Nur Gedanken

September 2, 2006

BAISSE MOI - BEVOR ICH MICH VERGESSE

Filed under: Panorama, Rezensionen, Werbung - word2go @ 8:18 pm
 
Sie scheint in der französischen Seele tiefer verwurzelt als Wein und Baguette. Kein Motiv, welches die Cinématographen der Grand Nation so umtreibt, wie die Ménage a trois. Fleischeslüstern und zeigefreudig während der 70er, exzessiv pornographisch während der 80er, überraschend steril und bourgois während der 90er. Und nun die Sinnesexplosion. Vorbei die Zeiten der gebrechlich zierlichen Lolitas, denen die Männer im besten Alter reihenweise zu den pedikürten Füssen lagen und sich in bester Kavaliersmanier darauf einigten, dass die Kleine auch zwei väterliche Gönner besitzen dürfe.


Heute heisst die Muse Monica Bellucci. Ein Vollweib, deren Reize sich in solcher Üppigkeit vorfinden, dass sie sie in "Wie sehr liebst Du mich?" ruhig verschwenderisch über der Männerwelt vergießen darf. Ein Schlaraffenland für die, in den letzten Jahren durch bulimische Hungerhakenikonen leidgeprüften, Männeraugen. Dass sie als Protagonistin Daniela ausgerechnet eine Hure und nicht das verwöhnte Töchterchen aus reichem Hause verkörpert, ist dabei das möglicherweise unfreiwillige Programm des Dreieckskinospezialisten Bertrand Blier, weshalb der sonst so grossartige Gérard Depardieu auch leicht fehl am Platz wirkt. Einen alternden Bonvivant, der mit gourmandem Charme die gerade eben erst heranreifende Blüte einer Fünfzehnjährigen zu öffnen versteht, das nahm und nimmt man ihm noch immer ab. Den Zuhälter der selbstbewussten und mit allen Wassern gewaschenen Daniela (Bellucci) jedoch nicht. Vielleicht muss er sie aber auch genau aus diesem Grund mit dem unattraktiven Büroangestellten Francois (Bernard Campan) teilen, die Stärke der modernen Frau eingestehend. Ja, der Beschützerinstikt des Mannes gegenüber der Frau weicht in diesem Film der männlichen Kapitulation vor der Macht des Weiblichen. Der Mann beugt entgültig sein Haupt, er kriecht zu Kreuze wie ein bettelnder Hund.

So ganz will sich Blier dieser neuen Erkenntnis allerdings nicht hingeben und lässt den Film mit zunehmender Dauer immer tiefer in einer surreal überbelichteten Romantik versinken, welche die gehörnte Seele des Mannes zu streicheln scheint. Lieber teilen, als nicht teilhaben dürfen… Zumindest in dieser Hinsicht bleibt Blier, trotz der ragazza italiana, der moda vecchia des französischen Dreieckskinos treu. Und seien wir ehrlich…?!

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