Was nun Herr Stoiber?
CDU: 27,8%
CSU: 7,4%
Dies sind die schockierenden und unbefriedigenden Ergebnisse der gestrigen Bundestagswahl. Die - ohnehin unrealistische - schwarzgelbe Koalition wurde verfehlt. Überraschend ist nur, dass sie so klar verfehlt wurde, dass die CDU und auch die CSU so unvorhergesehen abschmieren würden.
Schuld daran ist sicherlich zum Teil der miserable Wahlkampf der Unionkandidatin. Mehrwertsteuererhöhung, Kirchhoff und dessen überstürzte Demontierung kurz vor der Wahl. Das gibt dem Wähler kein Bild sicherer Führungsstärke. Auch die jetzt stark gescholtene Zweitstimmenkampagne der FDP kann nur einen Teil des Einbruchs erklären. Betrachtet man nämlich die Verluste der Union im Vergleich zu 2002, v.a. in Bayern, wo die meisten Stimmen an die FDP verloren gingen, zeichnet sich die FDP nur für knapp 30% der Verluste verantwortlich. An 70% trägt damit die Union selbst schuld.
Der wichtigste Grund dafür, dass das Ergebnis so überraschend ist, liegt in meinen Augen jedoch in der Tatsache, dass die Wahlforschungsinstitute die Zahlen für CDU/CSU viel zu hoch projeziert hatten und die Medien daraufhin in der Tat auf einen Anti-Schröder Zug aufgesprungen sind. Mit der Folge, dass so mancher, die große Koalition präferierende, Wähler seine Stimme widerwillig eben doch wieder an die SPD gegeben hat, um eine schwarzgelbe Koalition zu verhindern, die ja -wäre sie zustande gekommen - doch wieder nur eine Blockade des eingeschlagenen Reformkurses bedeutet hätte. Das Verhalten der Forschungsinstitute war dabei zwar nicht intentional, wohl aber mutwillig. Seit Jahren predigen angesehene Politikwissenschaftler von Werner Weidenfeld bis Renate Mayntz, dass die sogenannten Cleavages und damit feste Parteipräferenzen langsam zerbröseln.


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