Nur Gedanken

January 27, 2005

Die Elite der Dummschwätzer

Filed under: Politisches - word2go @ 8:36 am
 
Nachdem Ede nicht bereit war, mir die Welt zu erklären, hat das heute gnädigerweise ein anderer übernommen. Martin Siewak, seines Zeichens Tintenkleckser bei der "Zeit"

Er schriebt wörtlich und ohne schlechtes Gewissen:

"Karlsruhe hat das Verbot von Studiengebühren aufgehoben – das ist sogar für die Studenten gut"

und begründet dies wie folgt:

"Das Urteil erlaubt nun mehr Wettbewerb zwischen den Hochschulen und verschafft ihnen eine dringend benötigte Einnahmequelle. Rund drei Milliarden Euro fehlen den Universitäten jedes Jahr für die Renovierung ihrer Gebäude und Labore, für den Kauf von Büchern und dafür, die Lehre zu verbessern. Einem Professor sitzen im Hörsaal heute fast doppelt so viele Hochschüler gegenüber wie 1970; die Zahl der Studenten ist in den vergangenen drei Jahrzehnten stetig gestiegen, aber nicht das Budget der Universitäten. Angesichts leerer Kassen kann der Staat allein das Geld nicht aufbringen. Abhilfe wäre möglich. Was lange Zeit niemand wahrhaben wollte: Gerade in der Hochschulbildung ließen sich die finanziellen Lasten zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft mit guten Gründen neu verteilen – zum Wohle aller.


Es wäre nur gerecht, wenn die Nutznießer von Lehre und Forschung sich auch an den Kosten beteiligten. Denn Akademiker können auf viele Vorteile blicken: Als Studenten genießen sie eine verlängerte Jugend, als Berufstätige ein höheres Prestige. Sie verdienen mehr Geld und werden nur halb so oft arbeitslos wie Nichtakademiker. Selbst wenn man berücksichtigt, dass Hochschulabsolventen später zumeist höhere Steuern als andere entrichten, zahlen sie damit den Preis ihres Studiums niemals voll zurück.

Sozialverträglich – das heißt zum Beispiel: Der Staat muss es den Studenten erlauben, die Gebühren erst nach dem Examen zu zahlen. Denn nicht jeder kann oder will das Geld während seiner Ausbildung aufbringen. Mit zinsgünstigen Darlehen könnte der Obolus vorgeschossen werden. Dieses Modell »nachlaufender« Gebühren hat sich im Ausland bewährt; etwa in Australien, das vielen Gebührenanhängern als Vorbild dient. Zudem mildert es den Abschreckungseffekt von Studienbeiträgen – auch wenn die jetzt diskutierte Summe von 1000 Euro pro Jahr nicht viel höher ist als eine studentische Handyrechnung in der gleichen Zeit."

Dummschwätzerthese Nr. 1:

Das zusätzliche Geld kommt den Universitäten zugute!

Falsch! Das Geld fliesst, wie heute schon die Langzeitgebühren, in den Bildungsetat der Länder, wird also auch für Früherziehung, Schulbildung und v.a. Berufsausbildung verwendet. Nur ein Bruchteil der Zusatzeinnahmen kommt bei der Uni an.

Dummschwätzerthese Nr. 2:

Die Lasten zwischen den Einzelnen und der Gemeinschaft werden neu verteilt - zum Wohle aller.

Vergleichen wir doch einfach einmal diese beiden Sahnetörtchen.

Quelle: Dohmen, Dieter und Hoi, Michael: Bildungsausgaben in Deutschland – eine erweiterte Konzeption des Bildungsbudgets, Köln 2004


Ah ja, das Geld wandert also alles in einen Topf und die öffentliche Hand finanziert dann zu 64% das, wofür eigentlich unsere Firmen zuständig sein sollten. Damit investiert sie etwa 22% weniger in Hochschulen, als in die Unterstützung unser aller Hilfsbedürftigsten, den Unternehmen. Denn die werfen ihr Geld ja lieber in Aktien raus, und gegen die darf man ja nichts sagen, weil sonst hauen sie ins Ausland ab. Wie auch immer, ein Trend will bestätigt sein. In Deutschland läuft die Umverteilung von Unten nach Oben.


Dummschwätzerthese Nr. 3:

Der Staat muss es den Studenten erlauben, die Gebühren erst nach dem Examen zu zahlen. Denn nicht jeder kann oder will das Geld während seiner Ausbildung aufbringen. Mit zinsgünstigen Darlehen könnte der Obolus vorgeschossen werden

Eine These wie ein Donnerbrett. Herr Siewak, Sie sind ein Journalismusgott! Haben Sie das etwa von einer Presseerklärung der Baden-Württembergischen Landesregierung abgeschrieben? Einmal ein Blick auf das so gelobte Modell gefällig? Bitte sehr!




Quelle: freier Zusammenschluß von StudentInnenschaften

43.000 Euro Nettokosten für mein Studium? Und das mit mit zinsgünstigem Darlehen? Da geh ich doch lieber nebenher jobben. Da geht’s ja zu, wie bei der Weltbank.

Disclaimer
Für die FemInIn menInnistische Form der Quelle ist der VerfasserIn dieser OnlinepräsenzIn nicht verantwortlich

January 26, 2005

Brändrän

Filed under: Politisches - word2go @ 8:49 am

Ede, erklär’ mir die Welt!

Kurt Sontheimer in der SZ vom 19.11.2003

Der Ministerpräsident dieses Landes hat den bayerischen Hochschulen zur Auflage gemacht, ihren Etat für das kommende Jahr um ganze zehn Prozent zu kürzen, kein freundliches Entrée-Billet für den neuen Wissenschaftsminister Thomas Goppel.

Heute in der FAZ:

Stoiber wertete das Urteil des Verfassungsgerichts als entscheidenden Schritt, um die Hochschulen in Deutschland modern und international wettbewerbsfähig zu machen. „Studiengebühren sind ein wichtiges Instrument, um den Wettbewerb und die Qualität der Hochschulangebote zu verbessern", sagte er. Die neuen Finanzmittel für die Hochschulen ermöglichten mehr akademische Spitzenausbildung in Deutschland.

I sag da nur, let’s go USA or Gräd Bridn, da griagst wenigstens was für dei Göid!

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