Nur Gedanken

July 4, 2006

Medialer Djihad

Filed under: Kirchliches - word2go @ 5:53 am

Man möchte fast glauben, Deutschland und Italien befänden sich im Krieg! Der Spiegel legt mit dreistdümmlicher Insektenmetaphorik vor, Sky Italia kontert mit Satellitenbildern, die sogar Colin Powell zur Ehre gereicht hätten. Bruno, der erschossene Bär, ist natürlich auch ein wichtiger Grund für die Verschlechterung der bilateralen Beziehungen zwischen Aust und Belpietro. Ein medialer Rundumschlag aus Hetze, Häme und Beleidigungen zieht von Kiel bis Licata. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus:

1. Wir gewinnen auch ohne Frings
2. Bruno hätte beiden die Daumen gedrückt und will deshalb auf neutralem Schweizer Boden beerdigt werden
3. Kein italienischer Offizieller, kein Spieler hat jemals eine Sperre für Frings gefordert
4. Ich trinke heute aus Protest ein Nastro Azzuro
5. Elsa grillt mit ihren italienischen Nachbarn
6. Cantaremo canzoni d’amore (aber ned vom Eros)
7. Der Artikel kommt bei mir jetzt unter die Rubrik "Kirchliches", weil Europas Medienlandschaft langsam aber wirklich zur Glaubensfrage verkommt.

 

January 6, 2006

Don’t fuck around with God

Filed under: Politisches, Satirisches, Kirchliches - word2go @ 10:26 am
 
Dear Pat Robertson,

I’m writing to U enthusiastically. U made my father go nuts! We were just about our daily rape and bonding good morning pleasure, when the cute lady on the telly spread your word about this faggot coward Ariel Sharon. U absolutely right, man. It was God sconing him with a stroke, who else? I mean, after all he had done. Givin’ away the holy land to the infidels… what a loony?! Pardon me, if I repeat your words, but when you said that "he was dividing God’s land" and that you would say "woe unto any prime minister of Israel who takes a similar course to appease the E.U., the United Nations or the United States of America.’ God says, ‘This land belongs to me. You better leave it alone’ ", my father shot an early load of cum onto my face. That’s how thrilled he was. I never happened to goad him like you did.

Thank U so much!!!!

Yours,
Eileen, 11 years,
Cottonwood Springs, Nebraska

April 19, 2005

Quo vadis mundo?

Filed under: Panorama, Kirchliches - word2go @ 9:17 am

Erst Bin Laden, dann Bush, jetzt Ratzinger!!?? Was ist denn nur los? Ist unsere - einst so aufgeklärte - Welt am Anfang des 21. Jahrhunderts denn tatsächlich fähig, die dunkelsten Gräber ihrer Entwicklungsgeschichte wieder aufzubuddeln und uns mit mittelalterlichem Gedankengut zu belästigen?

Nicht genug, dass es in meiner Fachrichtung schon fast einhellige Prognose ist, dass wir uns wieder den Ordnungsformen vor dem ancien régime annähern, jetzt wird auch noch einer Papst, der die anderen Weltreligionen als minderwertige Ideologien bezeichnet.

Bienvenue tristesse, bienvenue la guerre! Mit Ratzingers Wahl haben es die Herren Kardinäle geschafft, den Kampf der Kulturen auf den Sockel zu erheben, auf dem Huntington ihn haben wollte. Das ist das Schöne am Olin-Institut. Jeder bekommt seine maßgeschneiderte self-fulfilling prophecy wenn er nur genug dafür bezahlt.

Die Herren Rüstungsindustriellen hätten ihr Geld mal besser für die Forschung der NASA und der Erforschung der unendlichen Weiten des Weltalls ausgegeben, dann hätten sie vielleicht ein paar neue Welten entdeckt, und ich könnte, ganz im Tocotronischen Sinn, bekunden: Aber hier leben… Nein Danke!

Doch so kann ich nur auf meinen Sarkasmus zurückgreifen und wünsche Papst Benedikt XVI. ein sehr, sehr langes Restleben, damit den, ach so klugen, Kardinälen ihre strategische Entscheidung im Halse steckenbleiben möge.

Im Anhang eine kleine persönliche Geschichte zum neuen Papa mundi

Die geschundene Geilheit - Eine Passionsgeschichte

Joseph Kardinal Ratzinger und Mel Gibson im Kampf um die Wahrheit.

June 15, 2004

Sperrmüll

Filed under: Kirchliches - word2go @ 12:32 pm
 
Ja, ich gebe es zu. Ich bin ein Wühler! Keine Ansammlung von mehr als zwei alten Stühlen oder Lampen ist vor mir sicher. Und auch wenn ich meist mit leeren Händen von meinen Ausflügen in das Leben der Landstreicher und Resteverwerter zurückkehre, stirbt die Neugier stets zuletzt. Es könnte ja doch einmal irgendetwas Nostalgisches, Wiederverwertbares oder zumindest Interessantes darunter sein. Diesmal erfüllt der Sperrmüllfund sogar alle drei Kriterien.


zum Vergrößern auf das Bild klicken (300kB, lange Ladezeit lohnt aber)



Der evangelische Gemeindebote der Friedenskirche in Heidelberg-Handschuhsheim vom 1. Mai 1933 glänzt nicht nur durch nostalgisches Design. Er ist interessant, weil er uns den euphorischen, fast poetischen Blick eines Kirchenvertreters auf das frühe Nazi-Deutschland gibt:

„…Alles anders geworden ist[es] sodann auch in unsrem geliebten deutschen Volk und Vaterland. Fast über Nacht, wie mit Zaubergewalt ist ein anderer Geist in Deutschland eingezogen und hat alle erfasst oben und unten, groß und klein, alt und jung. Über alles Hoffen hinaus ist allüberall in Nord und Süd, in Ost und West eine Wandlung im Denken und Handeln eingetreten, dass man aus dem Staunen nicht herauskommt und freudigen Herzens feststellen darf: Dieses Deutschland von heute ist ein anderes als das Deutschland von gestern. Aus langem, todesähnlichem Schlaf ist es erwacht und reckt sich empor mächtig und groß und streift die Banden der Schmach und der Knechtschaft ab und wirft die schmutzigen Hüllen weg und steht auf zu rastlosem Wirken in brennender Sehnsucht nach Reinheit und Freiheit nach Größe und Ehre der Nation, vorwärts und aufwärts der Sonne entgegen mit neuem Mut und neuer Kraft und neuem Hoffen. Ganz anders als zuvor! Des sind wir täglich Zeugen. Wir haben die nationale Auferstehung unseres deutschen Volkes erlebt, die gebieterisch nach einer Auferstehung des religiösen, kirchlichen, geistigen und christlichen Menschen ruft…“

Nicht zuletzt besteht die Wiederverwertbarkeit des Textes im mahnend erhobenen Zeigefinger gegenüber der steigenden Anzahl all Jener, die von Aktionismus, Elan und Entschlossenheit eines George Bush fasziniert sind, von der Ohnmacht und Belanglosigkeit der Vereinten Nationen oder dem Zynismus des Völkerrechts faseln und scheinbar ernsthaft davon überzeugt sind, dass ein Rückschritt zu unilateralem bzw. konzertiertem Handeln der Exportschlager unserer westlichen Welt werden könnte.

Diese Menschen mögen vielleicht von guten Absichten geleitet und von der Untätigkeit des Völkerrechts gegenüber den innenpolitischen Grausamkeiten einiger Diktatoren enttäuscht sein. Doch sie verwechseln Äpfel mit Eiern. Es ist nicht das Völkerrecht, welches staatliche Souveränität perpetuiert und Diktatoren schützt. Es muss nicht notwendigerweise ein „jus inter gentes“, ein Recht „zwischen“ den Völkern bleiben, sondern hat durchaus die Perspektive ein Recht „der“ Völker zu werden, eben weil es davon abhängt, was wir daraus machen. Es sind die Staaten selbst, die durch staatszentriertes Denken jeden Tag ihre Souveränität und ihre innenpolitische Autonomie neu erfinden. Das Völkerrecht ist nur der kleinste gemeinsame Nenner den sie sich gegenseitig abgerungen haben.

Es ist demnach bodenloser Unsinn zu hoffen, dass es Staaten sein könnten, die durch das eigenverantwortliche oder gemeinsame Umgehen des Völkerrechts eine neue internationale Gerechtigkeit schaffen werden. „Inter – National“ heißt nun einmal „zwischen Staaten“. Doch Staaten werden die Staatlichkeit nicht antasten. Niemand sägt den Ast auf dem er sitzt. Was die Bushverteidiger dem Völkerrecht also vorwerfen ist, dass es auf transnationaler Ebene nicht erfolgreich ist. Und dabei vergessen sie völlig, dass es genau diese transnationale Ebene von engagierten, aufgeklärten Wissensgesellschaften, Unternehmen, NGO’s und Interessensgruppen ist, die heute mittels ihrer Kontroll- und Multiplikatorfunktion dafür sorgen, dass sich Staaten in aller Regel an die Regeln halten. Das Völkerrecht ist erfolgreich. Es stößt nur da an seine Grenzen, wo sich Staaten aufgrund ihrer „vitalen nationalen Interessen“ ex ante ihre Handlungsautonomie vorbehalten haben, nämlich beim Gewaltmonopol. Dass dieses Gewaltmonopol eine geisterhafte, eitle Erfindung ist, die genau so weit reicht, bis man einem mächtigeren Gegner über den Weg läuft, das verschweigen Staaten gerne. Denn dann geht es ans Eingemachte, nämlich ihre Existenzberechtigung.

Zu glauben, dass ein George Bush jetzt alles besser macht, dass er mit dem großen Besen durch den Hinterhof fegt, Diktatoren mittels Härte und Gewalt zur Demokratie bekehrt und somit endlich und überfällig an einer würdevolleren, gerechteren Zukunft bastelt, ist mehr als naive Einfältigkeit. Man nennt es Meagogie, Selbstverführung, das begeisterte Mitgestalten einer euphorischen Demagogie, die schon immer der Auftakt zu vernichtenden Totalitarismen war:

„Auf zu rastlosem Wirken in brennender Sehnsucht nach Reinheit und Freiheit nach Größe und Ehre der Nation, vorwärts und aufwärts der Sonne entgegen mit neuem Mut und neuer Kraft und neuem Hoffen. Ganz anders als zuvor!“

Die neue Weltordnung! Nackenhaare, die sich sträuben! Die Geschichte des 20. Jahrhunderts ist gepflastert von den Opfern der Utopisten, die ausnahmslos alle Eines im Sinne hatten: alles anders zu machen und die Zukunft der Welt auf Kosten Dritter zu beschleunigen! Hitler, Stalin, Mussolini, Mao, Pol Pot, Suharto…

Diktatoren fallen nicht vom Himmel. Sie alle wurden irgendwann einmal von den Ängsten, der Euphorie und dem Zuspruch ihres Volkes, seinen Hoffnungen und Erwartungen auf eine bessere Zukunft getragen. Eine Zukunft, die so gut zu sein schien, dass man bereit war Regeln aufzuheben, Rechte abzutreten und Freiheit aufzugeben im Kampf für das Richtige, das Wahre.

Vielleicht ist der Text aber nicht nur eine Warnung vor den Zukunftsbeschleunigern, sondern auch eine Mahnung an uns Deutsche oder Europäer, je nachdem, wie wir uns bezeichnen wollen. Eine Mahnung, dass wir endlich herauskommen aus unserer überheblichen, hämischen Ecke und uns wieder mit dem Vereinigten Staaten solidarisieren, denen wir so viel zu verdanken haben. Ich denke, es ist Zeit, dass wir aufhören mit stolzgeschwellter Brust auf und ab zu marschieren und der Welt zu demonstrieren, dass wir gelernt haben aus unserer Geschichte. Im Gegensatz zu den Amerikanern.

Ich will es ja nicht hinausposaunen, aber wir werden langsam unglaubwürdig. Aus der Geschichte zu lernen, heißt nämlich nicht nur zu verstehen, dass sich Geschichte wiederholen kann. Es heißt auch die Prozesse zu verstehen, die es verhindern, dass sich ein Volk selbst aus der Spirale der Demagogie befreit. Und wir werden mit Sicherheit niemanden wachrütteln, über dessen geringe Bildung, fehlende Weitsicht oder mangelnden Horizont wir spotten. Die zunehmenden Klagen über europäischen Antiamerikanismus kommen nicht von ungefähr, sondern sind unmittelbarer Ausdruck der Entfremdung amerikanischer Bürger, die sich unverstanden, ausgelacht und zurückgesetzt und erniedrigt und mit Undank belohnt fühlen. Undank deswegen, weil sie sich auf der richtigen Seite fühlen, weil sie glauben uns etwas Gutes zu tun. Vielleicht sollten wir langsam anfangen sie zu überzeugen, anstatt über sie zu spotten. Wir hatten unsere Genugtuung.

March 19, 2004

Die geschundene Geilheit - Eine Passionsgeschichte

Filed under: Kirchliches - word2go @ 8:48 am

Joseph Kardinal Ratzinger und Mel Gibson im Kampf um die Wahrheit.


Anfangs überzeugte sie durch ihr Äußeres. Groß und mächtig erhob sich die Klosterbasilika über die Fluren eines kleinen niederbayrischen Marktfleckens. Ihre Zwiebeltürme konkurrierten mit dem Blau des Himmels um die Vorherrschaft der Lüfte. Und in der Mitte der heilige Michael beim Drachenstich. So hoch. So prächtig. So unverhältnismäßig überragend, strahlend, erdrückend und doch befreiend. Für einen kleinen sechsjährigen Jungen war das schon eine ganze Menge Kirche, die sich da über ihm manifestierte. Der Faszination des Gebäudes folgte die Faszination der Rituale und Düfte. Das Eintauchen der Finger in das geweihte Wasser, das Schnuppern an geweihtem Rauch. Das andächtig zögerliche Schlagen des ersten Kreuzes, mühevoll den Bewegungen der Umstehenden nachempfunden. Schließlich der Gesang des Chores, der hoch und klar zwischen den Rundbögen schwebte, bis er sich in die Tiefen des Kirchenschiffs hernieder ließ. Nur der, manchmal vorsichtig anklopfende, doch meist aus allen Registern losbrüllende Klang der Orgel vermochte ihn zu übertönen.

Auch wenn der kleine Junge die Bedeutung der gesungenen Worte nicht verstand, so wusste er doch, dass er einer dieser singenden Engel werden wollte. Zumindest stellte er sich diese Stimmen als Engel vor, die unsichtbar, verdeckt von der Brüstung der Empore, für die Schatten im gleißenden Sonnenlicht sorgten, das durch die bunten Glasfenster hereinbrach. Kurzum, damals hatte er sie kennen gelernt, die Schönheit der Kirche, die Pracht mit der der Dienst an Gott zelebriert wurde. Nur von der Religion hatte er noch wenig Ahnung. Das Christkind war in seiner Vorstellung damals noch weiblich und er hatte es sogar schon persönlich getroffen. In Nürnberg, neben dem Bratwurststand.

Vier Jahre später, nachdem er als Ministrant Handtücher gehalten, Wein eingegossen, Klingelbeutel gefüllt, das Geheimnis der singenden Engel gelüftet hatte und Jesus in seiner Vorstellung bereits ein Märtyrer, ans Kreuz genagelt und mit blutigen Dornen gekrönt war, stand der kleine Junge vor der nächsten Entdeckung in Sachen Religion. Und wieder war es die Äußere Hülle, die sein Verhältnis zu Gott bestimmen sollte. Doch diesmal spürte der Junge nicht die Wärme der heimischen Basilika, diesmal war Gott kalt und dunkel, monströs und gefährlich. In seiner damaligen Naivität nahm der Junge an, die Goten hätten grundsätzlich mit schwarzen Steinen gebaut. Erst später sollte er erfahren, dass der Dom die schwarze Farbe erst durch die Abgase des Regensburger Verkehrs angenommen hatte. Auf den Jungen wirkte der gotische Dom jedenfalls wie der Vorhof zur Hölle, in dessen dunklen Winkeln Dämonen hockten, die nur darauf warteten die armen Seelen in den feurigen Schlund hinunter zu ziehen, sollten diese eine einzigen Fehltritt tun. Die unterschiedlichen Philosophien der Kunstepochen kannte er damals noch nicht, doch das Gesicht der Kirche hatte unwiderruflich ein weiteres, diesmal düstereres Profil bekommen.

Doch selbst hier brachte die Musik Schönheit zwischen die hohen, grauen Säulen und der Junge war stolz, dass er mitsingen durfte im Chor der Engel, erst zur Sonntagsmesse im Dom, als dieser zur Langzeitbaustelle umfunktioniert wurde in der daneben gelegenen Stiftskirche, dann auf Konzertreisen. Requien, Messen und manchmal auch Weltliches wurden unter den strengen Ohren des Domkapellmeisters eingeübt, Latein und Musik an Pulten und Tafeln gepaukt. Während sich der kleine Junge immer wieder die Tonfolge des Agnus Dei ins Gedächtnis rief, um keine Fehler zu machen, geriet das Hochamt ins Hintertreffen und die Religion in Vergessenheit. Nur manchmal, wenn der Bruder des Domkapellmeisters über die Fluren des Internats schwebte, bleichhäutig, knochig, im Geiste der Welt entrückt, erinnerten sich die Eleven an Bedeutung und Stellung der Kirche für die Institution deren Stimme sie waren. „Der Kardinal ist wieder da“, raunte es dann über die Gänge und durch die Zimmer. „Schmidchen Schleicher“ wurde er von den Schülern genannt. Zweifellos beeindruckend mit schwarzem Talar und rotem Hüftband wirkte seine Art, die Schüler an seine wächsernen Hände zu nehmen und mit ihnen glückselig über die Gänge zu spazieren, dennoch auf seltsame Weise befremdlich, ja beunruhigend. Die Schönheit der unbefangenen Jugend war in den Momenten seiner Besuche stets einer beklemmenden Spannung gewichen.

Heute, zwanzig Jahre später, hat der Präfekt der katholischen Glaubenskongregation ein Buch über Schönheit geschrieben. Und zwar über die Schönheit im Antlitz des gekreuzigten Christi und damit über die Wahrheit des Schönen. Als hätte sich der Großinquisitor der römisch katholischen Kirche mit dem Leidens- und Folterfetischisten der Zelluloidgläubigen abgesprochen, zeigt uns Mel Gibson nun die Wahrheit über den letzten Weg Christi. Blutig, hart, ungeschönt, ehrlich. Kreuzigen tut weh, Leiden tut weh, für die Menschheit sterben tut weh. Das ist die Botschaft, welche die Passion Christi von der Leinwand schreit. Und die Ästhetik? Was ist schön an diesem Film? Ratzinger hat auf diese Frage eine Antwort. Es sei „die wahre, die letzte Schönheit“, die „in dem so entstellten Gesicht“ zum Ausdruck kommt. „Die Schönheit der Liebe, die bis zum Letzten geht und sich eben darin stärker erweist als die Lüge und die Gewalt“.

Die Ästhetik des Schmerzes scheint der römisch katholischen Kirche für ewig auf den Leib gebrannt. Hatte nicht schon der Kirchenvater Augustinus die Peitsche als Universalhilfsmittel gegen fleischliche Gelüste fetischisiert? Waren es nicht Ratzingers Vorgänger, die Hexen und Ketzer verbrannten, vierteilten, pfählten, an Gülle ersaufen ließen? Und das alles im Namen religiöser Ästhetik. Was denkt der Henker von seinem Opfer? Fühlt er, wie wunderbar sauber die Klinge durch das Fleisch schneidet, das verzerrte Gesicht in einem letzten Ausdruck ungläubigen Erstaunens eine unwiderstehliche Fröhlichkeit zeigt, die als Freude auf Gott interpretiert werden kann?

Es ist wohl eher die Lust am Abnormen, die Geilheit für Gewalt, die Sehnsucht nach dem Leben nach dem Tod, die Glaubensfanatiker zu weltlichen Gräueltaten verleiten und ihnen auch noch Gefallen daran schenken. Geschunden, verbrannt, eingesperrt, der Sexualität versagt, die Lust auf andere Dinge gelenkt, bösartig im Guten, schlecht im Ungewissen und verlogen im Wahren.

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