Jochen Gottwald

@ all:
Wenn Ihr auch auf die Unterschriftenliste wollt, meldet Euch bitte in den Kommentaren oder schreibt einen eigenen Artikel, der hierher verweist (dann aber bitte den Ping nicht vergessen, damit ich das auch mitbekomme). Ich werde, wie immer, alle Namen auf die Unterschriftenliste sezten und Euren Beitrag mitverlinken.

Update: Na, dann kann’s ja losgehen, die ersten virtuellen Unterschriften trudeln ein. Gleich am Anfang ein richtig dicker Artikel von gebloggte Welten, der auch einen Augenzeugen für Monsantos Verschleierungstaktik mitverlinkt und Beweise für den Kuhandel zwischen Monsanto und der Federal Drug Agency (FDA) erbringt. Der Eckpfeiler unterstützt die Aktion auch, obwohl er gerade mit Erkältung im Bett liegt. Das nenne ich Einsatz. Gute Besserung von hier. Artur ist der Dritte im Bunde und trifft einen Punkt ganz richtig: "der Widerstand muss…permanent nervig werden". Momo Rules von Metalust & Subdiskurse diskutiert das Theorem, daß man nur in einem Rahmen handeln solle, innerhalb dessen die Handlungsfolgen revidierbar und kontrollierbar bleiben. Wer dazu mehr wissen will, der google doch mal nach "Hans Jonas". Jens Berke von von naturbelastet.de schiebt ein Video hinterher, das belegt, wie Monsanto - inhaltlich erfolgreich - versucht hatte, die Ausstrahlung eines kritischen Berichts bei FOX zu unterdrücken. Auch Onno vom Konsumblog, der auch das interessante Blog jassesnee führt, unterstützt die Aktion und Kollegin mutant verlinkt einen sehr interessanten Artikel mit dem Titel "Why organic", der vor allem Eines zeigt: Bio ist Trend und je mehr Produzenten auf einmal alle "bio" sein wollen, desto wichtiger ist ein gut funktionierendes und vor allem unabhängiges Zertifizierungs- und Monitoringsystem, sonst ist "bio" nämlich bald nicht mehr "bio". Michael Wenzl von den Farmbloggern verweist auf einen hervorragenden Artikel auf Telepolis zum 10-jährigen Geburtstag der "grünen" Gentechnik.

Unterstützer
Gebloggte Welten
Der Eckpfeiler
artur - the easy rider
Metalust & Subdiskurse
Naturbelastet
Konsumblog
jassesnee
Die Farmblogger



October 19, 2006

NACHTRAG ZUR GREENPEACE-AKTION GEGEN LANDLIEBE

Filed under: Panorama, Umwelt - word2go @ 9:00 am
Nachdem Greenpeace entdeckt hatte, dass Landliebe Produkte aus Milch von Kühen herstellt, die mit MON810 gefüttert werden, hatten mehrere Greenpeace-Mitglieder Landliebeprodukte in ausgewählten Supermärkten mit dem Verweis "Hergestellt mit Gentechnik" versehen. Unter anderem besuchten sie auch den Laden unseres allseits beliebten Shopbloggers. Dieser liess es sich nicht nehmen, gleich mal einen bösen Artikel zur Aktion zu schreiben und auch die Reaktionen in den Kommentaren spiegeln zum Teil ein verheerendes Bild der deutschen Bewusstseinslage wider. Ein kleines Beispiel:

Find ich jetzt nicht so schlimm. Wehret den Anfängen. Nur dumme Menschen kaufen und essen GVO.#2 Jürgen am 02.10.2006 13:27

Damit würdest du mir Dummheit unterstellen. Daß Landliebe genmanipuliert ist, wusste ich nicht. Mal davon abgesehen ist es schlicht und ergreifend nicht richtig, nen Ladenbesitzer, der den Kram schließlich nicht herstellt das Geschäft mit solchen Aufklebern zu versauen.

Ich bin ja auch für Umweltschutz aber: diese Aufkleber landen eh auf dem Müll. Und den 08/15-Kunden interessiert es eh nicht, was er isst, hauptsache billig.
#2.1 Marcel (Homepage) am 02.10.2006 13:46

Aha! Marcel wusste zwar nicht, dass Landliebe genmanipuliert ist, will aber trotzdem nicht über den Sachverhalt informiert werden, weil der Deutsche eh alles frisst, was billig ist. Oder anders: er will zwar nicht "dumm" genannt werden, der Dummheit aber auch nicht entfliehen. Das nenn’ ich ja mal eine konsistente Argumentation.

"Ich bin ja auch für…, aber…", diese hilflose Floskel, die überall da angebracht wird, wo es ans eigene Säckel, ans eigene Gewissen oder einfach an die Notwendigkeit geht, endlich mal den eigenen Arsch hochzubekommen und etwas zu tun anstatt nur zu brabbeln, sie scheint uns eingeimpft von einer  erbärmlich fatalistischen Unternehmenskultur: "es ist, wie es ist; man kann ja doch nichts ändern; der Verbraucher hat ja keine Macht…" Ja verdammt Jungs, macht doch mal die Augen auf! Das ist doch genau das, worüber Ihr Euch aufregt! Greenpeace hat mit dieser Aktion an Eure Macht appelliert! Und kaum merkt Ihr, dass Ihr sie habt, zieht Ihr den Schwanz ein: "So was darf man doch dem Unternehmer nicht antun, der ist doch nicht schuld daran…" Ja, Macht zu haben ist leider nicht ganz so einfach, wie das Gehirn an der Ladentür abzugeben, man kommt eben in Gewissenskonflikte. Gewöhnt Euch schon mal dran! Schliesslich habt Ihr die Wahl und der Ladenbesitzer hat auch die Wahl. Er kann die Landliebeprodukte nämlich ganz einfach aus seinem Sortiment entfernen und durch andere Produkte ersetzen und schon ist der Verlust passé. So funktioniert das Prinzip von Angebot und Nachfrage.

Und wenn Ihr jetzt noch einen Schritt weiter denkt und Euch endlich mal informiert, dann werdet Ihr sehen, dass gentechnisch veränderte Produkte genau dieses Prinzip von Angebot und Nachfrage ausser Kraft setzen. Ihr werdet bald nicht mehr die Wahl haben, wenn Ihr Euch nicht wehrt!

So, und wer meine Schimpftirade bis hierher durchgehalten hat und mich noch immer nicht für einen Arsch hält, der darf gerne hier klicken und den offenen Brief an Horst Seehofer unterzeichnen.

October 15, 2006

WENN WISSENSCHAFT KEIN WISSEN SCHAFFT

Filed under: Panorama, Umwelt - word2go @ 5:52 pm


Naturbelastet, ein Blog, das sich sehr profund für mehr Humus im Hirn einsetzt und deshalb hier zukünftig links unter Links verzeichnet ist, verweist auf einen wissenschaftlichen Artikel, der sich kritisch mit dem boomenden Ökomarkt beschäftigt und stellt sich angesichts der rationalistischen Methode des Autors die Frage, ob man widersprüchliches Umweltverhalten mathematisch berechnen kann. Neugierig, wie ich eben bin, bin ich dem Link zum Artikel mal gefolgt und habe mich anfangs sogar ein wenig gefreut. Einfach, weil es schön ist, wenn man kritische Stimmen zum Ökomarkt einmal jenseits des Stammtischniveaus der beiden Ex-Leninisten Knaxheimer und Kniersch lesen darf.

Kurz zusammengefasst, macht sich der Autor der Untersuchung darüber Gedanken, wie sich der private Konsum von Ökoprodukten auf die Verfügbarkeit des öffentlichen Gutes "Umweltschutz" auswirkt und kommt zu der interessanten These, dass sich ein vermehrter privater Konsum von Ökoprodukten unter Umständen negativ auf das Gut Umweltschutz, sowie die öffentliche Wohlfahrt auswirkt. Nämlich dann, wenn dieser gestiegene Konsum zur Verringerung des Spendenaufkommens, bzw. zu nicht-ökologischen Konsumentscheidungen bei anderen Produkten führt. Sprich: kauft der Konsument verstärkt teure Ökomöhrchen und kann sich deswegen die Bioseife nicht mehr leisten, greift er zur konventionellen Billigseife und trägt damit zur Verunreinigung der Gewässer bei. Dies beweist er durch eine Reihe mathematischer Berechnungen unter der Annahme vollkommener individueller Rationalität bei der Kaufentscheidung.

Die Berechnungen sind soweit korrekt, es sind Standardnutzenfunktionen und nicht weiter anfechtbar. Jedoch macht der Autor den methodischen Fehler, unbewusste Zusatzannahmen zu treffen, die in das Modell miteinfließen, die Realität nicht berücksichtigen und damit die Ergebnisse verfälschen. Drei Fehler sind dabei besonders auffällig:

1. eine sträfliche Vernachlässigung des Komplementärgütereffekts
2. die nicht erwähnte Zusatzannahme eines gleichmässigen Wachstums
3. die nicht erwähnte Zusatzannahme eines Nullsummenspiels

Unterstellt man nun rationales Konsumverhalten (klare Präferenzordnung, Ausschöpfung der Kaufkraft), ist bei diesen Zusatzannahmen eigentlich schon im Vorfeld klar, dass dem untersuchten Produktmarkt eine negative Wachstumsprognose gestellt wird. Ohne zusätzliche Komplementärguter (also diese Güter, die benötigt werden, um ein ökologisch verträgliches Produkt zu erzeugen, bzw. solche Güter, die typischerweise bei Genuss eines ökologischen Produktes mitkonsumiert werden) wäre es tatsächlich so, dass sich der "Kauf des ökologischen Produktes" und alternativ "die Spende für ein Ökoprojekt" bei der Erzeugung des öffentlichen Gutes "Umwelterhaltung" substituieren. Soll heißen: kauft der Kunde das Produkt, hat er kein Geld mehr für die Spende. Der Zugewinn an Umweltschutz wäre in diesem Fall also keiner.

Die Realität ist jedoch kein Nullsummenspiel, d.h. nicht jeder Konsument ist zum Startpunkt der Betrachtung gleichzeitig "Wollsockenträger" und "edler Spender", der sich für eine der beiden Optionen entscheiden muss. Beide Märkte können also unabhängig voneinander, sprich ungleichmässig wachsen. Woher der Autor die Annahme nimmt, dass beide Märkte aneinander gekoppelt sind, würde ich gerne wissen.

Selbst wenn die Märkte aneinander gekoppelt wären, bleibt der Komplementärgütereffekt. Dieser induziert ja Investitionen in die Produktion von sekundären, nachhaltigen Technologien, die bei einer reinen Spende nicht auftreten. D.h., selbst wenn der Kauf von Ökoprodukten dem Konsumenten das Geld nimmt, für Ökoprojekte zu spenden, hat der Kauf von Ökoprodukten eine höhere Wirkung auf den Schutz der Umwelt, als die Spende. Es entsteht ein Bruttozugewinn an Umweltschutz.

So sauber die Studie auch ansonsten gerechnet ist, die methodologischen Fehler lassen nur ein Urteil zu: ab damit in die Mülltonne und auf in den Biomarkt.

September 22, 2006

SPAREN FÄNGT BEIM DENKEN AN!

Filed under: Politisches, Umwelt - word2go @ 2:36 pm

Es ist mittlerweile einfach, die Gründe für den Klimawandel zu beschreiben und seine fatalen Folgen zu prognostizieren. Es ist auch einfach, einen Plan für den Energiemix aufzustellen, der die Versorgungssicherheit zu einem vertretbaren Preis garantiert. Die Kunst und die Herausforderung dieser Epoche besteht jedoch gerade darin, die beiden Themen so zusammenzubringen, dass sie zueinander passen. Die Grunderkenntnis jeder vernünftigen Analyse muss lauten: Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Energieverbrauch und Klimawandel.

Mächtige Worte, die man eher bei einem Greenpeace-Aktivisten vermuten sollte, lässt unser Bundesumweltminister Sigmar Gabriel da vom Stapel. Leider hört die "Einfachheit" der komplexen Wirkungen des bundesdeutschen Energiebedarfs auf das globale Klima für Gabriel dort auf, wo der Respekt vor der Energielobby beginnt. Nichts als sinnentleerter Populismus bleibt mehr über, wenn man Gabriels Vorschläge für die nationale Regelung des Emissionshandels betrachtet, über die in den nächsten Wochen im Bundestag abgestimmt werden soll.

Kohlekraftwerken sollen, diesen Vorschlägen zu Folge, doppelt soviele Emissionszertifikate zugestanden werden, wie Gaskraftwerken. Ein umweltpolitischer Faux-pas, zweifelsfrei. Doch auch dem nicht so umweltbewussten Bundesbürger dürfte angesichts der Vorschläge der Kragen platzen. Die Bundesregierung will ihre Zertifikate für den Zeitraum von 2008 bis 2012 nämlich kostenlos verteilen, obwohl die europäische Richtlinie vorsieht, zwischen 5-10% der Zertifikate zu versteigern. Etwa 15 Milliarden gingen dem deutschen Staat so durch die Lappen. Schlimmer noch, die Bundesregierung wirft bereits heute ihre Zertifikate in solchen Unmengen auf den Markt, dass die Unternehmen sie gar nicht benötigen und an der Börse zu Geld machen. Und das, ohne auch nur ein einziges Gramm an CO2 eingespart zu haben. Man möchte fast glauben, unser Staat bräuchte kein Geld!

August 7, 2006

EXXON UND VIRALES MARKETING - EINE WIRKLICH UNANGENEHME WAHRHEIT

Filed under: Panorama, Umwelt - word2go @ 9:59 am

 
Bei YouTube erfreuen sich zur Zeit Spoofs zu Al Gores Film über die globale Erwärmung, "An Inconvenient Truth", größter Beliebtheit. Mal wird der ehemalige Vizepräsident der Vereinigten Staaten als Umweltsuperman veräppelt, mal als Populist dargestellt, der nur die nächsten Wahlen gewinnen will, mal verprügelt er "Umweltschwein Fender", oder wird von zwei biersaufenden Kumpanen auf’s Übelste "beworben". Man möchte fast glauben, in den USA hätte sich eine Graswurzelbewegung gegen den Ökologismus gebildet.

Wie nun das Wallstreet-Journal berichtet (kostenpflichtiger Link, eine kostenfreie Version findet Ihr hier), ist dieser Effekt nicht unbeabsichtigt. Hinter der vorgeblichen Zivilcourage verbirgt sich nämlich mal wieder nichts anderes als geschicktes Guerillamarketing, virales Marketing, Astroturfing oder wie immer man diese neue Erscheinung nennen mag. Mindestens eines der Filmchen, mit dem sinnigen Titel "Al Gore’s Penguin Army" wurde von der DCI-Group, der PR-Firma des Erdölkonzerns EXXON ins Netz gestellt:

In the video, Mr. Gore appears as a sinister figure who brainwashes penguins and bores movie audiences by blaming the Mideast crisis and starlet Lindsay Lohan’s shrinking waist size on global warming. Like other videos on the popular YouTube site, it has a home-made, humorous quality. The video’s maker is listed as "Toutsmith," a 29-year-old who identifies himself as being from Beverly Hills in an Internet profile.

In an email exchange with The Wall Street Journal, Toutsmith didn’t answer when asked who he was or why he made the video, which has just over 59,000 views on YouTube. However, computer routing information contained in an email sent from Toutsmith’s Yahoo account indicate it didn’t come from an amateur working out of his basement.

Instead, the email originated from a computer registered to DCI Group, a Washington, D.C., public relations and lobbying firm whose clients include oil company Exxon Mobil Corp.

Eine gute Zusammenfassung zu dem übrigens wirklich sehenswerten Original, gibt es bei den Fünf Filmfreunden und Stahlbad bietet einen ausführlichen Artikel über die Euphemismen solcher Lobby-Werbeagenturen. Gestossen bin ich auf die EXXON-Kampagne übrigens bei Zeitspuk.

July 4, 2006

Wer googlen kann, ist klar im Vorteil

Filed under: Panorama, Umwelt - word2go @ 8:09 am

Die "Umweltschützer" bei Politically Incorrect - die ich bezugnehmend auf Carl Amerys hervorragendes Buch "Hitler als Vorläufer" ab sofort nur noch als "Hitlers Erben" bezeichnen werde - brachten gestern einen "tollen" Gastbeitrag, in der die Autorin Kybeline den Umweltschützern in Deutschland vorwirft, dass ihnen der Bau einer Atomkraftanlage im türkischen Sinop vollkommen egal sei, weil die Türkei ja NATO-Mitglied und daher zum Bau einer solchen Anlage berechtigt sei. Das fehlende Interesse der Deutschen am türkischen Umweltschutz beweist sie deutlich anhand einer Google-Suchanfrage, die für die Schlagworte "Türkei" und "Umweltschutz" nur 6 Treffer erzielt.

6 Treffer? Wie skandalös!! Die Deutschen sind ja richtige Umweltschweine muss man daraus fordern.  Wieder einmal hat PI die Doppelmoral der Grünen scharfsinnig entlarvt!

Schade nur für den Demagogie-Effekt, dass Frau Kybeline die Suchanfrage gleich mitverlinkt hat. Wer dem Link folgt, sieht, dass sie nach "Türkei/Umweltschutz" gesucht hat. Dabei ist doch selbst demjenigen, der noch nie etwas von bool’schen Operatoren gehört hat, ziemlich klar, dass der Begriff "Türkei/Umweltschutz" in der Praxis deutscher Rechtschreibung ziemlich selten vorkommen dürfte. Der findige Internetdetektiv, auch Infobroker genannt, ersetzt nun kurzerhand den Schrägstrich durch ein Komma und siehe da: 811.000 Treffer.

Nun mag der findige Demagoge erwidern: "Ja, aber da sind doch bestimmt lauter irrelevante Seiten dabei, auf denen rein zufällig auch die Begriffe "Türkei" und "Umweltschutz" enthalten sind."

Gut, Relevanz lässt sich oft dadurch erkennen, dass man hinter den Suchbegriffen ein "pdf" hängt. Pdf’s werden nämlich noch immer vorwiegend von wissenschaftlichen oder offiziellen Institutionen erzeugt. Diese Suche bringt noch immer 189.000 Treffer, darunter viele Pressemeldungen, Fachartikel, Positionspapiere, Regelungen der Europäischen Kommission zu türkischen Umwelt-NGOs und vieles mehr.

Und wer sogar die ketzerische Verve besitzt, direkt nach den Begriffen "Atomkraftwerk" und "Sinop" zu suchen, findet endlich die Stimme der von PI gescholtenen Umweltaktivisten. Z.B. Robin Wood bereits im Jahr 2000, die Anti-Atom Community oder auch Greenpeace, die im April übrigens ein hervorragende Spezialausgabe "zur Lage in der Türkei" brachten, in der die Organisation v.a. die Situation von Mädchen und Frauen anprangerte, eine Fähigkeit, die PI ja jedem "Liberalen" abspricht.

q.e.d. 

March 19, 2006

Silvoarable Agroforestry For Europe

Filed under: Politisches, Umwelt - word2go @ 7:46 am
 
SAFE ist ein, im Jahre 1999 initiiertes und 2005 abgeschlossenes, Forschungsprogramm der EU, das sich mit der Möglichkeit der Kombination einjähriger Ackerkulturen und mehrjähriger Baumkulturen auseinander setzte. Die Forschungen wurden unter der wissenschaftlichen Leitung des INRA Montpellier und der Universität Wagenigen durchgeführt. Acht europäische Länder waren an diesem Projekt beteiligt und der Abschlussbericht wurde zum Ende des letzten Jahres vorgelegt.

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