Nur Gedanken

September 7, 2006

BAYERN MACHT SPASS

Filed under: Uncategorized - word2go @ 7:48 pm
 

Ja, der Polt hat schon recht! Es ist schon manchmal eine Bürde im Freistaat zu leben. Klar läuft hier generell alles besser als in den anderen Bundesländern, dafür aber auch eine ganze Ecke familiärer. Amigos lauern hinter jeder Häuserecke, von den "Ausgschamten" ganz zu schweigen. Von Passau bis Ulm, von Garmisch bis Coburg braucht man keine schwäbisch-badenwürttembergische Ellenbogenmentalität und auch keine rheinische Unrechtsempfindensresistenz. Geschäfte werden hier oft wie Drogendeals im Englischen Garten eingefädelt: "Pssscht, Spezl, i hätt do wos für di!". Funkmasten, Bohrköpfe, Landratsposten, Flurbereinigungen, Ausbaugenehmigungen, Gammelfleisch… Das Angebot auf dem Schwarzmarkt der gegenseitigen Nettigkeiten ist grenzenlos und das Funktionärssäckel stets gut gefüllt.

Gschaftlhuaber aller Orten, ein einziges schwarzes Loch! Wo sonst kann man schon gemütlich im Straßencafe sitzen und beobachten, wie der Verkehrspolizist einen weiten Bogen um den im absoluten Halteverbot geparkten Audi des örtlichen Baulöwen macht, weil er sonst um seinen Job fürchten müsste? Wo sonst wird man Verkehrsminister, obwohl man vorher im Suff ein Mädchen totgefahren hat? Wo sonst ist die öffentliche Diskussion um einen Donauausbau vorbei, nur weil die Chefredakteurin der Passauer Neuen Presse das so will?

Und wo sonst, ausser in Bayern, hätte der Gammelfleischskandal passieren können? Darüber hätten die bundespolitischen Liebhaber dezentraler Verwaltungsstrukturen vorher nachdenken müssen. Bayern = Texas! Ganz einfache Formel! In den hiesigen Landratsämtern ist man sich der Risiken eines konsequenten Verbraucherschutzes eben noch bewusst, daher werden hier erstmal Wirtschaftskraft, Steuerlast und Arbeitnehmerzahlen eines Unternehmens gemessen, bevor man das Kind mit dem Bade auskippt. Man stelle sich vor, welche Verluste der Landkreis hätte, falls der Kontrolleur es genau nimmt. Und man stelle sich erst die Einnahmen vor, die möglich gewesen wären, falls die verdorbenen Fleischberge auch die nächsten 15 Jahre nicht entdeckt worden wären. Da hält man die Kontrolleure dann doch lieber mal an, den Etiketten zu glauben und nicht gleich teure Sonden ins Fleisch zu stecken. Könnte ja der Wurm drin sein.

Der Wurm war dann ja auch drin in der Beziehung zwischen der Tochter des Mettener Fleischgrosshändlers und deren Lebensgefährten, der die letzten Monate schon mal vorsorglich Buch führte über die illegalen Aktivitäten seines Schwiegervaters in spe. Als es sich dann ausgeschwiegervatert in spe hatte, wurde das Auto des nun nicht mehr Schwiegersohns in spe zufällig aufgebrochen, wobei zufällig die belastenden Unterlagen entwendet und dann - noch viel zufälliger - von Pilzesammlern im Wald gefunden wurden. Wo wir dann doch wieder bei Polt wären. Mia brauch’ ma halt weder Demokratie noch Rechtsstaat, mia regeln des scho söiba, wenn ma uns gengseitig auf’n Sack gengan. Sonst warads ja koa Spass!

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