EVA UND DIE FREIE PRESSE
Erstens: es ist schon bezeichnend für Deutschlands Gemütslage und Historienwissen, dass Eva Herman nicht bereits zum Erscheinen ihres ersten Buches, das vor verschwurbelten, paranoiden Verschwörungsphantasien nur so strotzte und "Familienwerte" propagierte, die in ihrer Absolutheit nur unter einem nahezu totalitären oder zumindest kommunitär straff sozialisierten System hätten gedeihen können, angemessen kritisiert, sondern sich erst echauffiert wurde, als sie das böse Wort mit N… in den Mund nahm.
Zweitens: es ist erschreckend, wie rund unsere Medienmaschinerie läuft, wenn es darum geht, eine Frau aufgrund von Worten zu demontieren, die sie so nicht in den Mund genommen hatte. Da wird auf Teufel komm raus voneinander abgeschrieben bis kein Mensch mehr weiss, was sie wirklich sprach und sich lieber um des Aufregens willen aufgeregt anstatt eine Richtigstellung oder wenigstens eine Entschuldigung für das mehr oder weniger vollständige Karriereaus auszusprechen, das man ihr mit all der Lügerei zufügte.
Drittens: Lieber Herr Kerner, man wirft keinen Gast aus der Show, nur weil die anderen Gäste es nicht ertragen können, dass sie Gebrauch von ihrer Meinungs- und Redefreiheit macht, auch wenn sie noch so einen großen Mist verzapft. Man setzt ihr Argumente entgegen und das sollte ja, je größer der Mist, um so leichter sein. Mit Ihrer Reaktion haben sie zum Einen bewiesen, intellektuell nicht in der Lage zu sein, einem solchen Faschogeschwurbel ein angemessenes Korrektiv entgegenzusetzen, zum Anderen, dass Sie nicht begriffen haben, welch zentralen liberalen Wert Sie als Journalist zu verteidigen haben. Ihr Verhalten war für mich persönlich der bisherige absolute Tiefpunkt des Polittalks und Sie dürfen es sich jetzt ganz persönlich auf die Fahnen schreiben, wenn sich wieder ein paar mehr Leutchen vom Geschwafel über die mediale Gleichschaltung und den Verschwörungsphantasien der extremen Rechten angesprochen fühlen.
















