KLIMA SCHMÄH - ALLES LÜGE!?
Bild bringt Schocker des Jahrtausends!
Glauben, liebe BILD-Redakteure… mit dem Glauben ist das so eine Sache. "Du sollst nicht immer alles glauben…", sagte meine Mutter früher immer, wenn ich mal wieder mit zerrissenen Hosen vor der Tür stand, weil der Nachbarsjunge kühn behauptete "der beisst nicht!". Und deshalb glaube ich euch nicht, dass ihr glaubt, nicht mehr glauben zu dürfen, was ihr glaubt, das wir glauben sollen. Dafür sorgt allein schon euer Testimonial - vielleicht wird dieser Begriff ja mal zukünftig die offizielle Bezeichnung für eine Quellenangabe, von der der Freund eines Freundes eines Freundes einmal gesagt hat, dass es sie irgendwo gibt. Als euren Testimonial, äh eure Quelle, gebt ihr nämlich die FAZ an und nennt sie renommiert. Da habt ihr natürlich völlig recht, die FAZ ist eine renommierte Zeitung. Nur wenn eine Zeitung von einer anderen Zeitung behauptet, sie sei renommiert, dann bekomme ich immer gleich den Zwang mich zu fragen, warum die eine Zeitung das tut. Versucht sie vielleicht, das eigene, fehlende Renommee durch die Glaubwürdigkeit anderer aufzubessern? Oder ist vielleicht die Glaubwürdigkeit der Kritiker, welche die FAZ hier zitiert, so am Boden, dass es glaubwürdiger und sinnvoller erscheint, sie nicht zu nennen, um dann mit weisser Weste die FAZ die Suppe auslöffeln zu lassen, wenn auffliegt, dass es die Kritiker waren, die logen?
Wahrscheinlich aber war es nur hinsichtlich des manipulativen Charakters des Artikels opportuner, die Quellen der FAZ nicht zu nennen, denn sonst hätte man ja aufklärende Sentenzen hinzufügen müssen, welche die erwünschte Schockschwerenotstarre des Lesers untergraben hätten. Etwas, was die FAZ übrigens getan hat, liebe BILD-Schreiberlinge - was btw. das ist, was eine renommierte von einer nicht-renommierten Zeitschrift unterscheidet - aber das habt ihr ja "vergessen" zu erwähnen.
Nun, jedenfalls behauptet ihr, dass die FAZ behauptet - wobei die FAZ allerdings behauptet, dass es nur die Kritiker behaupten - dass brandneue (ein Wort, das ihr der FAZ dabei schamlos in den Mund legt) wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass der Anteil des Menschen am Kohlendioxid weltweit insgesamt nur auf 1 bis 4 Prozent geschätzt werde und der Großteil aus tierischer Atmung und aus den Ozeanen stamme, welche umso mehr CO2 abgäben, je wärmer sie werden.
Liebe Bild-Redakteure, wisst ihr, wie eine Archivrecherche funktioniert? Nein? Na, da gibt man ein paar bool’sche Operatoren ein - wenn Ihr nicht wisst, was das ist, könnt ihr ja mal nachgoogeln, funktioniert im Prinzip nämlich genauso - und schon findet man eine Studie aus dem Hause Springer von 1994 mit dem schönen Namen "Das CO2-Problem und die Rolle des Ozeans". Darin setzen sich die Autoren Duiker und Wefer bereits mit dem "brandneuen" Argument der Klimakritiker auseinander und zeigen sehr schön, dass die Ozeane als CO2-Speicher wesentlich zur Verminderung der globalen CO2-Emission beitragen. Was die Ozeane in Wirklichkeit machen, ist - und darauf beruhen auch die Argumente der Klimakritiker - eine beträchtliche Menge Wasserdampf in die Atmosphäre abzugeben, der als Wärmeleiter fungiert und damit, neben der Sonneneinstrahlung, den Hauptanteil am atmosphärischen (natürlichen) Treibhauseffekt trägt, ohne den wir hier auf der Erde bei einem Durchschnittswert von -18 Grad Celsius ganz schön bibbern würden. Klimakiller Ozean? Wäre ja auch ein zu schöner Sündenbock!
Ach ja, wenn ihr schon gerade am googeln seid, dann guckt doch gleich mal die Begriffe "Absorption", "sichtbare Strahlung", "Strahlung im Infrarotbereich", "Kohlenstoffzyklus" und "Photosynthese" nach. Dann werdet ihr merken, warum 99% der Klimatologen die, hauptsächlich auf Dialektik beruhenden, Argumente der Klimakritiker nicht ernstnehmen, die Rolle der Ozeane als Multiplikator des durch CO2-Emission bedingten, anthropogenen Treibhauseffektes aber sehr wohl. Viel Spaß!

















Guten Tag,
mir ist nicht klar, woher die 99% kommen sollen, ich kann sie nicht nachvollziehen. Tatsache ist, dass über die atmosphärischen Rückkopplungen schlicht zu wenig bekannt ist, als dass man eine zuverlässige Aussage machen kann.Das gilt auch für die Rolle des Wasserdampfs.Einen Aspekt herauszunehmen und für sich zu betrachten, ist unsinnig. Und das macht sie Sache so unübersichtlich.
Meines Erachtens kristallisiert sich allmählich der Trend heraus, dass die Rolle des CO2 überschätzt wird.
Comment by Frank Wettert mit — April 1, 2007 @ 12:27 pm
Moin, Moin,
also mit den 99% wollte ich Dir nicht den Sonntag verderben:) Dachte nicht, dass die offene Polemik hier missverständlich als Wahrheit genommen werden könnte. Setze doch bitte zwischen 90 und 100% eine Zahl ein, die Dir passt. Aus politikwissenschaftlicher Sicht ist das jedenfalls ein “balance in bias”-Problem, d.h. die Argumente der wenigen Kritiker werden so laut und mit Nachdruck formuliert, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, in der Wissenschaft herrsche tatsächlich eine ernstzunehmende Auseinandersetzung. Diese Auseinandersetzung gibt es, nach meinen Informationen, jedoch nicht, sondern es herrscht überwiegend Konsens. Ob dieser Konsens nun einer validen Theorie folgt, kann ich als Fachfremder kaum beurteilen. Wohl aber kann ich sehen, dass die Kritik am Konsens in keinster Weise wissenschaftliche Seriosität aufweist. Eine Theorie kann nur von innen heraus falsifiziert werden, also indem man sich auf sie einlässt und dann den Erklärungsgehalt prüft. Sich einfach hinzustellen und zu erklären, dass die Theorie falsch ist, weil sie zu viele Einzelaspekte nicht berücksichtigt, von denen man aber auch noch nichts weiss, ist schlichtweg unseriös. Das gilt für jede Wissenschaft.
In meinen Augen fusst die Hysterie der letzten Wochen also auf der Theorie mit dem bisher größten Erklärungsgehalt, was aber nicht heisst, dass diese Hysterie von den seriösen Wissenschaftlern auch geteilt wird. Hinter der Hysterie, wie hinter den Kritikern, stehen ganz klare politische und wirtschaftliche Interessen. Ich denke, man sollte dieses Problem thematisieren, anstatt sich an den Forschern zu vergreifen.
Comment by word2go — April 2, 2007 @ 8:23 am
Guten Tag, und da bin ich schon wieder,
offenbar unterliegen Sie da auch dem falschen Eindruck, dass Konsenz in der Wissenschaft herrsche. Um Ihre bewundernswerte Formulierungskunst aufzugreifen, herrscht in keiner Weise Konsenz. Ganz im Gegenteil.
Der Einfluss von CO2, die Anwendbarkeit des Treibhauseffektes, die Kopplung der Subsysteme, insbesondere die Strahlungseigenschaften der Wolken..das alles ist weitgehend unbekannt.
Es kommen in der Tat zunehmende Zweifel an der Richtigkeit der Rolle von CO2 als Klimaveränderer auf. Viel verwerflicher war der einseitige Kyoto-bejahende Berichtstil der vergangenen Monate.
Damit möchte ich auf keinen Fall den Stil der Bild stützen, ganz im Gegenteil. Ich kritisiere eher die Art und Weise, wie einseitig vorher mit diesem Thema umgegangen wurde, dass in der Öffentlichkeit dieser Eindruck des Konsenz entstanden ist, den es nicht gibt.
Comment by Frank Wettert mit — April 2, 2007 @ 6:34 pm
“Viel verwerflicher war der einseitige Kyoto-bejahende Berichtstil der vergangenen Monate”
In der Frage sind wir dann ja auch gar nicht so weit voneinander entfernt. Wobei ich das “Kyoto-bejahend” gerne durch “Weltuntergangsstimmung herbeiredenden” ersetzen würde. Denn das Kyoto-Protokoll bejahe ich schon allein deshalb, weil die Förderung und Entwicklung neuer Technologien nicht nur zur Verminderung des CO2-Ausstosses, sondern auch zur Vermeidung möglicher Ressourcenkonflikte sinnvoll ist. Im Emissionshandel sehe ich dabei ein wirkungsvolles Instrument, mögliche sicherheitspolitisch relevante Aspekte in den Bereich der Wirtschaftspolitik zu verdrängen. Es geht ja bei der ganzen Nachhaltigkeitsdiskussion eigentlich nur am Rande ums Klima und in erster Linie um das Fortdauern gesellschaftsfähiger Strukturen. Umweltschutz ist ja kein Selbstzweck.
Comment by word2go — April 2, 2007 @ 8:53 pm