Nur Gedanken

June 29, 2006

Warum die Killer Coke Kampagne ein Vorzeichen der Apokalypse ist

Filed under: Satirisches - word2go @ 10:27 am

Eigentlich wollte ich anlässlich meines lange überfälligen Comebacks in die Bloggosphäre ja einen eigenen Artikel zu Coca Cola, Gewerkschaften, Kolumbien und Indien schreiben, doch dann stieß ich auf ein unveröffentlichtes Manuskript des Autorenduos Knaxheimer und Kniersch (mit langem ieeeeee), die von vielen ja offensichtlich als die unerträglichsten Symbionten der Spezies "Zeilenhonorarnutten" betrachtet werden. Zwei, die gegen Bares für fast jeden Erdöl-, Biotech- oder Pharmamulti die Beine breit machen, um diesen Unternehmen - quasi als letzte Verteidigungsbastion gegen die drohende Machtergreifung der Ökolobbyisten - den Pinsel zu halten.  So der Volksmund…

Dabei haben die beiden, meiner Meinung nach, einen unnachahmlichen Schreibstil, gespickt mit Finesse und brachialer Logik, die ans Metaphysische grenzt. Niemand kann ein Argument der "Loony Left" so schön auseinandernehmen wie Knaxheimer und Kniersch. Vielleicht, weil sie in früherer Jugendzeit Mao als Bettlektüre genossen hatten? Vielleicht, weil sie rechtzeitig den Sprung ans rettende Ufer jenseits der reißenden Fluten schnöder materialistischer Dialektik geschafft haben? Ich weiss es nicht. Wahrscheinlich hat sich ihr Freundeskreis einfach nicht adequat zu ihrem geistigen Horizont entwickelt. Jedenfalls beweisen Knaxheimer und Kniersch in ihrem Pamphlet "Warum die Killer Coke Kampagne ein Vorzeichen der Apokalypse ist" wieder einmal, dass für guten Journalismus nicht Recherche, sondern geistige Schärfe gefragt ist. Schon Kant hatte ja bewiesen, dass man seinen Schreibtisch nicht verlassen muss, wenn man sowieso ganz genau weiss, was am anderen Ende der Welt passiert. Aber jetzt will ich besagten Artikel nicht länger vorenthalten. Here you got it, enjoy!

 

Warum die Killer Coke Kampagne ein Vorzeichen der Apokalypse ist
von Knaxheimer und Kniersch

Ich sehe es geradezu vor meinem geistigen Auge: gemütlich und selbstverliebt lehnt sich Vandana Shiva in ihrem goldenen, mit "Egoiste" gefülltem Jakuzi zurück, gönnt sich einen Schluck Champagner und genießt dabei die leichten, fein vibrierenden Zungenschläge ihres Lieblingsbangladeshi. Und ich spüre, wie sie ihren Triumph auskostet. Die fette Wachtel, die mit Umweltaktivismus mehr Geld verdient als Bill Gates mit seinen - übrigens vorzüglichen - Softwareprogrammen, hat es wieder einmal geschafft die gesamte Welt zu täuschen, die sich nun beängstigt um die Wasservorräte in Kerala sorgt und Coca Cola, die amerikanischste unter allen global vertriebenen braunen Brausen, mißtrauisch beäugt. Dem Himmel sei Dank ermöglicht gerade die Fußballweltmeisterschaft dem Konzern mittels eines fröhlichen Liedchens seine Schokoladenseite zu zeigen. Was sonst los wäre in diesem Land des Minderheitenschutzes und der Lehnstuhlsozialisten möchte ich mir gar nicht erst vorstellen. Eine Katastrophe für die globale Marktwirtschaft. Benutzen Sie nur einmal kurz Ihren klaren Verstand und Ihre Phantasie, um sich der Folgen bewusst zu werden, die es hätte, wenn plötzlich Millionen Landinder von Großkonzernen wie Coca Cola einen gleichberechtigten Zugang zu indischem Grundwasser fordern würden. Richtig! Verdorrte Böden, ausgeschöpfte Quellen, Hungersnöte… Es ist keine Binsenweisheit, dass die Almende als historische Form der Agrarökonomie schlichtweg versagt hat. Doch solange skrupel- und gewissenlose Lobbyisten wie Vandana Shiva unserem heilbringenden Modernisierungsparadigma die Macht der ungebildeten Massen entgegenschleudern, solange wird die verträumte Linke hierzulande nicht merken, dass Hydromisswirtschaft in Kerala auch unmittelbare Folgen auf den Coca Cola Konsum in Europa hätte. Es ist daher nur recht und billig, dass Coca Cola zu notwendigen Täuschungsmanövern greift und Inspektionen auf dem Werksgelände untersagt, um eine Erschöpfung der Ressourcen zu vermeiden und damit Millionen indischer Kinder zu retten. Die "noble Lüge"… nirgends ist sie so notwendig wie hier.

Ein weiteres, gerne gebrauchtes Argument von Vandana Shiva ist die angebliche Verschmutzung des Trinkwassers durch Coca Cola. Sie tut dabei ja gerade so als hätten die Inder vorher über Jahrtausende nichts anderes getrunken als reinstes Evian. Neueste Studien aus Harvard, Berkley und anderen Forschungsinstituten belegen jedoch hieb- und stichfest, dass Schmutz positive Auswirkungen auf das Immunsystem hat. Nein, solche Wahrheiten gehören natürlich nicht zum Repertoire der Fortschrittsphobiker. Sie schreien lieber "Coca Cola und Monsanto raus" und phantasieren über die negativen Folgen von Genfood auf die menschliche Gesundheit. Dabei nähmen sie billigend in Kauf, wenn in der Dritten Welt Milliarden Säuglinge an Allergien zu Grunde gingen. Allergien, die durch eine zu sterile Bewirtschaftung zustande kämen.

Die größte Gefahr für das Image aller globalen Marken geht im Fall von Coca Cola diesmal ausnahmsweise nicht von Vandana Shiva aus, sondern von der kolumbianischen Gewerkschaftsorganisation Sinaltrainal, die Coca Cola allen Ernstes beschuldigt, unliebsame Gewerkschaftsmitglieder von Paramilitärs exekutieren zu lassen. Ich frage: wie sollen fürsorgliche Großkonzerne wie Coca Cola oder Nestlé solch unterentwickelten Ländern denn noch auf die Beine helfen, wenn das der Dank dafür ist? Die Anschuldigungen sind aus der Luft gegriffen und durch nichts zu belegen. Kolumbien ist ja eigentlich so etwas wie eine gesetzesbefreite Zone. Da bringt Jeder Jeden um! Das sollte jedem vernünftig denkenden Menschen sofort einleuchten.

Aber nein, das von den intellektuellen Tagträumern Russell und Sarte gegründete "permanente Tribunal der Völker" ist sich mal wieder nicht zu Schade sofort über Coca Cola und Nestlé Gericht zu sitzen und sie auch noch schuldig zu befinden. Ein Käfig voller linker Narren, die komplexe Kausalitäten ausmachen wollen?! Was haben wir gelacht!! Und dass die liberalen Hosenscheißerchen in Harvard Coca Cola gleich von der Getränkekarte gestrichen haben war ja sowieso klar, um die sorgen wir uns gar nicht. Kopfzerbrechen bereiten viel eher die Folgen solcher linker Propaganda-Aktionen. Nicht, dass dadurch Investoren abgeschreckt würden. Die haben längst gelernt, sich in semi-anarchischen Staatsgebilden zurechtzufinden. Nein viel eher machen wir uns Sorgen um die Gemütsverfassung des gemeinen europäischen Volkes. Es ist doch immer die gleiche Abfolge: einer posaunt, es folgt ein allgemeiner Aufschrei, ein paar vereinzelte Flugblättchen flattern durch’s Foyer der Münchner Uni, dann wird es wieder still und alle sonnen sich in der Zufriedenheit mal wieder etwas getan zu haben. Das war bei Vietnam so, beim Robbenschlachten, in Wackersdorf, bei Shell… Heute führen wir noch immer Kriege, tragen noch immer Pelze, beziehen billigen Atomstrom aus Tschechien und glauben Shell ganz vorbehaltlos, dass unser Staat ein echt mieser Abzocker und der alleinige Schuldige am hohen Benzinpreis ist. Wie schön wäre es doch, wenn die Linken endlich mal den Kopf zumachen und uns verantwortungsvolle Menschen unseren Job machen lassen würden, anstatt den Rest der Nation in der Illusion der Selbstbestimmung zu wiegen.

Und hier haben wir die Gefahr der von Sinaltrainal losgetretenen Killer Coke Kampagne schwarz auf weiss: kritisches Denken macht faul! Nicht den Denker, sondern das Volk für das gedacht wird. Es wird unfähig, das gute vom Bösen zu unterscheiden, lethargisch und gesinnungskonservativ. Schmeißt sich in die pazifistische Waagschale wenn Virtu, brüllt nach Veränderung wenn Besonnenheit gefragt wäre. Nichts als das prinzipienlose Prinzip der Existenz ist ihnen mehr heilig und die Polis versinkt im fadenscheinigen Glanze des Weltbürgertums - doch Gott vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.
 

Update

Deutsche Blogs, die sich mit dem Thema Killer Coke beschäftigen:

 
Weltregierung
Konsumblog
Hokeys Blog
Dominiks Weblog
Wunderblume
istZiemlich
5V3N.5P4C3
Schwarzfahrer
Willkommen am GPunkt 
Spiikey’s Space 
Meine Nachrichten
Honc-Blog
Room for Thoughts
Fashion Victim’s Paradise

 

16 Comments »

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  1. “Ich frage: wie sollen fürsorgliche Großkonzerne wie Coca Cola oder Nestlé solch unterentwickelten Ländern denn noch auf die Beine helfen, wenn das der Dank dafür ist?”

    Auch wenn es eigentlich nicht zum Lachen ist aber das hat mich doch dann wirklich zum Lachen gebracht. Und die beiden Jungs meinen ernst was die von sich geben. Nicht zu fassen.

    Welcome back, :-) somlu

    Comment by somlu — June 29, 2006 @ 4:14 pm

  2. Böse Coca Cola-Kritiker und fürsorgliche Großkonzerne

    Jochen von word2go bloggt wieder und zitiert einen Text namens “Warum die Killer Coke Kampagne ein Vorzeichen der Apokalypse ist”. Das Autorenduo Knaxheimer und Kniersch springt in die Bresche für “fürsorgliche Großkonz…

    Trackback by Konsumblog.de — June 29, 2006 @ 4:15 pm

  3. Wie hast Du den Text eigentlich entdeckt?

    Comment by ralph — June 29, 2006 @ 4:16 pm

  4. … und ich dachte Du wolltest ‘ne Satire schreiben. Es ist schon so wie Somlu schreibt: “… die beiden Jungs meinen ernst was die von sich geben. Nicht zu fassen.” Die beiden Clowns machen mir keine Sorge, Sorge bereitet mir, dass Du fast überall auf die gleichen platten Scheinargumente trifft, es sind letztendlich eine Handvoll “Weisheiten” die permanent wiederholt werden - Ich bin zumindest in den letzten Wochen bei meinen Recherchen immer wieder auf den gleichen Mist gestoßen. Tauchen dann teilweise in Anfragen an die Bundesregierung wieder auf (2003 FDP, Basis der Anfrage: ISAAA). Melde mich wieder - muss noch etwas “entschleunigen” und nochmals vielen dank für Deinen Artikel und Dein Comeback.

    Comment by balou — June 29, 2006 @ 4:49 pm

  5. Jungs!!!!!!!

    DAS IST DIE SATIRE!! DER TEXT IST VON MIR. ICH HAB NUR ALLE M&M ARGUMENTE “LEICHT” ÜBERSPITZT WIDERGEGEBEN.

    Comment by Jochen — June 29, 2006 @ 5:01 pm

  6. Huhu - jochen, das war ein Gag. kein guter,ok, aber ich glaube das haben alle gerafft! Ciao

    Comment by balou — June 29, 2006 @ 5:44 pm

  7. Himmel, kaum schreib ich mal wieder was, schon blamier’ ich mich.

    Comment by word2go — June 29, 2006 @ 8:12 pm

  8. *räusper* “jungs und mädels” wenn ich darum bitten darf ;-)

    Comment by somlu — June 29, 2006 @ 10:03 pm

  9. Somlu, dich hatte ich doch nicht gemeint. Eigentlich hat mich Ralph mit seiner Nachfrage irritiert. Hätte ich mal besser gleich seinen Artikel zum Trackback gelesen, dann hätte ich gewusst, dass es ein Witz war. Ich hatte echt einen ganz kurzen Paranoiaanfall, dass morgen eine Abmahnung im Briefkasten liegt und, vor dem Hintergrund der gegen minus Unendlich gehenden Qualität auf der “Achse des Guten”, plötzlich Zweifel, ob ich wirklich überspitzt genug geschrieben habe oder ob M&M nicht tatsächlich ein solche Polemik zuzutrauen wäre. Mea Culpa.

    Comment by word2go — June 30, 2006 @ 6:05 am

  10. Moinsen.

    Schöner Text!

    Den werd ich mal verbreiten.

    ( wg Link - müssen Sie mir sagen wie sie als
    Link heissen :-) …sonst kann ich das nich.
    Check Technorati! )

    - Grussregierung.

    Comment by Weltregierung — June 30, 2006 @ 7:26 am

  11. Verehrte Weltregierung,
    ja, das kommt davon wenn man in seiner Blogroll so phantasievolle Namen erfindet, wie Sie das tun. Meines Wissens nach war ich bei Ihnen unter dem schönen Namen “WortFastFood” verzeichnet.

    Comment by word2go — June 30, 2006 @ 8:23 am

  12. na denn, werd ich das finden, gelle.

    - Linkregierung.

    Comment by Weltregierung — June 30, 2006 @ 8:49 am

  13. Für die Behauptung der “neuesten wissenschaftlichen Forschungen” hätte ich doch gerne mal die Originalarbeiten als Quelle. Dieses Thema ist unter Immunologen ausgesprochen umstritten.

    Comment by Chris — June 30, 2006 @ 11:41 am

  14. @ Chris:
    Wie? Du wagst die wissenschaftlichen Quellen von M&M anzuzweifeln? Da pass’ aber mal auf, dass Dir die Glaubenskongregation der Intelligent Design Jünger nicht auf den Pelz rückt:)

    Comment by word2go — June 30, 2006 @ 1:01 pm

  15. Phonologie und Phonetik zum Trotze: Leidenschaft, schaff neue Lieder!

    Foto: Der kleine Garten Tja, da muß man erst mal rüberkommen. Das 1:1 war schon saucool. Tja, da muß man erst mal durchkommen. Lehmann hat schon die Qualität einer liebevoll gehegten Hecke wie jener dort oben auf dem Bild….

    Trackback by Du Bist Weltmeister — July 1, 2006 @ 7:56 am

  16. Phonologie und Phonetik zum Trotze: Leidenschaft, schaff neue Lieder!

    Foto: Der kleine Garten Tja, da muß man erst mal rüberkommen. Das 1:1 war schon saucool. Tja, da muß man erst mal durchkommen. Lehmann hat schon die Qualität einer liebevoll gehegten Hecke wie jener dort oben auf dem Bild….

    Trackback by Metalust & Subdiskurse — July 1, 2006 @ 7:58 am

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