WENN WISSENSCHAFT KEIN WISSEN SCHAFFT
Kurz zusammengefasst, macht sich der Autor der Untersuchung darüber Gedanken, wie sich der private Konsum von Ökoprodukten auf die Verfügbarkeit des öffentlichen Gutes "Umweltschutz" auswirkt und kommt zu der interessanten These, dass sich ein vermehrter privater Konsum von Ökoprodukten unter Umständen negativ auf das Gut Umweltschutz, sowie die öffentliche Wohlfahrt auswirkt. Nämlich dann, wenn dieser gestiegene Konsum zur Verringerung des Spendenaufkommens, bzw. zu nicht-ökologischen Konsumentscheidungen bei anderen Produkten führt. Sprich: kauft der Konsument verstärkt teure Ökomöhrchen und kann sich deswegen die Bioseife nicht mehr leisten, greift er zur konventionellen Billigseife und trägt damit zur Verunreinigung der Gewässer bei. Dies beweist er durch eine Reihe mathematischer Berechnungen unter der Annahme vollkommener individueller Rationalität bei der Kaufentscheidung.
Die Berechnungen sind soweit korrekt, es sind Standardnutzenfunktionen und nicht weiter anfechtbar. Jedoch macht der Autor den methodischen Fehler, unbewusste Zusatzannahmen zu treffen, die in das Modell miteinfließen, die Realität nicht berücksichtigen und damit die Ergebnisse verfälschen. Drei Fehler sind dabei besonders auffällig:
1. eine sträfliche Vernachlässigung des Komplementärgütereffekts
2. die nicht erwähnte Zusatzannahme eines gleichmässigen Wachstums
3. die nicht erwähnte Zusatzannahme eines Nullsummenspiels
Unterstellt man nun rationales Konsumverhalten (klare Präferenzordnung, Ausschöpfung der Kaufkraft), ist bei diesen Zusatzannahmen eigentlich schon im Vorfeld klar, dass dem untersuchten Produktmarkt eine negative Wachstumsprognose gestellt wird. Ohne zusätzliche Komplementärguter (also diese Güter, die benötigt werden, um ein ökologisch verträgliches Produkt zu erzeugen, bzw. solche Güter, die typischerweise bei Genuss eines ökologischen Produktes mitkonsumiert werden) wäre es tatsächlich so, dass sich der "Kauf des ökologischen Produktes" und alternativ "die Spende für ein Ökoprojekt" bei der Erzeugung des öffentlichen Gutes "Umwelterhaltung" substituieren. Soll heißen: kauft der Kunde das Produkt, hat er kein Geld mehr für die Spende. Der Zugewinn an Umweltschutz wäre in diesem Fall also keiner.
Die Realität ist jedoch kein Nullsummenspiel, d.h. nicht jeder Konsument ist zum Startpunkt der Betrachtung gleichzeitig "Wollsockenträger" und "edler Spender", der sich für eine der beiden Optionen entscheiden muss. Beide Märkte können also unabhängig voneinander, sprich ungleichmässig wachsen. Woher der Autor die Annahme nimmt, dass beide Märkte aneinander gekoppelt sind, würde ich gerne wissen.
Selbst wenn die Märkte aneinander gekoppelt wären, bleibt der Komplementärgütereffekt. Dieser induziert ja Investitionen in die Produktion von sekundären, nachhaltigen Technologien, die bei einer reinen Spende nicht auftreten. D.h., selbst wenn der Kauf von Ökoprodukten dem Konsumenten das Geld nimmt, für Ökoprojekte zu spenden, hat der Kauf von Ökoprodukten eine höhere Wirkung auf den Schutz der Umwelt, als die Spende. Es entsteht ein Bruttozugewinn an Umweltschutz.
So sauber die Studie auch ansonsten gerechnet ist, die methodologischen Fehler lassen nur ein Urteil zu: ab damit in die Mülltonne und auf in den Biomarkt.















