Nur Gedanken

November 24, 2005

Adolf makes the Bloggs go round

Filed under: Panorama - word2go @ 9:00 am
Die unsägliche Du bist Deutschland Kampagne ist um eine Facette reicher und Oliver Voss von der Werbeagentur Jung von Matt um einen Titel ärmer. Er ist nicht mehr Vater des Slogans "Du bist Deutschland". Den Titel darf er höchstwahrscheinlich an das goebbel’sche Propagandaministerium abgeben.



Das hübsche Bildchen wurde anfangs vermutlich über email verteilt, bevor es Jack D. Ripper in einem Forum entdeckte und der Blogosphäre unter dem Titel Du bist Deutschland - Das Original zu Teil werden ließ.

Das Original verbreitete sich, wie der Bembelkandidat mittels einer langen Linkliste nachweist, wie ein Lauffeuer durch die deutsche Bloggerszene und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Old Media auf den Zug aufspringen. Mittlerweile wurde auch die Echtheit der Fotografie bestätigt, sie ist auf Seite 105 des vom Stadtarchiv Ludwigshafen aufgelegten und 1999 in Weinheim erschienen Bandes "Ludwigshafen. Ein Jahrhundert in Bildern" zu sehen.

Über normative Implikationen des Fundes will ich mich hier nicht auslassen, ich bin viel mehr gespannt auf die kommenden Diskussionen. Vielleicht nur so viel:

Egal ob man den Begriff Nation als Ganzes bestimmend für die Summe seiner Teile sieht, oder ob man die Individuen als konstitutiv für die Nation auffasst. Die Gefahr am Spiel mit Nationalismus und Patriotismus ist immer, dass bei solch normativ aufgeladenen Begriffen das Ganze immer mehr ist als die Summe seiner Teile.

Update: Interessante Links zum Thema:

Tübinger Literaturcafé Zatopek stellt Strafanzeige gegen "Du bist Deutschland"

November 22, 2005

Sex sells… the Singaporean way

Filed under: Panorama, Singapur - word2go @ 8:57 am

 
Treue Leser sollten es wissen, aufmerksame Leser vielleicht aus der Gestaltung des Headers schließen:

I spent a considerable part of my studies in Singapore.



Eine Stadt, die mit wenigen Worten kaum zu beschreiben ist. Sicherlich, man könnte es sich einfach machen und das totalitäre Gebilde am Sack der malaisischen Peninsula einfach als entartetes Monster obrigkeitshöriger asiatischer Moderne abtun. Eine Stadt voller karrieregeiler Arbeitsameisen, die sich, mittels Lexus und Sennheizer Wohnambienttechnik, vom Einheitsbrei der PAP bestechen lassen und den lieben langen Tag nichts anderes tun, als Geld scheffeln. Aber da täte man dem geselligen Völkchen, das sich jenseits von Lee Kuan Yew, Sitzwärmer Goh Chok Tong, Lee Hsien Loong & Co. entwicklt hat unrecht.

Ja, sie haben manchmal etwas abstruse Argumentationsgänge, mit denen sie uns bespielsweise näherbringen, warum Kaugummis in Singapur verboten sind (mittlerweile darf übrigens wieder legal gekaut werden), das Grundmuster bleibt hier stets dasselbe: Chinesen, Malayen und Inder sind grundsätzlich schmutzig und kriminell, pissen in Aufzüge, scheißen im Stehen, ballern sich mit Feuerwerkskörpern die Augen aus dem Kopf und setzen sich eben mit Vorliebe in vorgekaute Chewinggums. Weil das alles furchtbar ist, gibt es drakonische Strafen und der Erfolg gibt der Regierung recht. Der Zweck heiligt die Mittel und ich wundere mich dann, warum ich um drei Uhr nachts einsam durch verlassene Straßen bummeln kann und mich kein bißchen unsicher fühlen muss. Solange ich nicht in Anlehnung an ein parkendes Auto meinen Rausch ausschlafe - das gäbe nämlich eine Nacht Sicherungsverwahrung in der mich der Staat davor "beschützt" (sic!), entsprechenden Lexus zu klauen - brauche ich mich beim Rausch ausschlafen auch nicht davor zu fürchten, in einen Kaugummi zu fallen.

Und Rausch ausschlafen, das kam im "Staat 1984" relativ häufig vor. Anfangs aus Frust über die gleichgeschalteten Studenten, dann aus Lebenslust an der Fülle an Eindrücken und Warmherzigkeit, die mir von den nicht verbalneurotisch geschulten, Nichtstudenten entgegenströmte. Singapur ist ein Moloch an Attraktivität, sobald man die Augen öffnet. Der Untergrund brodelt heiß, vom sozialkritischen Travestieschuppen bis zum verbotenerweise erst ab drei Uhr nachts geöffneten Whoha-Club, wo schon einmal ein PAP-Abgeordneter inkognito die Gitarre zur Begleitung einer volltrunkenen 17-jährigen Göre schwingt, die ihre ganz eigene Version eines Cindy Lauper Hits ins Mikro rotzt.

Einen Beweis für den langsamen Ausbruch Singapurs aus verkrusteten Strukturen liefert der Spiegel in einem schönen Artikel über die erste Sexmesse auf dem geheiligten Boden Temaseks.

November 16, 2005

Elizabethtown

Filed under: Rezensionen, Werbung - word2go @ 9:34 am


(Danke an den Grinch für die Erregung meiner Aufmerksamkeit)



Man betrachte das Filmplakat genau. Passt hier irgendetwas nicht zusammen? Schuhe sind nicht nur der milliardenschwer verlustige Aufhänger für diese wundervolle Parabel aus der Feder von Cameron Crowe, sondern auch der rote Faden. Wer möchte sich schon in Designerschuhen dem Gott des Erfolges opfern, wenn er barfuß und verliebt über den zweitgrößten Bauernmarkt der USA laufen kann?

Bis zu dieser Erkenntnis muss der selbstmordgefährdete Sportschuhdesigner Drew Baylor (Orlando Bloom) jedoch einen weiten Weg gehen. Just bevor ihn seine selbstgebastelte Sepukumaschine ins Reich der ewigen Träume zu befördern verspricht, erfährt er vom Tod seines Vaters und sieht sich unverhofft neben der gesprächigen Stewardess Claire (Kirsten Dunst) im Flugzeug nach Elizabethtown sitzen, um die sterblichen Überreste des Vaters nach Hause zu holen.

Mehr wird nicht verraten, ausser dass es zu Drews Selbstfindung noch ein ganze Menge Disharmonien braucht, die sich zum Ende des Films zu einem prachtvollen Mollakkord zusammenfügen. Moll deswegen, weil es die Momente sind, die diesen Film prägen, nicht die Handlung. Der Kinobesucher wird aufgeladen mit Kleinigkeiten, den kurzen, winzigen, schwangeren, melancholischen Momenten, die das Leben sind. Es ist erstaunlich wie befreiend Moll sein kann.

Cameron Crowe hat mit Elizabethtown, nach Singles und Almost Famous, ein Kleinod geschaffen, das den vollkommen überzeichneten und unglaubwürdigen Ausrutscher Vanilla Sky vergessen macht. Orlando Blooms verletzliche wie unnahbare Darstellung des Drew Baylor und Kirsten Dunsts unaufgeregte Hippeligkeit stehen zwar im Mittelpunkt der Geschichte und sie spielen ihre Rolle großartig. Doch die Nebendarsteller verkörpern die Seele des Films, eben jene Kleinigkeiten, die sich langsam von der Randerscheinung zur Unverzichtbarkeit emporarbeiten: Jed Rees als wochenlang Polterabend feiernder Bräutigam, Tim Devitt als verschmitzt grinsende Leiche, Susan Sarandon als aufblühende Witwe und nicht zuletzt Paul Schneider als ungebrochen hinterwäldlerischer Möchtegern-Rocktitan, der "seinen" großen Moment beim legendären Abgang von Mitch Baylor bekommt.

Über Filmmusik muss man bei Cameron Crow sowieso kein Wort verlieren. Einfach nur kaufen, zurücklehen und sich an jeden einzelnen Moment erinnern. Traumhaft!

November 12, 2005

Happy Birthday Neil Young

Filed under: Musikalisches - word2go @ 12:01 pm
 
Song for Neil

Toronto/Ontario, Winnipeg/Manitoba to L.A.,
Rockin’ in the Free World that passed away a September’s day.

Singin’ ’bout the Southern Man, who doesn’t need you anyhow,
Since a joke by Lynnard Skynard choked on Dixie pride.

Sometimes a Heart of Gold is not enough for a change of mind,
Everybody knows, this is nowhere of a kind.

Yet bringin’ in the Harvest for a youth that Comes a Time,
Out of the Blue into the Black, you gave them words to fight back.

There are still some more real cowboys, left out on these hills,
and the fire hits the iron one more time.

Neil, the world’s a place at your command,
and we’re happy, if you still stay for a while,
There are so many things that can be done, but for the rest,
we still need Crosby, Stills, Nash and Young.

My my, hey hey, hey hey, my my,
My my, hey hey, hey hey, my my,
My my, hey hey, hey hey, my my,
My my, hey hey, hey hey, my my

Long may you run, long may you fight,
strong Like a Hurricane, dancing on the light,

Sometimes a Heart of Gold is good enough for a change of mind,
Everybody knows you are one of a kind.

mp3: word2go - Song for Neil

November 11, 2005

Wir sind hier nicht in Seattle Dirk!

Filed under: Musikalisches - word2go @ 11:57 am

 
Ach ja, das waren Zeiten… Die Haare lang, das holzfällerstinkende Baumwollshirt offen, die Schnürsenkel pommesbunt und der Jolly immer griffbereit.

Kyra Sedgwick und Campbell Scott waren das Traumpaar des Jahrtausends und gerade mal gar nicht in Deiner Gegend…

Lollapalooza war noch kein Kommerz und Pepsi Sziget noch gar nicht erfunden…

und Eddie Vedder, Du Gott…

ach Gott, I’m still alive.

News Subjekte

Filed under: Panorama - word2go @ 11:53 am
 
Thumbs up for Jordan! Nachahmungswürdig.
 
Muss das wirklich sein? Für wie doof halten uns unsere Politiker eigentlich? Anscheinend sind wir wirklich so dumm zu glauben, dass es sich für die Hälfte der jährlichen Zinszahlungen des Bundes (70 Mrd.) lohnt, Konsum und Investition gegen die Wand zu fahren. Chapeau wir Idioten!
 
Falun Gong gegen "Jubelchinesen" und zwei Demokratiegegner mittendrin? So etwas gibt’s nur in Berlin.
Ein paar Österreicher machen heute meinen Tag und ich schenke mir ruhigen Gewissens noch ein Kännchen ein.

November 6, 2005

Les enfants oubliés des banlieues

Filed under: Politisches, Panorama - word2go @ 11:59 am

 

Ein Kind, das in den Brunnen gefallen ist, ist in erster Linie erst einmal nass. So schnoddrig Daniel Cohn-Bendits Analyse, so traurig. Stumm und taub stellte sich der französische Staat. Die Vorstädte hungern? Sollen sie doch Kuchen fressen!



Mathematisch, planologisch, epistemologisch… Die Grand Nation hat auf ganzer Linie versagt und muss es sich nun vom Spiegel vorrechnen lassen. 30 Polizeiwägen pro Tag sind dieses Jahr im Schnitt bereits abgefackelt worden. Und das, bevor die neuesten Unruhen ausgelöst wurden. Reaktion? Gleich Null!

Es brennt! In den Vorstädten, … in den Köpfen. "La Racaille", den Abschaum, nennt die rechtslastige Journalistin Gudrun Eussner jenen Mob meist nordafrikanischer Einwanderer, der sich illegal in Frankreich aufhält, in Cachan, Clichy-sous-Bois oder La Courneuve Häuser besetzt und nun an vorderster Front die Intifada gegen den französischen Staat anführt. Damit macht sie sich nicht einmal verdächtig, denn La Racaille nennen sie sich auch selbst, Sprechgesang inklusive.

Intifada - wäre es nicht so traurig, man müsste eigentlich darüber lachen, dass es ausgerechnet Michael Wolffsohn ist, der, neben Gudrun Eussner, diesen Begriff in Bezug auf die Pariser Vorstadtkrawalle in die Medienlandschaft trägt. Der Vorzeigejude der deutschen Rechtsradikalen tritt mal wieder kräftig zu… und trifft. Und zwar genau den Nerv einer neuen deutschen Rechten, die sich noch etwas diffus als pro-amerikanisch, pro-israelisch, pro-Bush, anti-sozial aber auf jeden Fall antiislamistisch definiert und dabei erahnen lässt, dass das Gefahrenpotential, das sich tatsächlich hinter dem neuen Feindbild der Linken, dem Neokonservatismus, verbirgt, vor allem in der drohenden Rückkehr zu einem reaktionären, erzrepublikanisch-rassistischen Wertedogmatismus liegt, die dem ursprünglich außenpolitisch-szientistisch orientierten Neokonservatismus genauso fern liegt, wie die christlich-abendländische Koalition, die sich langsam gegen den Islam bildet. Der Neokonservatismus ist angetreten, um den Kampf der Kulturen zu verhindern, nicht ihn zu führen. Aber es ist nun einmal das Schicksal jeglicher Ideologie, in den falschen Köpfen zu landen.

Die Polarisierung des Denkens hat begonnen und wird mit der analytischen Klarheit des "Tertium non Datur", die dem Konservatismus schon immer eigen war, vorangetrieben. Was nicht weiss ist, ist schwarz; was nicht Hase ist, ist Fuchs; wer nicht mit uns ist, ist gegen uns…

Doch mit den Zwischentönen geht nicht nur das Augenmaß, sondern auch und zu allererst das Individuum verloren. Der Einzelne wird nur noch über die Gruppe wahrgenommen, seiner Individualität enteignet, seiner Bedürfnisse beraubt. Der Moslem aus dem Maghreb, der linke randalierende Raufbold, der zufällig besoffene Arbeitslose, der echte Verzweifelte… Sie alle sind plötzlich nur noch Instrumente, Vollstrecker und Gehilfen der Panislamisierung Europas. Gottes vergessene Kinder eben.

November 1, 2005

Gar nicht bärig: Nahles’ Dienst an Deutschland

Filed under: Politisches - word2go @ 11:42 am

 
Wie weit frau es doch in der Politik bringen kann, wenn nur die Eierstöcke dick genug sind. Da kann man schon mal einen Dicken aussitzen und einem Rollstuhlfahrer den nicht behindertengerechten Weg aus dem Parlament weisen. Oder einen sauerländischen Superman zur vorzeitigen Landung zwingen - Nahles vor, noch ein Tor!


Münte’s Reinfall, ein apokalyptisches Vorzeichen für die große Koalition? So sieht es zumindest Edmund Stoiber und bleibt dann mal lieber in Bayern. Soll die Merkel doch schauen, wie sie die SPD-Linke auf Linie bekommt…

Kann sie nicht? Sollte sie aber. Immerhin will sie ja Kanzlerin werden… Ihrem Land dienen… Sorgen ernst nehmen… Vorsicht verstehen… Erwartungen nicht enttäuschen… an die Chancen unseres Landes glauben und sonstige Allgemeinplätze verwirklichen, die ihr der Populismus-Sloganizer ausgespuckt hat.

Aber mal ehrlich. Wie will sie denn das schaffen? Es ist eingetreten, was eintreten musste: die große Koalition unter Merkel steht vor dem Abgrund, noch bevor sie begonnen hat. Ganz egal, was die pausbäckige Sozialdelusionistin mit ihrem Machtkämpfchen gegen Müntefering bezweckte, sie hat der Republik alles andere als einen Bärendienst erwiesen. Sie hat mit ihrem ideologischen Brett vorm Hirn bewiesen, dass Merkels Kanzlerschaftstraum hoch auf Sand gestapelt war.

Den Gerd wird’s freuen, dass er den Gang auf’s Altenteil nicht antreten muss. Schröder wird die Müntefering-Stoiber’sche Liebe noch mit ein wenig Merz und Platzeck anreichern und damit der Nahles das Mündchen stopfen.

Und Angela? Die stecken wir am besten irgendwo hin, wo sie keinen Schaden anrichten kann. Vielleicht braucht die Mainzer Politikwissenschaft ja eine Vorzimmerdame?!

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