Blogschreibereform
Es gibt Zeiten, da kann einem der Zeitgeist ganz schön auf die Nerven gehen. Vor allem, wenn man eigentlich gar keinen "Zeit" hat, sich auf neue Zeiten einzulassen. In der Regel entwickelt sich als Folge eine Werte bewahrende Einstellung, auch wenn diese - gerade bei Frauen - nicht gerade den Zeit zum Nachdenken darstellt.
Doch sich zu streiten, ohne zu denken ist meist ein zutiefst männliches Privileg und sind die Streithähne auch noch berühmt und mächtig, steht das dann am folgenden Tag in dem "Zeit". Meistens zumindest.
Konstant am Zeitgeist jedenfalls ist, dass er immer neu ist, bzw. Altes so aufbereitet, das es neu erscheint. So ähnlich steht es ganz allgemein mit der Veränderung: der Morgen sonnig, der Abend grau. Umgekehrt mit neuen Bekanntschaften: der Abend blau, der Morgen…, na ja.
Der Zeitgeist der Postmoderne, sofern es diesen nun wirklich oder erfunden gibt, ist die Devolution der Komplexität, der Bruch mit dem Ganzen, die Revolution des pluralistischen Konstrukts gegen die Dominanz des oktroyierten Mainstreams.
- Mediocrity rules -
Nun bin ich selbst kein besonderer Kenner derselbigen, weshalb ich bei Diskusssionen über die Blopkultur meist mein sonst so loses Mundwerk halte. Ich gehöre eher zur frei drauflos plockenden Anarchofraktion, die sich einen Scheiß um Blogculture, Artikelgender oder Loghoroeprahlerei schert, solange Layout und Inhalt meines kleinen Beitrags zum kollektiven Datenbrei "hübsch" sind.
Als ich aber heute über die Ankündigung der Weltregierung stolperte, dass sie beabsichtige, ihre Nominierung für das Preußploggen des Zeit aufgrund eines eklatanten Faux pas des Jury-Mitglieds "MegaWatt" zurückzuziehen, wurde ich dann doch hellohrig. "Who the fuck is MegaWatt", dass er sich erdreistet, unsere Weltregierung derart zu verärgern?
Zugegeben, es war nicht gerade schwer, betagten Herrn zu finden, da die Linksetzregierung freundlicherweise ihre Hausaufgaben gemacht hat. Der Altvordere ist also der selbsternannte "King of Blog", der Tyrannosaurus Rex der Internettagebuchkritzler. Und der hatte bekanntlich einen ganz kurzen…
Nach kurzer Lektüre war auch mir klar, dass das Einzige, was an MegaWatt mega ist, sich in der Namensgebung erschöpft. ÜberWatt schreibst Du da überhaupt mein Jung? Wenn Du tatsächlich auch mal andere Blox lesen würdest, wüsstest Du, datt die Weltregierung "nordisch by nature" und datt datt Watt nur eins ist: MegaFlach!
Wer bei so wenig Eigenleistung so arrogante Kritik übt, trägt entweder das Kürzel "M.R.R." oder darf sich das im Zweifel nicht erlauben.
Vor der Rücktrittsregierung den Hut ziehend musste ich registrieren, dass ich selbst nominiert bin. Vier mal in drei Kategorien. Was sagt das nun über mich aus, wenn der Cheffe ganz oben alle Teilnehmer mit sich selbst gleichsetzt?
Ich und selbstverliebt? Ich und verspielt? Ich und irrelevant? Komm Du mal in meine Bude, dann zeig ich Dir, was Irrelevanz ist! Nicht mal mein Fernseher nimmt mich ernst. Und das liegt nicht nur an den leeren Batterien der Fernbedienung.
Na ja, die opinion eines - spätestens nach diesem Zeitbloggen - Irrelevanten aside, stelle ich mir eher die bange Frage, ob mich meine Leser noch mögen, jetzt wo ich von lauter selbstverliebtem, karriereliebäugelndem C-Gruppe Journalismus umgeben bin. Dabei hasse ich Journaille. Leute die Glauben, das Prinzip von Objektivität erkannt zu haben, wenn sie das Wort rückwärts buchstabieren können. Doch es reicht nicht, einen Duden zu fressen, denn lässt man nur ein "d" weg, dann seid ihr genauso nackt, wie alle anderen.
Ja, ich schweife… und ihr wisst immer noch nicht, warum der Zeit plötzlich männlich ist. Nun, dass hängt mit der objektiven (V)erfassung des Zeitgeistes zusammen. Die Blogospäre sagt "das" Blog, der "Zeit" sagt "der" Block und ich sage der "Zeit". Als Opinionsetter meines kleinen Reichs ist mir das erlaubt. V.A., wenn Journalisten zur Recherche lieber googlen gehen, als zum Lexikon oder Telefonhörer zu greifen. Wo das steht?
Link kommt übrigens auch von der BigBrotherisschauingdiraufdieFingerRegierung.


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