Nur Gedanken

May 19, 2007

SOLAR ODER FOTOVOLTAIK?

Filed under: Politisches, Umwelt - word2go @ 9:23 am

So, mit einiger Verspätung. Danke Telekom!

Seit Ende November 2006 sind wir stolze Besitzer einer thermischen Solaranlage. Sechs Kollektoren mit einer Gesamtfläche von knapp 14 Quadratmetern erhitzen seither Dusch- und Badewasser, sowie die Fußbodenheizung. Die Finanzierungskosten von knapp 12000€ förderte die KfW mit 6000€. Bei mittlerweile 143 Tagen Laufzeit erzeugte die Solaranlage 1971 kWh und sparte damit bereits 197 Liter Öl. Auf’s Jahresmittel umgerechnet beträgt die jährliche Einsparung voraussichtlich ca. 700 Liter Öl und damit ein Viertel des bisherigen Jahresverbrauchs (2800l). Eine Ausbeute, mit der wir sehr zufrieden sind, denn beim aktuellen Heizölpreis hätten sich die Kosten der Anlage in 15-18 Jahren amortisiert. Berücksichtigt man allerdings die Prognosen der großen Erdölkonzerne, die ab dem Jahr 2010 einer jährlichen Nachfrageerhöhung von 2% einen jährlichen Förderrückgang von 3% gegenüberstellen, also einen sich jährlich um 5 % steigernden Versorgunsengpass voraussagen - man bedenke, die Ölschocks in den 70er Jahren waren das Ergebnis eines einmaligen Versorgungsengpasses von 5% mit Preissteigerungsraten von 300-400% - ist selbst nach konservativen Schätzungen zu erwarten, dass sich der Heizölpreis in den nächsten Jahren mindestens verdreifachen wird. Die Anlage hätte sich in diesem Fall also bereits viel früher abbezahlt.

Vor der Installation gab es im Familienkreis jedoch heftige Diskussionen um Anlagentypen, deren jeweilige Wirtschaftlichkeit und Energieeffizienz. Da unser Dach zu klein war, um sowohl eine thermische, als auch eine Fotovoltaikanlage zu errichten (bzw. die Schleppgaube in der Dachmitte zuviel Schatten auf die Fotovoltaikanlage geworfen hätte), mussten wir uns entscheiden und sammelten daher reichlich Informationen und Argumente für und wider die jeweiligen Typen, die ich im Folgenden kurz darstellen will.

Um es gleich vorweg zu sagen: am Ende entschieden nicht die Vorteile oder Schwachpunkte des einen oder anderen Systems, sondern ganz banal der eigene Bedarf. Der ans Haus angeschlossene Friseursalon verbraucht täglich mehrere hundert Liter Wasser (zum Vergleich: der tägliche Wasserverbrauch liegt in Deutschland bei 126l pro Kopf; Amerika 382l p.k.) und es wäre wirtschaftlicher Unsinn gewesen, diese Verbrauchsspitzenzeiten nicht mit den Spitzenzeiten der Sonneneinstrahlung zu koppeln, denn so ist seither selbst an schattigen Wintertagen der Warmwasserbedarf des Salons gedeckt.

Nun gut, der erste Diskussionspunkt war eher ideologischer Natur. Während eine thermische Solaranlage vom ersten Moment an sichtbar Energieressourcen einspart, weil sie - auch wenn es sich hier nur um einen marginalen Bruchteil handelt - die Nachfrage nach Erdöl verknappt, wirkt eine Fotovoltaikanlage während der ersten 20 Jahre nur auf der Angebotsseite. Der im eigenen Heim erzeugte Strom muss nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 20 Jahre lang ins Netz eingespeist werden und auch wenn Fotovoltaikanbieter gerne die "vermiedenen" CO2-Emissionen anführen, sind diese Werte nur für den Idealfall errechnet, also für den Fall, dass der von der Fotovoltaikanlage erzeugte Strom dieselbe Menge an industrieller Produktion vollständig substituiert. Die Realität sieht jedoch anders aus: Solarstrom wird von den Netzbetreibern meist lediglich zur Erfüllung von Spitzenlasten herangezogen, während gerade die großen Energieunternehmen noch immer nennenswerte Überkapazitäten produzieren, um billigen Strom auf den Markt zu pressen und damit die Wettbewerbsfähigkeit kleiner Anbieter zu schädigen, weshalb kaum nachprüfbar ist, ob und wann der eingespeiste Fotovoltaikstrom denn nun wirklich zu einer Verminderung der industriellen Stromproduktion und damit zur Verminderung der CO2-Emission beiträgt. Zudem kann man sich erst nach 20 Jahren entscheiden, ob man die Anlage vom Netz nimmt, um den Hausstrom autonom zu erzeugen und damit direkt die Energienachfrage zu verknappen, oder einen neuen Einspeisungsvertrag mit den Stromanbietern schließt. Kurzfristig hat die thermische Solaranlage gegenüber der Fotovoltaikanlage also einen unmittelbaren Nachhaltigkeitsvorteil, langfristig gleichen Fotovoltaikanlagen, natürlich nur unter der Zusatzbedingung, dass immer mehr Haushalte auf Fotovoltaik umsteigen und damit zur Deckung der Grund- und Mittellasten des bundesdeutschen Stromverbrauchs beitragen, diesen Vorteil wieder aus.

Dies bringt mich zum zweiten Diskussionspunkt, denn Regierung und Stromkonzerne haben den Haushalten in den letzten Jahren massive Anreize geschaffen, die langfristigen Nachhaltigkeitsvorteile der Fotovoltaik Wirklichkeit werden zu lassen. Jeder Hausbesitzer, der eine Dachfläche von etwa 8-10qm (Nennleistung ca 1,00 kWp) zur Verfügung hat, kann sich nach dem EEG eine Fotovoltaikanlage leisten, denn sie lässt sich nach Wunsch praktisch von Beginn an gewinnbringend, bzw. kostenlos anschaffen: dann nämlich, wenn man die Laufzeit des Anschaffungskredits so einstellt, dass die Einnahmen aus der Stromerzeugung die Kreditzinsen übersteigen, bzw. finanzieren.

Wir hatten uns im August letzten Jahres deshalb ein Angebot für eine 6,00 kWp-Anlage zu einem Anschaffungspreis von 26.500€ netto machen lassen. Bei einer Kreditlaufzeit von 16 Jahren und einem einem Eigenanteil von 0€ lag der Zinsatz der KfW bei 4,2%. Das Hausdach ist nach Süden ausgerichtet und hat einen Neigungswinkel von 30 Grad, weshalb die Einspeisungvergütung/Förderung 0,518€/kWh (Mindestförderung bei Gebäuden: 0,492€/kWh) betragen hätte. Ich habe einmal einen der vielen Online-Fotovoltaik-Förderrechner mit diesen Daten gefüttert und das Ergebnis spiegelt ziemlich genau das damalige Angebot wider:






Nach einer Vertragslaufzeit von 20 Jahren hätten wir mit dieser Anlage 14716,40 € verdient, ohne auch nur einen einzigen Cent zu investieren. Natürlich lässt sich dieses Ergebnis bedeutend steigern, wenn man die Kreditlaufzeit verkürzt und in den ersten Jahren dazuzahlt. Fotovoltaik ist somit als Anlageform eine äußerst rentable Sache, natürlich nur unter der Voraussetzung, dass keine zukünftige Regierung das EEG kippt oder die Anlage durch Steuerreformen unrentabel macht. Was politisch jedoch grundsätzlich fehlt, ist die notwendige Aufklärung der Bürger über den finanziellen Vorteil der Fotovoltaik und die damit verbundenen Nachhaltigkeitschancen. Hätten wir uns nicht im Anschluss an das Angebot so umfassend informiert, wir hätten den Heizungsbauer weiterhin für einen Scharlatan gehalten. Das Angebot klang absolut unglaubwürdig, denn wer schenkt einem schon Geld.

Einen entscheidenden Nachteil gegenüber der thermischen Solaranlage hat Fotovoltaik dann aber doch noch. Dieser betrifft die Energieeffizienz, bzw. den Wirkungsgrad, der bei der thermischen Solaranlage 3-4 Mal höher ist, was nichts anderes heisst, als dass die thermische Solaranlage fossile Ressourcen wesentlich effektiver schont.

Abschließend kann man sagen, dass meine Erfahrungen in unserem Fall zeigen, dass es sich auf jeden Fall gelohnt hätte, beide Formen der solaren Energieerzeugung zu installieren. Wenn man sich jedoch entscheiden muss, ist zu beachten, dass die thermische Solaranlage aus ökologischer, die Fotovoltaikanlage aus finanzieller Sicht nutzenbringender ist. Was natürlich nur für einen direkten Vergleich zählt. Aus wirtschaftlicher und umweltpolitischer Sicht sind beide alternativlos, zumindest solange, bis die Brennstoffzelle Massenwirtschaftstauglichkeit aufweist.

5 Comments »

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  1. heißt das im ernst, daß ich nicht einfach privat strom erzeugen DARF??? sondern diesen strom einspeisen muß? welcher depp hat sich denn so etwas einfallen lassen?

    Comment by T.Th. — May 24, 2007 @ 11:23 am

  2. Ob Du es wirklich überhaupt nicht darfst, weiss ich gar nicht so genau. Wenn Du irgendwie selbst an die Module kommst, weisst, wie man das Zeug anschließt und einen Wechselstromwandler (ist für die private Nutzung notwendig, weil die Anlage Gleichstrom erzeugt) hast, glaube ich nicht, dass man es Dir verbieten könnte. Der Heizungsbauer ist meines Wissens jedoch an die Erfüllung des EEG gebunden.

    Die andere Frage ist jedoch, ob eine ausschließlich private Nutzung ökonomisch und ökologisch überhaupt sinnvoll wäre. Die guten Konditionen bei der Kreditvergabe der Banken kommen ja nur dadurch zustande, dass die Banken wissen, dass sie definitiv ihr Geld erhalten, weil die Energieversorger zur Abnahme verpflichtet sind. Ob Dir eine Bank sonst mal eben 30000 € leihen würde, wage ich zu bezweifeln, außer Du hast natürlich andere Sicherheiten. Aber das politische Ziel ist es ja gerade, den Bau von Fotovoltaikanlagen auch ohne eigene Sicherheiten zu ermöglichen, damit möglichst viele Anlagen gebaut werden. Und auch die Einspeisung ist sinnvoll, weil sie ja auf lange Sicht andere Energieformen substituieren sollen. So unrund ist das Ganze also nicht. Klar kann man am System noch viel verbessern aber ich sehe das EEG schon als einen deutlichen Schritt zu mehr Nachhaltigkeit.

    Comment by word2go — May 24, 2007 @ 1:20 pm

  3. Vielen Dank für die Erörterungen. Ich bin über Google hier aufgeschlagen und war eigentlich auf der Suche nach Informationen über Gauben, insb. Fertiggauben, wie sie beispielsweise von der Firma OptiPlus angeboten werden. Ist die Schleppgaube eine Fertiggaube? Wie ist sie isoliert, etc…?

    Lieben Gruss,
    Peter

    Comment by Peter — August 11, 2007 @ 2:32 am

  4. Hi Peter, sie ist auf jeden Fall keine Fertiggaube und über die Isolierung kann ich Dir leider auch nicht viel sagen. So viel ich weiss, ist der Aufbau aus Holzbalken, die innen und außen mit Holz beschlagen sind. Dazwischen ist Isoliermaterial (das Zeug, das so aussieht, wie Glaswolle aber keine mehr ist). Zwischen dem äußeren Holzbeschlag und der Verblechung ist glaube ich noch einmal Isolierfolie, ganz sicher kann ich das aber nicht sagen.

    lg,
    Jochen

    Comment by word2go — August 13, 2007 @ 9:54 am

  5. Sehr gute Arbeit :)

    Comment by Ralf — May 29, 2008 @ 7:23 pm

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