Embedded Google
"Die Pressefreiheit […] meint es den Königen so gut, als dem Publikum. Den ersteren, indem sie ihnen die Bemühung erleichtert, die Gerechtigkeit zu verwalten: dem zweiten, indem sie einen wohlfeilen, immer offenen und strengen Gerichtsstuhl etabliert hat. […] Dieses furchtbare Tribunal - unbestechlicher als das Höllengericht und die Hermandad […] wacht über die Rechte der Menschen, nimmt den Armen, den Hilflosen […] in Schutz. […] Sie ists, welche es auf sich nimmt, das schönste Amt der Sterblichen, die Gerechtigkeit über das Verbrechen verletzter Menschheit zu verwalten. Weit und sicher trifft ihr Arm."
Hätte Wilhelm Ludwig Wekhrlin im Jahr 1791 bereits über die zukünftige Macht der Medien gewusst, sein Lob der Pressefreiheit wäre wohl weniger euphorisch ausgefallen. Geradezu ohnmächtig müssen wir heute den Verfall der einst so nützlichen Vierten Gewalt mitansehen. Riesige Medienkonglomerate entscheiden über Formate und monopolisieren die öffentliche Meinung anhand von Quote, Auflage und Aktienkurs. Da ist die Entscheidung von Google - des einstigen Wunderportals, Garant des freien Informationsflusses - einen der obersten Werte der westlichen Zivilisation, ja wahrscheinlich den einzigen Grund warum wir uns heute "frei" schimpfen dürfen, dem eigenen Unternehmenswachstum zu opfern, nur konsequent.
Sicher, das milliardenstarke China ist für eine Suchmaschine ein Markt erster Klasse. Aber sind die Chinesen deshalb Menschen zweiter Klasse? Berechtigt das ein Unternehmen, Suchanfragen so zu manipulieren, dass der Nutzer zwar weltweit Käse, Pasta, Autos und, wenn er will, U-Boote bestellen, aber keine Informationen mehr erhalten kann? Wie lassen sich eigentlich Googles Unternehmensphilosophie und die Kooperation mit einem Unrechtsregime vereinen, für das Informationsfreiheit einem überdimensionalen Schierlingsbecher gleichkommt?
Als Global Player hat sich Google für das "Ruling by Pooling" entschieden, bietet also einen, der chinesischen Regierung genehmen, Informationspool an und ist damit der Konkurrenz um eine Nasenlänge vorraus. Wer aufmupft fliegt raus, lässt Quote und verliert Geld. Da ist es doch viel lukrativer, unkritisch zu sein.


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