Anke Gnadenlos
Da das, was wir nur selten haben, genau dem entspricht, was wir am meisten wollen, nutze ich seither natürlich jede Gelegenheit, um, wo ich gerade bin, einen Fernseher einzuschalten. Ist ja nicht meiner. Doch was ich das letzte Mal sah verschlug mir die Sprache, erschütterte meine Identität und meinen Restglauben an unsere abendländische Kultur.

Ich benötigte ungefähr 10 Minuten, um mich zu überreden, Ankes Performance als Realsatire auf den „Ich könnte gewinnen, wenn ich endlich einmal durchkäme“ – Sender 9Live zu interpretieren: „Ja…-…nun rufen Sie doch endlich an…-…gähn…-…ist doch gar nicht so schwer…-…haben sie es schon gefunden?“ Spontane Improvisation mit einem Sprachwortschatz von genau vier Floskeln ist nun mal nicht die wahre Ware. Die heißt mit Vornamen Harald, und kommt, wenn sie klug ist, nicht, bzw. nur gegen ein astronomisches Gebot, zurück. Mir bleibt als finanziell Mittelloser nur die Waffe der Armen, die Moral. Und damit der Appell an Haralds Menschenrechtsempfinden: haben wir das verdient?
Schon komisch, von Stuckrad-Barre (längere Liaison) scheint (an Anke) nicht gerade viel kleben geblieben zu sein… (na, reicht Eure schmutzige Phantasie aus?)… Zumindest war’s nicht die Eloquenz. Hätte er ja auch gleich sagen können, dass das Zeug nur dick macht. Da müssten Fische ja die Superbraine sein (bei dem Eiweißgehalt / und sie schmecken auch nach Fisch).
Der Unterschied zwischen Anke und Harald sind genau die Klammern. Harald lässt sie weg, weil er will, dass der Zuschauer die Tiefen seines Humors durch eigenes Nachdenken erkennt. Anke benutzt sie, damit der Zuschauer den Witz auch ja nicht anders versteht, als sie es verstanden haben will. Willkommen Monotonie! Jeder hat eben das Publikum, das er verdient.
- abgeschaltet -
Mich hat diese Viertelstunde grauenhaft infantiler Langweile auf jeden Fall in meinem Beschluss bestärkt, den Fernseher in die Verbannung zu schicken. Auch schlechtes Fernsehen kann also wünschenswerte Nebenfolgen haben.
Danke Anke!


Baumwolltaschen












