Nur Gedanken

May 25, 2007

In Phillies Bar

Filed under: Schriftwerk - word2go @ 7:06 am

Dämmerlicht, ein Ort im Schatten.
Gemurmel das auf die Straße dringt.
Ein Mann mit Hut am Ende der Bar
Betrachtet das Pärchen… gelangweilt.

Der Barkeeper bückt sich nach Eis.
Scotch und Lemon Soda sind verlangt.
Der Einsame bricht das Schweigen
Und brabbelt voll Verzweiflung.

Gelebt habe er, ja gelebt.
Aber wozu?
Um nun vor die Hunde zu gehen?
Die Welt ist grausam, ja.

Was denn passiert sei?
Vertraulich beugt sich der Barkeeper zu ihm hinüber.
Hunderte Male zuvor hat er dieses Spielchen schon getrieben.
Ein wenig Freundlichkeit.

„Gestern ist sie gegangen, einfach so.
Ohne vorher ein Wort zu sagen.
Kann ich etwas dafür, dass ich einen Job habe?
Einen der Zeit kostet.

Ja, gestern ist sie gegangen.
Hat ihre Koffer gepackt und war weg.
Nicht dass sie einen anderen Mann hätte. Nein!
Sie wollte einfach nicht mehr so leben.

Sehen Sie das Pärchen dort drüben?
Fällt Ihnen etwas auf?
Nein? Dann sag ich es Ihnen.
Sie reden nicht.“

Gesprächsfetzen erhaschend, unangenehm berührt,
wendet der Mann neben dem Mädchen dem Sprecher sein Gesicht zu.
Aber ihm fehlt der Mut.
„Schluck den Frosch, schluck ihn!“

„So ist das im Leben! Reden hilft!“
Phrasendreschend verliert sich der Einsame.
Ja, reden hilft denkt sich der Barkeeper.
Aber hier ist der falsche Platz.

Eine Bar ist ein Ort des Vergnügens.
Dort treffen sie sich. Die Suchenden.
Und was sie finden bestimmen sie selbst.
Trost, Zuneigung oder nur den kurzen Kick.

Und die Medizin ist immer die Gleiche.
Noch eine Bourbon? Ja, sofort.
Mit oder ohne Eis? Die Flasche gleich auf den Tisch?
Na gut, die Hocker sind versenkt.

„Darling, hast Du nicht etwas vergessen?“
In den Augen einer Frau zu lesen war nie seine Stärke.
Ein kurzer Augenblick nur,
dann war die Ahnung dahin.

„Was sollte ich vergessen haben? Deinen Geburtstag?“
„Nein!“
Konnte er so gefühllos sein?
Konnte er vergessen, wann sie sich das erste Mal trafen?

Schweigen, Momentanaufnahmen, Zeitlupe.
Durch den dampfigen Rauch versucht er sein gegenüber zu studieren.
Attraktiv, durchaus. Kantig und gut gebaut.
Ein Frauentyp.

Auch seine Begleiterin war hübsch.
Grüne Augen, verstohlener blick, rote Locken.
Eine typische Erscheinung ihrer Zeit.
Feste Brüste, den Po konnte er nicht sehen.

„Weißt Du es wirklich nicht?“
Ja verdammt, was will sie denn?
Denn ganzen Tag geht das nun schon so.
Den ganzen Tag.

Er war so schön, der erste Abend.
Auf einer Cocktailparty.
Draußen auf der Veranda,
der Garten nach Rosen duftend.

„Wenigstens eine Rose hättest Du mir schenken können!“
Der Barkeeper hebt die rechte Augenbraue.
Unangenehme Atmosphäre.
Stille im Raum.

Eine Sirene durchschneidet das Schweigen,
rotes Licht jagt durch den Raum,
bricht sich in den Scheiben,
reflektiert im Holz der Mahagonibar.

Nur für eine Sekunde ist sie verschwunden,
dann verdrängt die Spannung wieder die Luft.
Mit einem lauten Klacken entzündet sich ein Feuerzeug,
gefolgt von erleichtertem Einatmen.

„Zahlen bitte!“
Mantelrauschen, Wechselgeld klimpert auf den Tresen.
Unterdrückte Tränen beklemmen den Hals.
Betroffenheit trifft Augenpaare.

Dann ist es wieder still in der Bar.
Die Tür pendelt, der Barkeeper trocknet ein Glas.
Der Einsame blickt sich über die Schulter.
„Ja, so ist das.“ Noch ein Glas spendet Trost.

2 Comments »

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  1. sehr schön, nur dass du einsamkeit beim namen nennst, finde ich ein bisschen schde, brauchts du garnicht

    Comment by roman libbertz — May 26, 2007 @ 2:45 pm

  2. Hm, stimmt eigentlich. Hatte beim Schreiben eigentlich gar nicht daran gedacht, dass ich den Typen damit so einschlägig charakterisiere. Wollte ihn ja nur von den Anderen im Raum abgrenzen, ohne mich sprachlich verbiegen zu müssen. Aber Du hast schon recht, Direktheit entwertet das lyrische Element.

    Comment by word2go — May 26, 2007 @ 5:56 pm

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