Nur Gedanken

January 9, 2007

SEX & CRIME IN DER OPER - DIE EINZIG WIRKLICH WIRKLICH WISSENSCHAFTLICHE BETRACHTUNG DER SUBKULTUR GEWALTMUSIK

Filed under: Satirisches, Musikalisches - word2go @ 6:26 pm

Es geht ab wie Harry in Claudio Monteverdis (1567-1643) "Die Krönung der Poppea". Der Name ist Programm: Poppen, poppen, poppen… und nebenher noch ein paar asozialen Querdenkern (in diesem Fall dem armen Seneca) wahlweise mit Messer oder Schierlingsbecher nachstellen. Gegen diese morbide Faszination an Gewaltexzessen kommen Sido und Konsorten wie brave Schuljungen daher.

Doch nicht nur Monteverdi, auch Puccini, Verdi oder Mozart gingen nicht gerade zimperlich mit dem Medium Sprache um und untermalten das grauenhafte Treiben in den Opernhäusern zudem mit ohrenbetäubendem Krach. Wer, wenn nicht Bach hat die Chromatik und damit die Terrorherrschaft der Dissonanzen über das Seelenheil der Gläubigen erfunden? Die Fuge leitet sich nicht ohne Grund vom lateinischen Wort für Flucht her!

Die Pauke, diese Ausgeburt der Hölle, die "ja akustisch nichts anderes darstellt als Schläge, Schüsse, Explosionen und dergleichen". Das Cello, dieses omnipräsente, bedrohliche Bauchgefühl, wummernd, schrubbelnd, immer dann gefragt, wenn der inhaltliche Spannungsbogen zum nächsten Mord ansetzt… Es ist nichts anderes als der musikalische Ausdruck einer kriminellen Subkultur, einer Leidenschaft für das Böse in der Welt und im Jenseits, das den Menschen fasziniert, seit es Kunst gibt. Und schliesslich der Bass. Il Basso, der Tiefe, entsprungen dem Schlund der Hölle, der stämmige, sonorig schmeichelnde Verführer: "Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn? Meine Töchter sollen dich warten schön."

Es ist wohl an der Zeit, unser Verhältnis zur klassischen Musik zurechtzurücken. Tonlehre kann man ja auch am Beispiel McCartney unterrichten, Intonation an Daniel Küblböck und Rythmuslehre an Eminem, dazu braucht man keinen Beethoven, keine Callas und keinen Lizt.

Ein musikalisches Reinheitsgebot? Überfällig!

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