Monsanto “erobert” den Irak
Der gute alte Rousseau, dessen radikale Gesellschaftskritik und Freiheitsidee oft als paradigmatisch für den sozialistischen Totalitarismus diffamiert wurde, hätte seine wahre Freude gehabt an der gegenwärtig zynischsten Ausweitung des Eigentumsbegriffs, der Patentierung genbehandelter Saatprodukte. An seinem schwarzen Humor wäre er jedoch wahrscheinlich erstickt, wenn er erfahren hätte, mit welch unverfrorener Umverteilungspolitik die Bushadministration ihre Vision amerikanischer Hegemonie in die Tat umsetzt.
Es hat anscheinend nicht gereicht, den Irak militärisch zu befrieden. Nein, die sicherste Version globaler Dominanz ist für Bush & Co. die Transformation des ehemaligen Feindes in abhängige Kundschaft. Ein paar Atombomben hier, ein paar Wasserkraftwerke da und ein paar Pipelines dort. So schafft man sich heute willfährige Konsumenten. Und wenn es die Situation zulässt, verschafft man einem zukünftigen Wahlkampffinancier mal schnell eine kleine Monopolstellung. Dankbarkeit ist eben noch immer die euphemistischste Variante der Solidaritätszuschreibung. Da hilft es natürlich ungemein, dass man - wenn auch widerrechtlich - die alleinige Definitionsmacht über Besitz und Eigentum hat. Wen interessiert schon das Recht angesichts der gewaltigen, ungeheueren, nie dagewesen Bedrohung durch den weltweiten Terrorismus. Da stört es nicht, dass in der Realität die Wahrscheinlichkeit in Deutschland vom Blitz getroffen zu werden zehnmal höher liegt, als in Jerusalem auf einen Selbstmordattentäter zu treffen. Real ist eben nur, was in Bild und Ton auf den Informationskonsumenten einrieselt, so die simplifizierte, journalistische Logik von Fox und Co.
Zu Monsanto-Kunden degradiert wurden die irakischen Bauern mittels der von Paul Bremer erlassenen Order 81. Das "Patent, Industrial Design, Undisclosed Information, Integrated Circuits and Plant Variety Law", kurz Order 81, verbietet es irakischen Bauern die Saat "neuer" Pflanzenformen wiederzubenutzen. Kurzum bedeutet das, dass es den Bauern nicht erlaubt ist, genmanipuliertes Saatgut für die nächste Ernte aufzuheben, bzw. aus der eingebrachten Ernte zu gewinnen.
Eigentlich sollte man daraus logisch folgern, dass die Bauern aus dem Schneider wären, wenn sie ganz einfach traditionelles anstatt genmanipuliertes Saatgut verwendeten. Doch nichts im Leben ist einfach einfach. Der Haken an der Sache ist, dass die Amerikaner - vordergründig zur schnellen Versorgung der Bevölkerung - Unmassen an genmanipulierten Getreidesorten anpflanzen ließen, die mittels Wind mittlerweile alle Äcker des Iraks erreicht haben müssen. Kein Bauer der Welt könnte vor diesem Hintergrund sein selbstgewonnenes Saatgut reinhalten.
Pflanzt er also das verunreinigte wiedergewonnenes Saatgut an, verstößt er nicht nur, wie z.B. die kanadischen Bauern, gegen Monsanto’s Patent, sondern gegen irakisches Gesetz. Während in Kanada Monsanto einem Bauern erst einmal zivilrechtlich nachweisen muss, dass er genmanipuliertes Getreide anbaut, kann der Bauer im Irak strafrechtlich verfolgt werden. Das ist nicht nur Arbeitserleichterung für die Monsanto-Spitzel, sondern ein faktisches Monopol für den irakischen Getreidemarkt, das Monsanto von der Bushregierung zugeschustert wurde. Jeder irakische Bauer muss vor jeder Aussaat neues Saatgut von Monsanto kaufen.
Diese widerliche Vetternwirtschaft wäre meines Erachtens sogar ausbaubar. Warum nicht Monsanto-Mohn, Monsanto-Hasch oder Monsanto-Koks? In Afghanistan hätte man schon einen guten Stand, Holländer und Deutsche wären als Erstkonsumenten ja direkt an vorderster Front. Und vor kleineren "Expedition" nach Panama hat sich Papa Bush doch auch nie gescheut. Oder vielleicht doch Monsanto-Quat im Jemen. Da würden sich die Amis vielleicht wieder ein paar Freunde machen. Kauen, kiffen und tanzen statt bomben?!
Egal. Wahr ist’s, weil’s geschrieben steht, basta!


Baumwolltaschen












