Nur Gedanken

November 9, 2004

War es wieder Wahlbetrug?

Filed under: Politisches - word2go @ 8:21 am
 
Der Denkpass erinnert uns heute daran, dass die Ruhe nach der US-Präsidentenwahl eine trügerische sein könnte, indem er auf eine machtpolitische Binsenweisheit verweist: wenn du schon betrügst, dann mach’ es richtig! Denn ein eindeutiges Ergebnis wird schon keiner hinterfragen.

Und tatsächlich scheint es so zu sein, daß die Republikaner dieses Jahr in einem Ausmaß geschummelt haben, dass es nicht nur jeder Bananenrepublik zu Ehren gereicht hätte, sondern auch den Wahlausgang entscheidend beeinflusst hat.

Schauplatz des Spektakels ist wieder einmal Florida, wo der Demokrat Jeff Fisher mittlerweile eine Untersuchung durch das FBI in Auftrag gegeben hat. Fishers Aufmerksamkeit wurde durch die frappierende Diskrepanz zwischen den letzten "Exit-Polls" (Umfragen unter Wählern, direkt nach der Stimmabgabe) und dem tatsächlichen Wahlausgang geweckt. Lag Kerry in Florida und allen anderen Swing-States in diesen Befragungen noch kurz vor Schließung der Wahllokale mit knapp 5% vorne, gewann Bush die Auszählungen jedoch deutlich. Woran lag diese Diskrepanz?

Man kann natürlich mit statistischen Ungenauigkeiten oder einer ungenügend großen Testgruppe argumentieren, allerdings genießen Exit-Polls allgemein ein sehr hohes Vertrauen und werden auch im Rest der Welt als gültiges Indiz für die Legitimation eines Wahlgangs angesehen.

Gestützt wird der Verdacht durch eine unabhängige Untersuchung von Elizabeth Liddle. Die Statistikerin der Organisation US-Together hat das Wahlergebnis in Florida mit der, bei der Wahlregistrierung angegebenen, Parteienpräferenz verglichen und kommt dabei auf Erstaunliches. In allen Counties, welche das sogenannte "Open Scan Precint" Verfahren verwendeten, bei dem die abgegebenen Wahlzettel mittels Scanner in einer auf Windows basierende Excell-Datenbank ausgewertet wurden, konnten die Republikaner durch die Bank, prozentual zur angegebenen Parteipräferenz, zwei- bis dreistellige Stimmengewinne verzeichnen, während die Demokraten entsprechende Verluste hinnehmen musste.

Am eklatantesten war dieser Stimmenzuwachs in Liberty County (Florida), wo sich nur 7,9% als Republikaner registrierten, dann aber 63,7% Bush wählten. Das entspricht einem unerklärlichen Stimmenzuwachs von 712%. Beachtlich würde ich sagen! Andere elektronische Auszählungsmedien ließen diese Diskrepanz nicht erkennen.

Bezeichnend wird das Ausmaß dieser offensichtlich fehlerhaften Auszählung, wenn man alle Counties Floridas zusammenzählt. Dann kommt man auf eine Gesamtzahl von über 600 000 demokratischen Wählern, die sich ganz plötzlich umentschieden haben müssen, Bush zu wählen. Bush hatte in Florida einen Vorsprung von etwa 300 000 Stimmen. In anderen Worten: Kerry hätte die Wahl gewonnen!

Allerdings bin ich nicht so optimistisch wie der Denkpass, der sich ein Impeachment-Verfahren wünscht. Die Anwälte sind heute einfach gewiefter, als zur Zeit Nixons.

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