Nur Gedanken

January 13, 2007

KATZE!

Filed under: Musikalisches, Werbung - word2go @ 2:59 pm



Ich werde alt? Was solls! Der leichte Bauchansatz kommt halt nun mal, wenn man über 30 ist. Die Discobesuche werden weniger, aber richtig vermissen tut man die eh nicht, denn man zieht ja mittlerweile gediegene Club- oder Pubatmosphäre vor. Nur auf Livekonzerten werde ich manchmal noch richtig nostalgisch. Dann nämlich prescht sie wieder vor, die alte Rampensau, möchte am liebsten selbst auf die Bühne und das Mikro von oben bis unten vollschlabbern. Und je mehr die Band da oben rockt, desto dringlicher wird diese Sehnsucht.

So ging es mir denn auch vergangenen Sonntag. Der nette Nilz hatte mir netterweise zu zwei Plätzen auf der Gästeliste für das Konzert von "Katze" in Nürnberg verholfen und ich durfte mich dafür mal wieder einen Abend lang jung fühlen. Aber richtig, denn da vorne im Rampenlicht stand schließlich einer von nur zwei deutschen Songwritern, die es Anfang der 90er geschafft hatten, meinen seattlegeprägten Musikhorizont zu durchbrechen. Der eine hieß Dirk Darmstädter (Jeremy Days), der andere Klaus Cornfield (Throw that Beat in the Garbage Can!).

Letzterer bearbeitete nun - nur wenige Meter enfernt und auf viel zu kleiner Bühne - seine Gitarre als wäre er nie weggewesen und bewies, dass er auch aus dem mittlerweile gut sortierten Angebot an deutschen Songwritern noch deutlich hervorsticht. Schlicht und ergreifend "Katze" heisst seine neue Band und die Metapher greift: einfach schnörkellos schön! Und trotzdem launisch, egozentrisch und wählerisch. Ihr Sound? Fröhlicher, kurzweiliger Punkpop mit teils nachdenklichen deutschen Texten. Krautpop, wie sie ihn selbst nennen.



Und der hat es in sich! Nicht nur, weil Backgrounderin Minki Warhol die unglaublichsten Spielzeuginstrumente beherrscht und in virtuoser Vielfalt einsetzt oder weil Klaus Cornfields Gesang auch mit 40 Jahren auf den Stimmbändern noch mit den Normen gesellschaftlicher Mann-Frau Schematisierung bricht. Sondern v.a., weil Sound und Text von "Katze" jünger, mutiger und experimenteller daherkommen, als die zielgruppenfixierte Grönemeyerlyrik mancher Newcomer. Schon die ersten Zeilen des Starters "Der Brief", zugleich die erste Singleauskopplung aus dem Album "… Von Hinten!", machte in Nürnberg Lust auf mehr: "In dem Brief den Du mir gabst, steht nur Scheiß! Wenn Du mich wirklich magst, sag’s doch gleich!"

Es braucht mittlerweile schon eine gewisse Abgeklärtheit, eine so unverzierte Wörtlichkeit nicht peinlich zu finden. Und doch schafft sie eine Authentizität, die unvermittelt glaubhaft wirkt. So glaubhaft, dass man spätestens beim Kracher "Punk’s not dead" - eigentlich eine gediegene Ballade an den Punk - kopfüber von der Bühne in die Menge springen möchte.

Fazit 1: Alter spielt also doch eine Rolle!
Fazit 2: Hörbefehl!


2 Comments »

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  1. danke für die blumen!
    weiss dirk das schon?
    alles liebe,
    klaus;-)

    Comment by klaus cornfield — January 14, 2007 @ 7:14 pm

  2. hab mich noch nicht getraut!:) Außerdem gab’s doch damals noch keine Blogs.

    Comment by word2go — January 15, 2007 @ 10:49 am

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