Nur Gedanken

December 23, 2006

FROHE WEIHNACHTEN

Filed under: Panorama - word2go @ 2:23 pm

So, über die Feiertage wird hier nicht gebloggt, ich werde mir stattdessen ein paar schöne Rundungen anfuttern. Ich wünsche Euch allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch in’s neue Jahr. Vergesst bitte nicht, dass es ab Anfang Januar eine öffentliche Petition zu unterstützen gibt und schaut mal vorbei, um den Start nicht zu verpassen. Jetzt gibt es noch die zehn im Jahr 2006 am häufigsten gelesenen Artikel auf word2go. Feiert schön!

Die  10 meistgelesenen Artikel 2006:

10. Bantam-Mais für die Seele
09. Solidarität mit Israel und Libanon
08. Öffentliche Petition gegen das Olympiaschutzgesetz
07. Fünf Ringe sie zu knechten
06. Muslim Süß, human dignity and the limits of liberty
05. 90 Jahre für’n Arsch
04. Killer-Coke und der Bloggerehrenkodex
03. Mehr Titten in Riad
02. Warum die Killercoke-Kampagne ein Vorzeichen der Apokalypse ist
01. Pressefreiheit oder Volksverhetzung?

December 22, 2006

MIKROKREDITE - DIE 20% ZINSEN LÜGE

Filed under: Politisches, Panorama - word2go @ 5:30 pm

Heute ist in der Zeit ein sehr interessanter Artikel über die Möglichkeiten der Mikrokreditfinanzierung zu lesen, den ich nur sehr empfehlen kann. Im Gegensatz zum Hype, der nach der Friedensnobelpreisverleihung an Mohammed Yunus schon einige alte Hasen im Mikrofinanzsystem dazu veranlasste, die Zeitungen darum zu bitten, doch bitte das Himmelhochjauchzen zu beenden, ist dieser Artikel sehr sachlich und weist auch auf die Grenzen der Möglichkeiten hin. Dieser kritische Blick ist gut, denn Mikrokredite sind nicht das Allerweltsheilmittel gegen Armut. Auch wenn die Mikrofinanzinstitute in der Regel sehr genau prüfen, an wen sie ihre Kredite vergeben und die Kreditvergabe an die Erfüllung sozialer Auflagen knüpfen, kann es - wie es im Kreditwesen eben so ist - vorkommen, dass der Kreditnehmer nicht in der Lage ist, den Kredit zurückzuzahlen. Es ist unschwer zu verstehen, dass dies für einen Kreditnehmer in einem Land, wo das staatliche Sozialwesen nur in Ansätzen vorhanden ist, eine ungleich höhere Katastrophe bedeutet, als hierzulande. Es ist also nicht alles Gold, was glänzt.

Leider ist die Debatte auf beiden Seiten uninformiert. Die Gegner des Mikrofinanzsystems schiessen dabei mit scharfer Munition. Sie halten den Mikrofinanzinstituten vor, dass sie die Menschen, gerade in Indien und Bangladesh, mit ihren Wucherzinsen in den Selbstmord treiben und übersehen dabei, oft willentlich, zwei sehr wichtige Aspekte:

1. Selbstmord als Ausweg aus der Kreditverschuldung ist in Indien und Bangladesh ein kulturell verwurzeltes und gesellschaftlich nicht geächtetes Phänomen. Obwohl in beiden Ländern offiziell abgeschafft, besteht das feudale Zamindari-System, eine Art leibeigenschaftliche Abhängigkeit der Bauern von den Großgrundbesitzern, noch heute in Form der Vergabe von Wucherkrediten weiter. Ursprünglich von den Moghulen im 16. Jahrhundert als Besteurungssystem gegründet, entwickelte sich das Zamindari-System unter den Briten zur gängigsten Form der Beziehung zwischen Landarbeiter und Landbesitzer. Der Selbstmord eines zahlungsunfähigen Landarbeiters war damals - und ist es heute noch - nicht nur ein individueller Ausweg aus der Schuldenfalle, sondern auch sozialer Protest gegen diese Form der Ausbeutung und half anderen Landarbeitern dabei, sozialen Druck auf den Zamindar auszuüben, um Umschuldungen oder Privilegierungen zu erreichen.

Es ist damit zwar richtig, dass auch Nehmer von Mikrokrediten gelegentlich zum Selbstmord greifen. Der Prozentsatz der Kreditnehmer, die sich aufgrund eines Mikrokredits umbringen, ist jedoch im Vergleich zum Prozentsatz der Kreditnehmer, die sich aufgrund von Kreditschulden bei normalen Banken oder Unternehmen selbst töten, verschwindend gering. So nahmen sich z.B. allein in Indien seit 1998 über 50000 (1998-2004 25000 Bauern, seither 16000 pro Jahr) bei Cargill, Monsanto oder Syngenta verschuldete Bauern das Leben.

2. Es ist richtig, dass der Anfangszins der meisten Mikrofinanzinstitute bei 20-25% liegt. Das hat jedoch mit Wucher nichts zu tun, den der Zins berechnet sich degressiv nach dem "Declining Balance Prinzip", d.h. er sinkt mit fortlaufender Kreditdauer und zwar sehr schnell. So gut wie alle Mikrofinanzinstitute unterbieten damit, über die gesamte Laufzeit gesehen, den Mittelwert des staatlichen Kreditzinses des jeweiligen Landes. In Bangladesh liegt dieser Mittelwert bei 11%, die Grameenbank erreicht bei Investitionskrediten einen Mittelwert von 10%. Der Vorteil des degressiven Zinssatzes liegt auf der Hand: hat das Geschäftsmodell des Kreditnehmers Erfolg, so muss er schon nach sehr kurzer Zeit die Tilgung der Finanzierungskosten nicht mehr fürchten. Sie ist so gering, dass er bereits nach einer sehr kurzen Phase in der Lage ist, sein und das Leben seiner Familie zu finanzieren, bzw. sich meist schnell einen Folgekredit zur Unternehmensexpansion leisten kann (was von den Kritikern oft fälschlicherweise als Umschuldung oder Refinanzierung des alten Kredits gesehen wird. Dieser Vorwurf ist Unsinn, denn die Konditionen von Grameen et. al. sind klar: wer den Erstkredit nicht erfüllen kann, bekommt keinen Folgekredit). Der Kreditnehmer, hat also bei einem Mikrokreditinstitut ungleich höhere Wachstumsperspektiven, als bei einem Institut, das einen gleichbleibenden Zinssatz verlangt.

Darüber hinaus bieten Grameen und andere Mikrofinanzinstitute nicht nur Investitionskredite, sondern auch andere Finanzierungformen zu wesentlich günstigeren Zinssätzen, ebenfalls nach dem Declining Balance Prinzip. So gibt es Hausbaukredite zu 8% Zinsen, Studentenkredite zu 5% Zinsen und Kredite für Bettler zu 0% Zinsen.


Es besteht also weder ein Grund, Mikrokredite als Allheilmittel zu sehen, noch sie als unmoralisch abzukanzeln. Erst recht besteht kein Grund, sie als Triumph des Kapitalismus über das Gutmenschentum und die spendenfreudige Political Correctness zu sehen. Ein Unternehmer ist ein Unternehmer, ist ein Unternehmer und hat mit dem risikoaversen Kapitalismus, den wir heute allerorten erleben, rein gar nichts zu tun. Mikrokredite sind ganz einfach nur eines von vielen Mitteln, ein wenig mehr Fairness herzustellen.

December 21, 2006

ACH ÜBRIGENS…

Filed under: Panorama - word2go @ 12:30 pm

bevor ich’s vergesse.

MORGEN FICKEN!

KACK TECHNIQUE

Filed under: Panorama - word2go @ 12:14 pm

Sebas
war bei seiner Proktologin. Wer also Sinn für Humor und einen guten Magen hat, darf diesem Link bedenkenlos folgen.

Ich war da übrigens auch mal, jedoch bei einem männlichen 2x2 Meter Subjekt russischer Abstammung, der vorher nicht mal antäuschte. Nach dieser Erfahrung würde ich nie im Leben jemals und überhaupt wieder freiwillig die Technik anwenden, die McWinkel bei Sebas in den Kommentaren empfiehlt. Never! Never ever! Man wird vorsichtig im Alter!

Außerdem ist’s schonender für die Gesichtsmuskulatur. Ehrlich!

December 20, 2006

GRÖSSENWAHN IM VATIKAN

Filed under: Panorama - word2go @ 11:06 pm

"Ich schließe nicht aus, dass der Vatikan in Zukunft eine Fußballmannschaft organisiert, die auf dem Niveau von AS Rom, Inter Mailand und Sampdoria Genua und anderen Mannschaften der italienischen Serie A spielen kann" (Tarcisio Bertone, vatikanischer Staatssekretär)

via Soccer Warriors

HENRICO FRANK UND DIE BILDZEITUNG - GUERILLAMARKETING AT IT’S BEST

Filed under: Satirisches - word2go @ 1:16 pm

Herr Diekmann, Sie sind genial! Sie sind der King darin, einen öffentlichen Disput zu inszenieren. Also, die Sache mit Ihrem Vorzeigeunterschichtler, der lieber mit seinen Managern Kaffee trinkt und Pressekonferenzen hält, anstatt sich bei Herrn Beck acht Jobangebote abzuholen, ist der absolute Wahnsinn. Selbst Jung von Matt hätte so einen Werbehype nicht auf die Reihe gekriegt. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin geplättet. So ein genaues Auge für die Bedürfnisse der Zielgruppe "Unterschicht" ist mir ja im Leben noch nicht untergekommen. Wann dürfen wir Henrico Frank denn endlich auf der Glotze sehen? Darf er in die Jury von DSDS? Oder gibt’s endlich mal wieder ein Dschungelcamp? Also das wäre ‘ne tolle Sache, das habe ich in den letzten Monaten echt vermisst.

Ich hoffe, dass Sie das jetzt nicht zu aufdringlich finden, ich will ja nicht so tun, als ob ich einem echten PR-Profi Tipps geben könnte. Aber könnte man da nicht auch noch einen Deal mit Media Markt und Saturn drehen? Das wäre stark und nicht mehr zu toppen! Immerhin haben die doch das "Geiz ist Geil" und das "saubillig"-Konzept. In Verbindung mit Ihrer "Ich bring Dich groß raus, auch wenn Du nichts kannst"-Kampagne würde doch nichts der Unterschicht besser beweisen, dass man nichts mehr leisten braucht, um seine 15 Minuten Ruhm zu bekommen. Na, können Sie das Geld schon riechen? Können Sie vor Ihrem inneren Auge sehen, wie die Unterschicht sabbernd, zahlend und kaltgestellt vor der Glotze hängt und beruhigt auf den eigenen Durchbruch wartet? Sehen Sie, was sich da marketingtechnisch noch alles machen lässt?

Also ich halte das für ein geiles Werbekonzept, Sie nicht auch? Ich würde mich freuen, wenn Sie diesen Vorschlag in die Tat umsetzen würden. Ich schenke Ihnen als treuer Fan auch die Idee.

Mit bewundernden Grüßen,

J.G. 

ES WIRD ZEIT, MICH ZU ENTSCHULDIGEN…

Filed under: Politisches - word2go @ 11:51 am

und zwar bei diesem Mann, für diesen Artikel. Herr Köhler, ich hatte sie unterschätzt und ziehe hiermit meinen Hut. Sie sind der politische Bundespräsident geworden, der Sie werden wollten. Und das finde ich mittlerweile sogar richtig gut.

December 19, 2006

DIE KUH IST NICHT VOM EIS?

Filed under: Politisches, Panorama - word2go @ 11:24 am


Dann machen wir ihnen doch die Hölle heiss!

Soeben habe ich auf XSBlog2.0 gelesen, dass Kirstin Walther darum gebeten hat, in Sachen DOSB das Saftblog nicht mehr zu verlinken. Bei Robert Basic kann man nachlesen, dass man sich wahrscheinlich dazu entschliessen wird, die Unterlassungserklärung zu akzeptieren. Natürlich kann ich die Haltung der Walthers absolut verstehen. Sie tragen schließlich Verantwortung für ihr Unternehmen und für ihre Mitarbeiter und befinden sich somit nicht gerade in der Position, die Helden zu spielen. Andererseits muss ich Robert in vollem Umfang zustimmen, wenn er sagt: "Der DOSB-Fall ist stellvertretend für nachkommende Fälle eben nicht gegessen", auch wenn man die Reichweite dieser Aussage unter Umständen etwas relativieren muss. Die Sache mit dem DOSB ist ein Sonderfall, da hier der Markenrechtsschutz auf einem eigens für diesen Zweck beschlossenem Gesetz und nicht auf den üblichen Patents- und Markenrechtsbestimmungen basiert. Ein gezieltes Vorgehen gegen den DOSB betrifft also nicht zwangsläufig die gegenwärtige Abmahnpraxis im Allgemeinen.

Was aber nicht heissen soll, dass wir nicht wenigstens probieren sollten, dieses Gesetz zu kippen, um künftig Wettbewerber zumindest vor dem DOSB zu schützen. Daher nochmals meine Bitte: unterstützt diese öffentliche Petition gegen das OlymSchG und macht sie bekannt.

PS.: Und das sage ich jetzt ausdrücklich, weil ja in den letzten Tagen auf verschiedenen Seiten der Vorwurf kam, dass sich viele kleine Blogger im Zuge der Saftblogabmahnung via Trackbackspam oder Sonstigem an einen fahrenden Zug hängen, um sich zu profilieren und ich ja (un)bekanntermaßen ein "kleiner" Blogger bin: um die öffentliche Petition bekannt zu machen, braucht Ihr nicht hierher zu verlinken, es klappt genauso gut, wenn Ihr einfach nur die Petitionsseite verlinkt. Von dort aus findet sich Jeder selbst zurecht.

PPS.: Da sieht man mal, was dabei rauskommt, wenn sich viele Leute Gedanken machen. Was wir generell gegen den Abmahnwahn tun können, sagt uns nämlich Oldman!

WAS DENN, WAS DENN?

Filed under: Panorama - word2go @ 9:06 am

Da schreibt man einen langen Artikel zur Abmahnung des Saftblogs, reicht sogar eine Petition beim Deutschen Bundestag ein… nichts bewegt sich. Und dann setzt man zweimal das Wort "Ficken" auf sein Blog und schon schiesst der Counter in die Höhe. Was sagt man dazu?

Hallo Zielgruppe!???

December 18, 2006

FICKEN FÜR DEN WELTFRIEDEN

Filed under: Panorama, Werbung - word2go @ 6:15 pm

Glaubt es oder glaubt es nicht. Doch es liegt etwas in der Luft. Das ultimative Rezept gegen böse Menschen, Tyrannen oder Abmahnanwälte. Erst gestern bin ich bei Elsa über einen Beitrag gestolpert, der mich an den alten Slogan - damals noch ganz brav - "Petting statt Pershing" erinnerte und heute finde ich dann per Zufall die Seite globalorgasm.org, die uns alle dazu aufruft, am 22.12.2006 ordentlich für den Weltfrieden zu ficken.

So, ich fange jetzt nochmal von Vorne an, denn gerade bin ich zu Elsa rüber, um besagten Artikel zu finden und musste feststellen: sie hat in der Zwischenzeit auch schon über den Global Orgasm Day geschrieben. Gibt’s denn so was? Kann das noch Zufall sein?

Die Macher von globalorgasm.org würden sagen: NATÜRLICH NICHT! Ihre Aufforderung an uns alle, es am 22.12.2006 mal so richtig poppen zu lassen, beruht nämlich auf der wissenschaftlichen Annahme des Global Consciousness Project an der Universität Princeton, dass der globale Bewusstseinszustand von uns Erdenbewohnern Einfluss auf plötzlich eintretende, die gesamte Menschheit betreffende Ereignisse hat. So seien z.B. vor 9/11 und der Tsunamikatastrophe in Südostasien erhebliche Schwankungen im globalen menschlichen Bewusstsein aufgetreten. Wenn das bei negativen Ereignissen funktioniert, denkt sich globalorgasm.org, warum dann nicht bei positiven. Also: ficken für den Weltfrieden! Aber kräftig!

Die bei Elsa und mir übereinstimmende, plötzliche Begeisterung für das Thema Sex läge nach dieser Theorie an nichts anderem, als an der sich weltweit steigernden Vorfreude auf den GO-Day.

Ich denke, diese Vorfreude sollten wir alle nicht enttäuschen! Und selbst, wenn dann nur Weihnachten etwas harmonischer verläuft hat’s sich doch schon gelohnt, oder?

December 17, 2006

ÖFFENTLICHE PETITION GEGEN DAS OLYMPIASCHUTZGESETZ

Filed under: Politisches, Panorama - word2go @ 10:39 am

Als Nachtrag zum gestrigen Artikel über die Abmahnung des Saftblogs durch den DOSB, hier noch mal der Wortlaut der öffentlichen Petition zur Abschaffung des Gesetzes zum Schutz des olympischen Emblems und der olympischen Ringe, die ich gestern beim Deutschen Bundestag eingereicht habe (ging ja in dem langen Artikel völlig unter):

"Der Deutsche Bundestag möge beschließen…

das Gesetz zum Schutz des olympischen Emblems und der olympischen Ringe (OlymSchG), BGBI. Teil I/2004, Nr. 14 vom 6.5.2004, S. 479 ff.; in Kraft getreten am 1. Juli 2004 - §9 (2) am 7.4.2004, ersatzlos zu streichen.

Begründung

Das Gesetz spricht einer Einzelorganisation (IOK/NOK) das exklusive Vermarktungsrecht an den Begriffen "Olympia", Olympiade" und "olympisch" zu und widerspricht damit dem öffentlichen Interesse an Gebrauch und Verwertung dieser kulturell verwurzelten und für die Allgemeinheit bedeutungsvollen Begriffe. Es ist kein wichtiger Grund ersichtlich, das Recht der Allgemeinheit auf Verwendung dieser Begriffe zu beschränken.

Die Petition beantragt die vollständige Streichung - nicht die Änderung des Gesetzes auf einen alleinigen Schutz der Bildmarke (Olympisches Emblem) - da es IOK und NOK freisteht, das olympische Emblem als Bildmarke, als auch die oben genannten Begriffe in Verbindung mit anderen Begriffen als Wortmarke nach den Bestimmungen des Madrider Abkommens schützen zu lassen. Eine Notwendigkeit, dieses Recht zusätzlich mittels eines eigenen Gesetzes zu schützen, ist nicht erkennbar."

Wer Interesse hat, die öffentliche Petition zu unterzeichnen, kann dies auf den Seiten des Petitionsausschusses tun, sobald die Petition dort veröffentlicht wurde. Den statischen Link liefere ich nach. Ich hoffe, Ihr folgt der Einladung zahlreich, denn ich finde, es wirklich ein Unding, dass das NOK den fragwürdigen Schutz der Wortmarken über den Bundestag quasi am Madrider Abkommen vorbeigemogelt hat. Wollen wir doch mal sehen, ob wir dem Treiben so ein Ende bereiten können.

Update: Die Petition hier zeichnen

December 16, 2006

FÜNF RINGE SIE ZU KNECHTEN

Filed under: Politisches, Panorama - word2go @ 1:58 pm

Ja, ich geb’s zu. Die Überschrift dieses Artikels schmückt sich mit fremden Federn. Doch kein Kommentar zur Abmahnung des Saftblogs durch den De*tsch*n Ol*mp*sch*n Sp*rtb*nd sticht meiner Meinung nach besser als die Analogie, die Multimediadesign.net zwischen dem Golum und dem DOSB zieht. Und das nicht, weil sich zum ersten Mal die bloggende Zivilgesellschaft geschlossen schützend vor ein Unternehmen stellt, sondern weil die Motivation des DOSB, das Saftblog abzumahnen, so offensichtlich auf den niederen Instinkten Gier, Neid, Mißgunst und Mißtrauen zu beruhen scheint. Die Misantropie, die in jeder Zeile der eilig nachgeschobenen, offiziellen Stellungnahme von DOSB-Pressesprecher Michael Schirp mitschwingt, wirkt diesem Eindruck nicht gerade entgegen.

Um den unsportlichen Widersinn des Vorgehens gegen den Saftblog zu verstehen, reicht es nicht, allein markenrechtliche Überlegungen anzustellen, denn der gesunde Menschverstand, der Jeden sofort erkennen lässt, dass der Saftblog in den beiden abgemahnten Artikeln in keiner Weise die Marke Ol*mpia für eigene Werbezwecke mißbraucht hat, ist in der deutschen Juristerei schon lange nicht mehr gefragt.

Man muss sich vielmehr fragen, wie es dazu kommen konnte, dass eine einzelne Organisation die Markenrechte für ein Jahrtausende altes Weltkulturgut bekommen konnte. Was macht es für einen Sinn, dass sich griechische Restaurants nicht mehr Ol*mpia nennen dürfen? Haben sie denn nicht ein viel älteres, kulturell hergebrachtes Recht an diesem Namen? Kann es überhaupt rechtens sein, die Verwertung des Namens Ol*mpia, der für so Viele auf der ganzen Welt so viel bedeutet, Irgendjemandem zu verwehren?

Wenn dies so wäre, könnten wir auch den Widerstand gegen Monsanto und die Patentierung von Schweinegenen, überhaupt jeglichen Genen, die nie von Menschenhand verändert wurden, sofort aufgeben. Wenn dies unser Rechtsverständnis ist, der Ausgangspunkt unserer Diskussion, dann sollten wir sie wirklich einfach machen lassen. Sollen sich die Global Player doch alles unter den Nagel reißen, was auf dieser Welt jemals gewachsen, gedacht und erschaffen wurde. Denn dann wäre es ganz einfach wie früher im Wilden Westen: wer den Claim zuerst absteckt, gräbt zuerst und darf Jeden erschießen, der sein Land betritt. Die Website des Madrid-Abkommens bräuchte ein eigenes Rechenzentrum in der Größenordnung des Bayerischen Waldes, um dem Daueransturm standzuhalten.

Wir sollten dankbar sein, dass diese Vision von der endlosen Kumulation exklusiver Verwertungsrechte einiger Weniger auf Alles, die das Denken in den Chefetagen prägt, nicht wirklich unserem Rechtsverständnis entspricht. Es sollte uns jedoch alarmieren, dass der DOSB, um diese Verwertungsrechte zu bekommen, nicht den offiziellen Weg gegangen ist, sondern sich über das NOK, Lobbying und ein Gesetz des Deutschen Bundestags am Madrid-Abkommen vorbeigeschlichen hat und so an die exklusiven Verwertungsrechte der ol*mpischen Ringe und der Begriffe "Ol*mpia", "ol*mpisch" und "Ol*mpiade" gekommen ist.

Gut, die Ausrichtung der Ol*mpischen Spiele 2012 in Leipzig wäre für Deutschland eine schöne Sache gewesen und das IOC hatte schließlich als Bewerbungsauflage den Schutz der oben genannten Begriffe gefordert. Aber soll das dann bedeuten, dass ein Staat mit Geld erpressbar und das Recht gebeugt werden kann, wenn nur die Pressure Group stark genug ist?

Wem das nun zu starker Tobak ist, der sollte sich eine Frage stellen: Warum ist der DOSB den normalen Weg über die Markenanmeldung denn nicht gegangen? Vielleicht, weil er dieses Recht auf diesem Weg nie bekommen hätte? Und warum hätte er es nicht bekommen? Eben weil diesem exklusiven Verwertungsrecht viel zu viele Rechte Einzelner gegenüberstünden, denen garantiert werden muss, dass auch sie von der Nutzung dieser kulturell verwurzelten Begriffe nicht ausgeschlossen werden können. Das Interesse der Allgemeinheit am freien Gebrauch dieser Begriffe ist einfach zu groß, als dass sie einer einzelnen Organisation zugesprochen werden könnten. Einer Organisation, die zudem nur von der Gier auf Exklusivität, der Gier auf jeden einzelnen Cent, der etwas mit Ol*mpia zu tun hat, getrieben wird.

Hätte der DOSB einen finanziellen Schaden, wenn auch andere an Ol*mpia mitverdienen? Wohl kaum, er hätte nur etwas weniger Profit.

Hat die Bundesrepublik einen finanziellen Schaden, wenn der DOSB die Exklusivvermarktungsrechte besitzt? Sehr wohl! Denn der Staat sind wir alle! Die bessere Verteilung der Gewinne aus dem Projekt Ol*mpia würde nicht nur einen breiteren Nutzen, sondern auch ein höheres Steueraufkommen bewirken, also etwas, von dem wir alle profitieren.

Ich habe deshalb folgende Online-Petition mit der Forderung auf Streichung des Gesetzes beim Deutschen Bundestag eigegeben. Wer sie unterstützen will, kann sie auf der Petitionsseite des Deutschen Bundestages unterzeichnen, sobald sie online gestellt wurde. Link folgt.

"Der Deutsche Bundestag möge beschließen…..

das Gesetz zum Schutz des olympischen Emblems und der olympischen Ringe (OlymSchG), BGBl. Teil I/2004, Nr. 14 vom 6.4.2004, S. 479 ff.; in Kraft getreten am 1. Juli 2004 - § 9 (2) am 7.4.2004), ersatzlos zu streichen.

Begründung:

Das Gesetz spricht einer Einzelorganisation (IOK/NOK) das exklusive Vermarktungsrecht an den Begriffen „Olympia“, „Olympiade“ und „olympisch“ zu und widerspricht damit dem öffentlichen Interesse an Gebrauch und Verwertung dieser kulturell verwurzelten und für die Allgemeinheit bedeutungsvollen Begriffe. Es ist kein wichtiger Grund ersichtlich, das Recht der Allgemeinheit auf Verwendung dieser Begriffe zu beschränken.

Die Petition beantragt die vollständige Streichung - nicht die Änderung des Gesetzes auf einen alleinigen Schutz der Bildmarke (Olympisches Emblem) - da es IOK und NOK freisteht, das olympische Emblem als Bildmarke, als auch die oben genannten Begriffe in Verbindung mit anderen Begriffen als Wortmarke nach den Bestimmungen des Madrider Abkommens schützen zu lassen. Eine Notwendigkeit, dieses Recht zusätzlich mittels eines eigenen Gesetzes zu schützen ist nicht erkennbar."

SCHNEUZ!

Filed under: Panorama - word2go @ 9:15 am

Eigentlich wollte ich ja jetzt schon auf dem Weg zum Barcamp Nürnberg sein. Statt dessen: Tee, Aspirin, ACC und Taschentücher. Na, vielleicht morgen dann.

December 14, 2006

VOEGELIN WÜRDE SICH IM GRAB UMDREHEN

Filed under: Politisches, Panorama - word2go @ 10:21 pm

Dass ein Dieter Bohlen, ein Markus Wasmeier oder ein Gotthilf Fischer der neuen Tempo auf den Leim gegangen sind, ist ja noch irgendwie nachvollziehbar. Aber Julian Nida-Rümelin, der "die Ziele und das Programm der Deutschen Nationalakademie ohne jeden Vorbehalt unterstützen kann"?

Herr Nida-Rümelin, sind Sie des Wahnsinns? Wissen Sie eigentlich, an welchem Institut Sie unterrichten?

Da hilft auch Ihre alberne Stellungnahme nichts! Wenn Sie erst Internetrecherchen anstellen müssen, um herauszufinden, ob der Wortlaut des Anschreibens einen rechten politischen Hintergrund vermuten lässt…

DER LANGE FALL DURCH’S SOZIALE NETZ

Filed under: Politisches, Panorama - word2go @ 3:26 pm


Um es mal ganz drastisch zu formulieren: ich habe die Schnauze gestrichen voll! Seit April dieses Jahres nur Ärger mit der Agentur für Arbeit, damals hatte ich meinen Antrag auf Arbeitslosengeld I gestellt, ursprünglich nur, um einen festen Status zu bekommen und mit der Sicherheit des Existenzgründerzuschusses eben dies, meine selbständige Existenz, gründen zu können. Was danach kam, war ein Behördenhickhack, wie man ihn sonst nur in ägyptischen Komödien sieht (Terrorismus und Kebab, übrigens sehr empfehlenswert), leider für den Hauptdarsteller nur halb so witzig, wie für den Zuschauer.

Zuerst die Sache mit dem ehemaligen Arbeitgeber. Der hatte nämlich plötzlich angeblich (und noch viel andere "lichs") keine Arbeitslosenversicherung abgeführt. Folge: Antrag abgelehnt!

"Gut", dachte ich mir, "ich will ja nur einen Status, beantrage ich halt mal Hartz IV". Doch nichts im Leben ist einfach, v.a. wenn man es mit "Dienern des Volkes" zu tun hat. Die sahen nämlich nur eine über vierjährige Beschäftigung, eine hohe Stundenanzahl und ein dickes Gehalt und folgerten daraus, dass mein ehemaliger Arbeitgeber log. Als ich versuchte, das Ganze zu erklären, fragte mein Betreuer nur naiv: "Werkstudent? Was soll denn das sein?"

Anstatt bei meinem ehemaligen Arbeitgeber nachzufragen und ihm als Institution Feuer unter dem Arsch zu machen - ein Handeln, das man bei einer Institution wie der Arbeitsagentur schon aus Selbstinteresse erwarten sollte - schickte man mich wieder auf die Strasse. ALGII-Antrag abgelehnt, da der Antragssteller Anspruch auf Arbeitslosengeld I hat, so die Begründung. Ich solle mich doch bitte selbst darum kümmern, meine Ansprüche gegen meinen ehemaligen Arbeitgeber arbeitsrechtlich oder notfalls zivilrechtlich geltend zu machen, das sei nicht ihre Sache.

Ein Anruf in der Rechtsabteilung meines ehemaligen Arbeitgebers entlockte den dortigen Juristen nur ein müdes Lächeln. "Das hat die Arbeitsagentur gesagt? Na dann probieren Sie das doch einfach mal!" Ein Brüller, diese Antwort. Ich konnte es durch das Telefon schon fast hören, wie sich dabei das gesamte Büro vor Lachen die Bäuche hielt.

Die Anwältin für Arbeitsrecht, der ich daraufhin einen Besuch abstattete, freute sich über die 130€ die ich ihr mitbrachte, brauchte ca. 10 Minuten um mir freudestrahlend und vertrauenserweckend zu erklären, dass sie nicht meine wertvolle Zeit vergeuden wolle, das machten andere Anwälte absichtlich so und das würde ja Geld kosten und so weiter und das mache sie ja nicht, weil das sei ja unmoralisch und sie wüsste ja, wie kostbar die Zeit während eines so kurzen Beratungsgesprächs sei… Die letzten 35 der je 2,90,- € teuren Minuten verbrachte sie dann damit, genau die Fragen zu stellen, die ich ihr in meiner Email - um eben jene Zeit zu sparen - bereits beantwortet hatte und beendete das Gespräch mit dem Hinweis, sie könne ja mal in der Rechtsabteilung meines ehemaligen Arbeitgebers anrufen, habe aber wenig Hoffnung, weil man ja sehr vorsichtig vorgehen müsse, um nicht den Eindruck zu erwecken, man wolle den Arbeitgeber erpressen. Ausserdem koste das natürlich auch wieder Geld und diesmal richtig, nicht nur den lächerlichen Beratungssatz.

Aha, jetzt war ich also schon so weit gesunken, einen Arbeitgeber erpressen zu wollen, nur weil ich wissen wollte, von welcher Seite ich denn nun Leistungen beziehen darf.

Ich verließ die Anwältin auf Nimmerwiedersehen, setzte mich ans Telefon und führte das Gespräch mit meinem ehemaligen Arbeitgeber, das eigentlich die Anwältin hätte führen sollen, selbst. Doch diesmal nicht mit der Rechtsabteilung, sondern mit meinem ehemaligen Chef. Und endlich hatte ich jemanden gefunden, der den Kern meines Problems zumindest in Teilen erkannte. Er vermittelte mich an die Lohnbuchhaltung. Dort erhielt ich die Auskunft, es sei damals alles rechtens gelaufen und man lasse sich für die Arbeitsagentur etwas einfallen. "Ja, das wäre nett", antwortete ich sarkastisch und musste daran denken, wie es wohl einem wirklich Bedürftigen ergangen wäre. Mittlerweile war es August, ich hatte noch keinen Cent gesehen und war nun selbst auf dem besten Weg, ein wirklich Bedürftiger zu werden. Wenn Ihr Euch jetzt fragt, warum das so lange gedauert hat und ob ich mich denn nicht richtig gekümmert hätte - dass eine Korrespondenz mit der Agentur für Arbeit auch schneller geht als im 4-6 Wochen Rythmus, hatte ich erst begriffen, nachdem ich zu der Überzeugung gelangte, dass die Damen und Herren dort Provision oder sonstige Meriten bekommen, wenn sie das Verfahren so lange wie möglich hinauszögern. Doch dazu unten mehr.

Zwei Tage später erhielt ich Post. Von der Lohnbuchhaltung meines ehemaligen Arbeitgebers. Ich hätte vorwiegend in den Nachtstunden, an Wochenenden und in den Semesterferien gearbeitet, weshalb eine Anmeldung als Werkstudent und die Einbehaltung der Arbeitslosenversicherung gerechtfertigt gewesen sei. Im Grunde also das, was ich dem "netten" Herrn von der Agentur für Arbeit bereits im Juni erklärt hatte. Also ab damit zur ARGE, denn "dann kann’s nun endlich losgehen…", dachte ich mir.

Weit gefehlt, denn nun durfte ich am eigenen Leib erfahren, was es wirklich heisst, aus der Bordsteinrinne der Gesellschaft zu saufen. Gut, das Schreiben meines ehemaligen Arbeitgebers ging diesmal anstandslos durch, der ALGII-Antrag war endlich am Laufen. Doch leider nicht ab April, denn ALG I und ALG II hätten nichts miteinander zu tun, und auch nicht ab Mai, denn dieser ALGII-Antrag sei  ja abgelehnt worden, sondern erst ab August 2006. Während mein Sparguthaben langsam gen Null tendierte und sich mein Girokonto schon längst tief in den roten Zahlen befand, musste ich wieder daran denken, was dieses "das ist halt nun mal so" meiner, mittlerweile weiblichen, Sachbearbeiterin für einen wirklich Bedürftigen bedeutet hätte. Aber wenigstens war die Sache nun am Laufen…, glaubte ich.

Als ich nach drei Wochen noch immer keinen Bescheid hatte, dachte ich, es sei eine gute Idee, die Arbeitsagentur mal mit einem Anruf zu belästigen. Und siehe da, es war eine gute Idee. Meine Sachbearbeiterin hatte "zufällig" gerade meinen Antrag auf dem Bildschirm. "Ach Herr Gottwald, ich wollte Sie eben anrufen…"

Wie oft ich diesen Satz, gepaart mit Systemabstürzen, Computerproblemen, Druckerstörungen oder sonstigen technischen Defekten, in den nächsten Monaten noch hören durfte, war allein schon eine Frechheit für sich. Dass der Vorgesetzte meiner Sachbearbeiterin laut Telefonzentrale nie zu sprechen war, meine Sachbearbeiterin dann aber immer spätestens fünf Minuten nach meinem Anruf bei mir anläutete, um mir von ihrem neuesten Problem mit meinem Antrag zu berichten und natürlich nichts davon wusste, dass ich gerade vorher versucht hatte, ihren Vorgesetzten zu erreichen, das schlug dem Fass entgültig den Boden aus. Ich wusste nun, die haben da drin einen Contest laufen, im Haus das Verrückte macht.

Der vorläufige Tiefpunkt kam dann Anfang November. Nachdem ich meiner Sachbearbeiterin über fast zwei Monate hinweg einen regelrechten Telefonterror geliefert hatte, hatte ich endlich mal wieder einen offiziellen Termin, alle noch benötigten Unterlagen und meine Freundin im Schlepptau. Diese plante nämlich mit mir gemeinsam den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen und hatte ihrerseits einen Antrag gestellt. Wer sich von Euch mit ALG II auskennt, weiss, was jetzt kommt. Tatarata: die berühmte Bedarfsgemeinschaft. Obwohl ich alle meine Daten peinlichst genau und ehrlich angegeben hatte, war in der Agentur für Arbeit "angeblich" niemandem aufgefallen, dass meine Lebenspartnerin auch tatsächlich meine Lebenspartnerin ist, mit der Folge dass nun alles falsch berechnet und alles ganz anders sei und die Bearbeitung mehr Zeit koste. Man habe dafür aber "Gott sei Dank" einen sehr frühen Termin zur Antragsabgabe, nämlich Mitte Dezember.

Nun platzte mir der Kragen. "In sechs Wochen? Haben Sie überhaupt eine Ahnung, was es heisst, seit fast einem Jahr ohne regelmäßiges Einkommen zu leben?" - "Ja aber…" - "Ich will sofort Ihren Vorgesetzten sprechen!" - "Ja, dann holen Sie Ihre Freundin halt rein, dann machen wir das halt gleich, um Gottes willen." - "Soll das heißen, Sie hätten jetzt stillschweigend unser beider Daten noch einmal getrennt aufgenommen, um uns dann in sechs Wochen zu informieren, dass wir einen gemeinsamen Antrag abgeben müssen?" - Betretenes Schweigen - "Na, jetzt holen Sie sie schon!"

Gestern, vier Wochen und etliche Telefonate später kam er nun endlich an, der Bescheid. Mit einem, nach dem Inhalt der Telefongespräche zu urteilen, überaschenden Ergebnis: Antrag abgelehnt für die Monate August und September! Für den Monat Oktober Abzüge in Höhe von 450€. Begründung: meine Freundin hatte im August und September Steuerrückerstattungen bekommen, welche ein einmaliges Einkommen darstellen und deshalb über die Monate verteilt vom ALG II abzuziehen seien.

Auf meinen empörten Anruf, Steuerrückerstattungen seien ja wohl Vermögen, das dem Staat vom Bürger unfreiwillig als Kredit zur Verfügung gestellt worden sei, antwortete meine Sachbearbeiterin lapidar, das stehe so im SGB II und werde immer so gemacht.

Nachdem ich nun im SGB II keine klare Regelung finden konnte, fragte ich einfach mal beim Sozialgericht an. Und siehe da, die Sache ist keineswegs so eindeutig, wie man dem Bürger weismachen will. Mehrere Sozialgerichte, z.B. das Sozialgericht Leipzig hätten bereits gegen die Auffassung des Bundesverwaltungsgerichtshof entschieden, da dessen Begründung, warum Steuerrückerstattungen Einnahmen, Steuerrückforderungen aber Vermögen seien, auf tönernen Füßen stehe.

Also, klare Sache, Widerspruch! Notfalls Klage vor dem Sozialgericht, notfalls Revision, notfalls bis ganz nach oben. Denn auch wenn ich nun nächsten Monat endlich selbständig bin und die Leistungen der Arbeitsagentur gar nicht mehr in Anspruch nehmen werde (warum, könnt Ihr bald in einem eigenen Artikel zur idiotischsten HartzIV-Regelung überhaupt, dem Einstiegsgeld, lesen) und auch wenn ich die Verrenkungen des BVerwG nachvollziehen kann (Berücksichtigung von Zu- und Abflüssen möglich zu machen): mit groben Klötzen schmiedet man kein Goldkettchen! Und so filigran und ausgewogen wie ein Goldkettchen sollte unser Sozialsystem doch eigentlich sein. Nicht ein Netz ohne Boden.

So, nun geht’s mir besser!

December 12, 2006

ÖFTER MAL WAS AUSPROBIEREN

Filed under: Uncategorized - word2go @ 2:18 pm

barcamp Cologne

So, an diesem Wochenende ist Barcamp in Nürnberg und ich gehe hin, ist ja quasi um die Ecke.

Wie? Was ist ein Barcamp?

Also ein Barcamp ist so etwas wie eine Konferenz, nur dass es eben genau das Gegenteil davon ist. Sozusagen eine Unkonferenz. Man muss dazu nämlich nicht eingeladen werden und auch keinen Eintritt löhnen. Im Gegenzug ist man allerdings dazu aufgefordert einen Beitrag zum Barcamp zu leisten, also entweder das Barcamp bewerben, einen Vortrag halten, ein Thema vorschlagen oder Sponsorfunktionen übernehmen. Es gibt also keine Zuschauer, sondern nur Teilnehmer.

Natürlich ist es nicht nur der Open Source Gedanke, der mich an diesem Barcamp reizt, sondern v.a. die Themen. Da gibt es Vorträge und Workshops zu Start-up Unternehmen, E-Marketing, Markenführung im Web2.0 oder viralem Marketing als Instrument für Start-up Unternehmen.

Aha, und warum hört man sich das als Betreiber eines Blogs an, das sich vorwiegend mit Politik und Umweltthemen auseinandersetzt?

Ihr ahnt es schon und ich werde Euch in Zukunft damit noch genug nerven. Ich bin gerade dabei, ein Unternehmen zu gründen (ja, deshalb auch die niedrige Postingfrequenz der letzten Wochen) und werde dabei bald "schamlos" auf Eure Unterstützung zählen. Ohne vorweg zu viel zu verraten, es geht um die Umsetzung einer ökologisch und sozial gerechten Idee, mit der ich meinen politikwissenschaftlichen Hintergrund nutzen und meine entwicklungspolitischen Vorstellungen verwirklichen will. Eine Utopie dieses Traums hatte ich vor einiger Zeit schon mal für Neda Svashtaras "Langweiliges Leben - Unglaubliche Geschichten"-Wettbewerb verfasst. Wer sich also mit so etwas "Idealistischem" identifizieren kann, sei schon mal vorgewarnt, bzw. angeregt.

Aber nun zurück zum Thema, das Barcamp verspricht eine wirklich interessante Sache zu werden und ein Besuch kann daher nur empfohlen werden. Da es vor Ort keine Übernachtungsmöglichkeit gibt - ausser natürlich im Hotel - stelle ich hier in Bamberg zwei Übernachtungsplätze zur Verfügung. Wer die nutzen möchte, melde sich bitte per email


December 10, 2006

DEUTSCHLAND UND DIE KORRUPTION

Filed under: Politisches - word2go @ 1:20 pm

Warum der freie Fall unseres schönes Staates in die bananenrepublikität auf Dauer gesichert ist, könnt Ihr hier schön bei Marcel nachlesen.

VIRAL MARKETING STATT DOSENPFAND

Filed under: Panorama - word2go @ 12:43 pm

Was würde Trittin wohl dazu sagen?

Die Originalwerbung gibt’s hier.

PS.: Falls mir Jemand erklären könnte, warum mein Blog sich weigert, youtube Videos einzubinden, wäre ich sehr dankbar.

December 7, 2006

STUDI-VZ

Filed under: Panorama - word2go @ 10:29 am

Ist mal endlich Schluss? Nichts gegen erhöhte Besucherzahlen durch Studi-VZ, aber nun nervt’s! Wir sitzen hier schliesslich nicht vor Gericht!

They’re out of order, you’re out of order, this whole courtroom is out of order!

Wer mir den Urheber dieses Zitats nennen kann, bekommt zu Weihnachten eine Flasche fränkischen Bock.

December 4, 2006

MITRA VS. BOMMELMÜTZE

Filed under: Panorama - word2go @ 8:11 am

 

Alle Jahre wieder kommen ein paar besserwisserische Zeitgenossen auf die tolle Idee, dem dummen Volk zu erklären, dass der Nikolaus nicht Weihnachtsmann und der Weihnachtsmann kein Heiliger ist. Hugo Chavez schafft es sogar, seinem Volk den Weihnachtsmann als Speerspitze des amerikanischen Imperialismus zu verkaufen. Kommerzsanta und seine besoffenen Rentiere seien schließlich von Coca Cola einzig und allein zu dem Zweck erfunden worden, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen.


weihnachtsmann



Um den mittlerweile über 1600 Jahre alten Volksheiligen ranken sich dagegen zahlreiche Legenden fernab von brauner Prickelbrause und lindter Zartbitterschokolade. Bei Hungersnot öffnete der Bischof von Myra die Kornkammern und bei Geldmangel das Talersäckel, angeblich um die Töchter eines Edelmannes davor zu bewahren, ihre Aussteuer im Freudenhaus verdienen zu müssen.


Nikolaus

Das ist doch mal schön katholisch. Onkel Niko öffnet seinen Sack um uns vor Sodom und Gomorrha zu bewahren. Deshalb fragt er also immer, ob wir schön brav waren. Oder befinden wir uns hier schon wieder in der "Goldesel scheiss Taler" Manufaktur? Einer frühen Form der elterlichen Konsumentenselbstverpflichtung gegenüber dem quäkenden Kinde?

Um die adventische Sinnesverwirrung zu vervollständigen, tritt nun auch Knecht Ruprecht auf den Plan, der Krampus oder Kramperl. Wer ist der Mann mit der Rute, der den Nikolaus begleitet und den jedes Kind fürchtet wie die Pest? Ganz katholischer Tradition könnte man sagen, na klar, das ist der Typ, der den Großinquisitor mimt, der Stellvertreter des Fegefeuers, der den Kleinen schon von Kindesbeinen an Ehrfurcht vor Gott einprügelt.

Weit gefehlt? Wieder eine kulturlose Marionette amerikanisch-industrieller Heuschreckenschwärme? Nicht diesmal. Auch der Kramperl hat eine Biographie. Und was für eine. Es begab sich an Heiligabend des Jahres 1021 im kleinen Örtchen Cölbigk bei Bernburg folgende Geschichte:

15 jugendliche Männer, heute würde man sagen Halbstarke, störten die Christvesper durch Tanzen und Singen. Dass sie soffen ist überliefert. Und dass sie poppten ist wohl gewiss. An welchem Pilz sie daraufhin wirklich starben, am Mutterkornpilz des Bieres oder am Vaginalpilz des Weibes ist einerlei. Entscheidend ist, dass der Dorfgeistliche Ruprecht sie vorher gebührend verfluchte und Gottes Strafe für das sündige Treiben herbeirief. Selbst die aus Hildesheim eiligst herbeigerufenen Bischöfe konnten nur wenige Männer durch die Erteilung der Absolution vor dem Tod im ewigen Fegefeuer bewahren.

Das genügte, um Ruprechts Ruf zu begründen und noch Jahre nach seinem Tod geisterte Ruprecht auf der Suche nach weiteren Opfern immer zu Weihnachten durch die Lande. Nur folgerichtig ist er seither mit Bischof Nikolaus im Duett unterwegs als Zweifaltigkeit des Bösen und Guten, des Harten und Milden, der Rache und Barmherzigkeit. Typisch katholisch eben und ganz nah an der Wurzel allen Übels, dem Sex. Und das ganze projeziert auf die Kinder. Unsere Kleinsten, den sexuellen Obsessionen des Katholizismus gnadenlos ausgeliefert. Das ist die wahre Nikolausgeschichte.

Wie großväterlich lieb mutet dagegen Santa an. Der gutmütig dicke Alte mit dem Rauschebart auf dessen Schoss ein Sitzplatz für wirklich jedes Kind frei ist. Das versprüht Liebe und Andacht, das heimelige Gefühl der Vorweihnachtszeit.

Deshalb mache ich zur Weihnachtszeit mal eine Pause von meiner Konsumkritik und sage:

Danke Coca Cola!

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