Tag 3 (3)
Tief saugte ich die eiskalte Januarluft in mich hinein. Sie stank nach Abgasen, Fäulnis und Dreck. Und das im Winter. Die Vorstädte von Paris waren wirklich nicht das, was man unter gehobener Wohngegend verstand. Trotzdem verspürte ich Lust auf eine Zigarette. War ich etwa Raucher? Ich blickte mich um. Hinter mir, direkt neben dem Libanesen stand ein Kiosk. Einen Versuch war es wert. Ich ging hinüber, kaufte mir ein Päckchen Gitanes und Streichhölzer. Schon nach dem ersten Zug war klar: ich bin Raucher. Leidenschaftlich. Während ich die Zigarette Zug um Zug genoß, überlegte ich, was ich als nächstes machen sollte. Zurück in die Wohnung? Danach war mir nicht. Ein zu großes Verlangen, meine Umgebung zu erkunden machte sich bemerkbar. Was hätte ich dort oben auch tun sollen? Nach meiner Vergangenheit forschen? Nein. Zuerst wollte ich ein paar Schritte tun, den Kopf frei bekommen. Ich zog den Kragen meines Mantels höher und machte mich auf den Weg, die Rue de Calais hinunter. Die Gegend war trist. Nachdem ich die großen Wohnblocks hinter mir gelassen hatte, folgten Stahl- und Betonbauten im typischen 70er Jahre Stil. Auf einem Schulhof tobten rechter Hand einige Kinder. Sie hatten wohl gerade Mittagspause. Ich blieb stehen und blickte schmerzlich durch den Maschendraht. Hatte ich auch Kinder? Eine Frau? Ein dunkelhäutiges, etwa 14-15 jähriges Mädchen schlich mit ihrem Freund um den Geräteschuppen hinter dem Basketballfeld und ließ sich von ihm verstohlen eine Kippe anzünden. Mit vertrauter Heimlichkeit pressten sie sich an die Wand des Schuppens. Wehmütig sah ich den beiden zu und bemerkte deshalb die Gestalt, die von der Seite auf mich zutrat, zuerst gar nicht. "Monsieur Wunderlich!"
Ich schrak zusammen. Neben mir stand der Mann vom Geheimdienst, der Ahmed und mich die ganze Zeit beobachtet hatte.
"Monsieur, wir müssen reden!" In meinem Nacken bildete sich eine leichte Gänsehaut. Ich spürte, wie sich die Haare unter dem Mantelkragen aufstellten und sich gegen den Filz stemmten.
"Was kann ich für Sie tun", fragte ich übertrieben höflich, darauf bedacht, mir meine Nervosität nicht anmerken zu lassen.
"Interessant, dass Sie gerade das fragen, Monsieur", antwortete der Unbekannte, "Sie können in der Tat eine Menge für uns tun. Gehen wir ein Stückchen?"















