Coca Cola übernimmt Führung im weltweiten Kampf für sichere und gute Arbeitsplätze!?
Nein,die Überschrift ist kein Witz, sondern eine Aussage des Kolumbienexperten der Konzernzentrale Pablo Largacha. Dieser zieht seit geraumer Zeit mit einem einzigen Ziel durch die Lande: Schadensbegrenzung. Nach anhaltenden Protesten wegen der mutmaßlichen Beteiligung des Konzerns an mindestens 24 Morden an kolumbianischen Gewerkschaftsvertretern, einem deswegen seit 2001 laufenden Prozess gegen das Unternehmen in Miami und Boykottaktionen mehrerer großer amerikanischer Universitäten steht der Konzern mit dem Rücken zur Wand. Nach Angaben von Johnny Haeusler, der vor zwei Wochen die Kola-Konferenz der UdK Berlin besuchte und dabei Zeit für ein interessantes Interview mit Pablo Largacha fand, erleidet Coca-Cola allein durch den Boykott der New York University Umsatzeinbußen in Millionenhöhe. Höchste Zeit also für den Konzern, am angeschlagenen Image zu polieren. Anders als seine Vorgänger räumt Largacha Fehler der Unternehmensführung ein und betont, dass Coca-Cola den generellen Hilfeschrei der Gewerkschaften und aller abhängig Beschäftigter in schwachen und zerfallenden Staaten verstanden habe. Man müsse aber auch die Probleme verstehen, die in solchen Staaten grundsätzlich vorhanden sind. In Kolumbien würden jährlich 25000 Menschen von Paramilitärs getötet, darunter wären in den letzten 20 Jahren allein 4000 Gewerkschaftler gewesen. Alle Firmen, nicht nur Coca-Cola, hätten demnach mit dem Problem zu kämpfen.
Zu viele Fragen bleiben offen und man möchte Coca-Cola nicht so wirklich glauben. Wenn Coca-Cola wirklich eine weisse Weste hat, warum
- kündigte der Leiter der Abfüllanlage Ariosto Mosquera nur zwei Tage vor der Ermordung von Isidro Gil auf dem Coca-Cola Betriebsgelände an, ihn von Paramilitärs ermorden zu lassen?
- ließ Mosquera die Paramilitärs überhaupt auf das Betriebsgelände?
- wurde Mosquera nicht zur Rechenschaft gezogen?
- steht der zuständige kolumbianische Generalstaatsanwalt auf der Gehaltsliste von Coca-Cola?
- werden noch immer Gewerkschaftler und Protestierende unter Mitwisserschaft Coca-Colas von Paramilitärs entführt und bedroht?
- ermittelt gerade im indischen Madras schon wieder der Staatsanwalt wegen Mordes am Gewerkschaftsführer V. Kamsan gegen einen Coca-Cola Abfüller?
- schickt Coca-Cola einen PR-Fachmann der Konzernzentrale gegen die Vorwürfe ins Rennen, wenn Coca-Cola angeblich nicht für die Taten ihrer Abfüller verantwortlich ist?
Die Imagekampagne wirkt aus diesen Gründen nicht nur aufgesetzt, sondern wie ein Spiel auf Zeit. Vor allem im Hinblick auf die Vorkommnisse in Indien scheint es ganz simpel die Strategie des Konzerns zu sein, weiterhin von Märkten mit unsicheren Arbeitsbedingungen zu profitieren. Die gezeigte Diskussionsbereitschaft ist nur das Ventil, das den Druck auf Coca-Cola ablassen soll, damit der Konzern nichts aber auch gar nichts an den Arbeitsbedingungen in seinen Abfüllanlagen ändern muss. Es ist Machiavelli pur: sei sparsam mit der clementia und tu Gutes nur dann, wenn es auch jeder sieht! Ein fauler Zauber, auf den man nicht hereinfallen sollte, selbst dann nicht, wenn man - wie Johnny Haeusler - Pablo Largacha "nicht für einen Lügner" hält.
Zum Schluss, wie üblich, die aktualisierte Liste aller deutschen Blogbeiträge, die sich mit den Menschenrechtsverletzungen des Coca-Cola Konzerns beschäftigen:
Glühweinjunkies
Werbeblogger
Wuschelswelt
Blogatelier
Ker0zene
Casting for Mad Max V
I tend to be
Münchner Antifa
Psychokid
Aus in der Vorrunde
Little Lucie
Ideologiekritik
Spreeblick
Spreeblick
Basic Thinking
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