SOLIDARITÄT MIT ISRAEL UND LIBANON
Erschreckend gering ist auch die Hilfsbereitschaft der sonst so spendefreudigen Deutschen. Lediglich 20 000 Euro konnte z.B. die deutsche Sektion des UN-Kinderhilfwerks UNICEF an Spendeneingängen in den letzten fünf Tagen verzeichnen. Ähnlich niedrige Zahlen vermelden das DRK, Caritas und die evangelische Diakonie Katastrophenhilfe.
Die Deutschen scheinen der Konflikte und des Spendens müde und geben nicht nur den Hilfsorganisationen ein Rätsel auf. Was ist passiert in den deutschen Köpfen, dass gerade jetzt, im Moment des Krieges, eine nachsichtige Milde mit dem sonst für seine Menschenrechtsverletzungen so arg gescholtenen israelischen Staat einkehrt? Wo bleibt die sonst so reflexartig vorgetragene Solidaritätsbekundung mit den unschuldigen Opfern? Eine kleine Presse- und Bloggerschau, geleitet von einem unbestimmbaren Gefühl, ist zwar kein wissenschaftlicher Beweis für einen nationalen Stimmungsumschwung, wohl aber ein Indiz, denn die Medien sind, obwohl sie langsam das Attribut der "Vierten Gewalt" verlieren, noch immer ein Multiplikator der sogenannten Volksmeinung. Hält man diese Presseschau, fällt auf, dass viele Artikel mittlerweile einen vorsichtigeren Umgang der Medien mit dem Thema Israel verraten. Ein Beispiel mit herausragender Bedeutung soll hier stellvertretend behandelt werden: Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung. Er leitet seinen Artikel "Auge um Auge, Zahn um Zahn" mit der Frage ein, wieviel Israelkritik in Deutschland eigentlich noch erlaubt sei und wirft der deutschen Linken vor, selbstgefällig die "desaströse" israelische Außenpolitik als "Ausfluss angeblicher jüdischer Charaktereigenschaften" zu verurteilen. Ein Ablenkungsmanöver zwar, denn im weiteren Verlauf hält er mit seinem Tadel für Israels Militäraktion nicht hinter dem Berg - aber dennoch: wenn sogar ein ausgewiesener und bekennender Israelkritiker einen, ansonsten äußerst barschen, Artikel über den Libanonkrieg mit einer ungewöhnlich vehementen Inschutznahme jüdischer Kultur beginnt, dann riecht das nach Selbstzensur. Eine Selbstzensur der man sich unterzieht, weil man Kritik fürchtet. Die zuallererst aber im eigenen Kopf beginnt, weil man zweifelt. Nicht nur an der eigenen Einstellung zu israelischer Politik, sondern auch an den Motiven für die eigene Friedensliebe.
Eine These liegt hier so nahe, wie sie gleichzeitig undenkbar ist: wir zweifeln, zögern und zaudern, weshalb letztendlich der Grund für unsere geringe Spendenbereitschaft in unserem plötzlichen Zweifel an der Universalität der Friedensidee verborgen liegt. Zum ersten Mal zweifelt sogar die Linke daran, dass der Schrecken des Krieges durch bloßes Vorleben der guten Sache gebannt werden kann. Zu eindeutig äussert sich das Völkerrecht zu Gunsten Israels, zu eindeutig liegt die Schuld für den Konflikt bei der Hisbollah, zu stark sind möglicherweise auch mittlerweile die Ressentiments der Deutschen gegenüber dem Islam. Das klare Bekenntnis der deutschen umma zu Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, das sich die deutsche Bevölkerung in der Zeit nach dem 11. September 2001 gewünscht hätte, blieb bislang aus. Statt dessen gab es ständige Kunde darüber, wie erfolgreich der militante Islamismus die muslimische Gemeinde in Deutschland und auch den deutschen Rechtsstaat bereits unterwandert hatte: der Kalif von Köln, auf arabisch gehaltene Hetztiraden in der Freitagsmoschee, das offene kokettieren türkischer Jugendlicher mit der Übervölkerungstheorie…
"Wieviel Westen wird in 20 bis 30 Jahren noch übrigbleiben?", fragen sich mittlerweile nicht mehr nur die Rechten. Eine Studie des PEW-Global-Attitude-Project belegt hierzu eine erschreckende Tendenz: Deutschland, Spanien, Frankreich und Großbritannien haben die USA in Sachen Islamskepsis, bzw. Islamfeindlichkeit längst überholt. So halten z.B. 70% der Deutschen einen gelebten islamischen Glauben für mit der Moderne unvereinbar. In den USA glauben das hingegen nur 40% (siehe Tafel 3). Es sieht fast so aus, als hätten die Neokonservativen ihren Kampf um die Köpfe ausgerechnet dort gewonnen, wo sie am meisten kritisiert wurden: in Europa. Verwunderlich ist das nicht unbedingt, denn immerhin genossen ihre falkenhaften Thesen diesseits des Atlantiks wesentlich mehr Aufmerksamkeit und wurden zudem ernster genommen als im Mutterland. In diesem Punkt sollte Jeder ernsthaft in sich hineinhorchen und sich ehrlich die Frage beantworten, ob jenseits der politischen Korrektheit, jenseits der Abneigung gegen Bush, Wolfowitz, Perle und Rumsfeld, und jenseits des ethischen Gewissens, dass man so nicht mit einer Religion umspringen, nicht alle Muslime über einen Kamm scheren dürfe, nicht doch ein gewisser Zweifel an der Friedfertigkeit des Islam nagte, eine gewisse Sympathie für die Idee der Demokratisierung des Nahen Ostens mitschwang, eine unbestimmte Angst vor dem islamischen Rechtsempfinden sich breit machte. Haben wir am Ende die letzten 5 Jahre unser Unbehagen gegenüber den negativen Aspekten des Islam nur verdrängt? Hinter der Fassade eines friedlichen, tugendhaften und verfassungspatriotischen Bürgers versteckt? Weil uns dieses Ideal lieber war als unsere tatsächliche Seelenlage?
Jeder muss sich diesen Fragen selbst stellen und seine Schlüsse aus ihnen ziehen. Es ist auf jeden Fall erfreulich, dass die Deutschen anscheinend, trotz aller berechtigter Kritik an seiner Außenpolitik, endlich das traumatisierende Dilemma des israelischen Staates erkannt haben - und sei es nur aus Angst davor, selbst bald israelische Verhältnisse zu bekommen. Weniger erfreulich wäre es jedoch, wenn die bisherige Verdrängung nun ins Gegenteil umschlagen würde. Eine umfassende Islamskepsis wäre weder gegenüber dem Gros der säkularisierten und moderaten Muslime fair, noch würde sie der Sache gerecht. In diesem Fall hätten die Extremisten und militanten Islamisten ihr schändliches Spiel gewonnen. Die Libanesen brauchen unsere Solidarität mindestens genauso dringend, wie die Israelis. Auch sie werden von der Hisbollah aufgerieben und für ihre Zwecke missbraucht. Haben wir denn heute schon wieder vergessen, wie wir noch vor einem Jahr mit feuchten Augen vor den Fernsehbildschirmen saßen und die Rückkehr des Libanon zu Freiheit und Demokratie feierten? Haben diese Menschen, egal ob Christen, Drusen oder Muslime, unsere Solidarität denn nicht verdient? Kann sich hier in Deutschland denn irgend jemand überhaupt vorstellen, wieviel mentale Stärke, wieviel objektiven Gerechtigkeitssinn und wieviel seelische Ausgeglichenheit es benötigt, sein Haus zerbombt, die Kinder tot vorzufinden und trotzdem Israel nicht zu verurteilen? Vor diesem Kraftakt, den die libanesische Bevölkerung nun schon seit drei Wochen vollbringt, müssten wir eigentlich alle kollektiv den Hut ziehen. Wie sehr müssen diese Menschen die neu gewonnene Freiheit lieben, dass sie nicht in Scharen zur Hisbollah laufen?
Sollte die humanitäre Mission der Hilfswerke im Libanon scheitern, weil wir unseren Geldbeutel nicht öffnen - sei es, weil wir keinen israelischen Krieg finanzieren wollen, sei es, weil wir unberechtigter Weise glauben, dass es den Muslimen dort unten schon recht geschehe - dann wären die Folgen fatal. Fast ein Drittel der libanesischen Bevölkerung ist auf der Flucht und mit jedem Tag ohne Wasser, ohne Nahrung und ohne Zuflucht wächst die Gefahr, dass sich die Libanesen den falschen Rettern zuwenden. Wollen wir das diesem Land antun?
Seien wir solidarisch mit Israel und Libanon! Lasst uns spenden! Lasst uns diesen Spendenaufruf verbreiten!

Diakonie Katastrophenhilfe: Konto 502 707, Postbank Stuttgart, BLZ 600 100 70, Stichwort "Naher Osten" oder online www.diakonie-katastrophenhilfe.de/naher-osten.
Caritas international: Konto 202, Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, BLZ 660 205 00, Stichwort "Naher Osten" oder online http://spende.caritas-international.de
DRK-Spendenkonto: Konto: 41 41 41, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00, Stichwort "Naher Osten oder online https://www.drk.de/spenden








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