Die Diktatur des Banalen
Während ich nun so da saß, die Sonne im Gesicht und den Kopf in den Sternen, transformierte sich in meinen Gedanken die Schablone des Künstlers zum Sinnbild unseres modernen Lebens. Wo das Individuum versucht, der Standardisierung durch Standards zu entkommen, indem es sich ein zeitlich vergängliches und damit politisch korrektes 0815-Arschgeweih auf den normgerechten Popo sprühen lässt. Sozusagen als Standardkritik an unserer Standardgesellschaft.
Individualkritik? Welche Wahl kann man noch treffen, welche Entscheidungen sind noch intuitiv selbst verantwortet in einer Gesellschaft in der Standards regieren, die von der Banalität einer egozentrischen Individualismusphobie gesetzt werden? Wo jeder anders sein will aber Andersartigkeit von Grund auf suspekt ist? Vielleicht teilt sich ja unsere Gesellschaft nicht in Regierende und Regierte, sondern in Produzenten und Konsumenten, oder vielleicht doch in Wähler und Nichtwähler. Der Tattoo-Künstler, braungebrannt, Italiener und Weltenbummler, gehört als Produzent wohl eher zu den Wählern. Leute wie er bestimmen das Erscheinungsbild unserer Städte. Sie regieren uns! Eigentlich…
Ich nehme noch einen Schluck von meiner standardisierten Latte Macchiato, erinnere mich an die Zeit, als Kaffee noch Kaffee war und keine Trendbrühe, und frage mich, zu welcher Gruppe ich wohl gehöre.


Baumwolltaschen












