Nur Gedanken

September 2, 2006

DEATH OF A PRESIDENT

Filed under: Panorama - word2go @ 9:30 am

Ach, ich höre ihn schon widerhallen, den Aufschrei deutscher Jubelperser der amerikanischen Neokonservativen. Welch ein Fanal, welch eine Unverfrorenheit, welch eine Beleidigung…

Der amerikanische Präsident George W. Bush, hingestreckt von der Kugel eines fanatischen Attentäters, Auftakt zu einem zweistündigen fiktiven Dukodrama über die Folgen des Kriegs gegen den Terror. "Darf die Kunst denn das?", wird es durch den Blätterwald rauschen. "Darf sie natürlich nicht!", wird die okkulte Sekte der Wahrheitsschützer antworten. Auf deren Kampagnenplakate wird es Gabriel Range, Regisseur der Dokumentation, zumindest niemals als "Mutiger" schaffen. Höchstens als Mann, der zum Attentat auf den amerikanischen Präsidenten aufrief. Wen schert denn schon noch der vorher hochgehaltene Tucholsky, wenn das Ziel des "intellektuellen" Angriffs plötzlich nicht mehr die bösen Muslime, sondern der eigene Friedensfürst ist?!

„Tritt Ackermann nur ‘zurück’ wie Geßler durch - Tell? Schleyer, Ponto, Herrhausen warnen.“  Für diese Zeilen wurde vor zweieinhalb Jahren Rolf Hochhuth durch’s mediale Dorf getrieben. Auch damals verstanden die Kritiker die Warnung nicht. Doch genauso wie in "McKinsey kommt", Hochhuths theatralischer Abrechnung mit dem Wirtschaftskapitalismus, wird auch in "Death of a President" eine Thematik angesprochen, die weitaus bedeutender ist, als die Einzelpersonen Ackermann oder Bush: Verantwortlichkeit. Und eben nicht die individuelle, sondern die kollektive. Doch darüber wird sich wohl wieder kaum jemand Gedanken machen.

1 Comment »

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  1. “fiktiven Dukodrama” — Gibt’s das?

    Dokudramen sollten sich an die Fakten halten.

    Was in den USA aber völlig ignoriert, in Grossbritannien kritisert und in Deutschland (wegen der Synchronisation) nicht bemerkt wurde, ist, dass in dem hoch gelobten Dokudrama “United 93″ ein deutscher Passagier durch die Darstellung als feiger Appeaser, der den tapferen amerikanischen Helden bei der Erstürmung im Weg steht, verunglimpft wird. Christian Adams spielte keine grosse Rolle in dem Film, wurde aber für üble Stereopyisierung missbraucht.
    http://atlanticreview.org/archives/396-guide.html
    Das Pendant zu Anti-Amerikanismus.

    Comment by Atlantiker — September 12, 2006 @ 3:01 am

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