Nur Gedanken

October 24, 2004

Suche Nader, biete Kerry…

Filed under: Politisches - word2go @ 8:05 am
 
Habt ihr auch schon mal Omas leckeren Apfelkuchen gegen Tante Emmas luftigen Streuselkuchen getauscht? Und das nur, weil Papa Omas Apfelkuchen nicht mag, dafür aber Opa lieber im Freien frühstückt? Ich habe gestern zum Beispiel mein Glas warme Milch in Heidelberg gegen Jens Buddel Gin in Hamburg getauscht und wurde dabei nicht mal blau. Und gelegentlich benutze ich auch mal Lindas Zeh, um in meiner Nase zu popeln. Dann nämlich, wenn ich mal wieder verkehrt herum im Bett aufwache, auch wenn das mit meinem eigenen, kleinen Finger viel besser geht.

Von was labert der Alte?

O.K. in den USA gibt es neuerdings sogenannte Vote-Swapping Börsen. Da kann z.B. der Nader-Wähler aus Florida, einem Staat in dem der Wahlausgang noch recht unsicher ist, seine Stimme mit einem Kerry-Wähler aus einem "sicheren" Staat tauschen. Sie verabreden sich über das Online-Forum, und am Wahltag gibt dann der Wähler aus Florida, der eigentlich Nader wählen wollte, seine Stimme für Kerry ab, während der Wähler aus dem "sicheren" Staat für ihn Nader wählt.

Wieso das Ganze?

Nun, Nader-Wähler sind traditionell grün und ein bisschen links und können außer mit dem Busch auf grüner Heide mit keinem anderen Bush so richtig etwas anfangen. Dafür aber mit Kerry. Und dem würden sie z.B. in Florida so richtig Stimmen kosten. Wie bei der Wahl vor vier Jahren, wo eigentlich in erster Linie Nader und nicht die offensichtlich verdeckte Wahlfälschung Schuld an der Niederlage Gores hatte.

Also kommt die Internetgemeinde auf die oben genannte tolle Idee. Mehr dazu gibts bei Politik-Digital. Dort wird der mögliche Einfluss auf die Wahl diskutiert.

Ich prophezeihe jetzt mal, dass die schöne Idee ganz schön in die Hose geht, sollte Kerry gewinnen. Sie setzt nämlich in gewisser Weise das Wahlmännersystem und das Prinzip nach Bundesstaaten getrennt zu wählen, außer Kraft und kratzt damit ganz heftig an der Verfassungskonformität.

Da freuen sich die republikanischen Rechtsanwälte!

October 6, 2004

Anke Gnadenlos

Filed under: Satirisches - word2go @ 8:03 am


Ich habe meinen Fernseher entsorgt. Nicht erst heute. Schon vor ein paar Monaten ging mir der flimmernde Vorkriegskasten derart auf die Nerven, dass ich ihm kurzerhand die Freundschaft aufgekündigt hatte. Aus, vorbei, auf nimmer Wiedersehen. Harald und somit der letzte Grund für das Zahlen der Rundfunkgebühren hatte ohnehin abgedankt, deshalb: GEZ - Nein Danke! Anfangs hatte ich noch einen gewissen Trennungsschmerz, doch mittlerweile genieße ich mein Leben ohne mediale Dauerberieselung.

Da das, was wir nur selten haben, genau dem entspricht, was wir am meisten wollen, nutze ich seither natürlich jede Gelegenheit, um, wo ich gerade bin, einen Fernseher einzuschalten. Ist ja nicht meiner. Doch was ich das letzte Mal sah verschlug mir die Sprache, erschütterte meine Identität und meinen Restglauben an unsere abendländische Kultur.

Da saß eine, mit dem eigenen Gestammel um die Wette grinsende, Anke Engelke an Haralds Stelle und versuchte über unendlich lange 15 Minuten einen unsäglich langweiligen und unfassbar hanebüchen an den Zot(t)en herbeigezogenen 10-Punkte Vergleich zwischen Gottschalk und dem Papst vom Teleprompter zu kratzen.

Ich benötigte ungefähr 10 Minuten, um mich zu überreden, Ankes Performance als Realsatire auf den „Ich könnte gewinnen, wenn ich endlich einmal durchkäme“ – Sender 9Live zu interpretieren: „Ja…-…nun rufen Sie doch endlich an…-…gähn…-…ist doch gar nicht so schwer…-…haben sie es schon gefunden?“ Spontane Improvisation mit einem Sprachwortschatz von genau vier Floskeln ist nun mal nicht die wahre Ware. Die heißt mit Vornamen Harald, und kommt, wenn sie klug ist, nicht, bzw. nur gegen ein astronomisches Gebot, zurück. Mir bleibt als finanziell Mittelloser nur die Waffe der Armen, die Moral. Und damit der Appell an Haralds Menschenrechtsempfinden: haben wir das verdient?

Schon komisch, von Stuckrad-Barre (längere Liaison) scheint (an Anke) nicht gerade viel kleben geblieben zu sein… (na, reicht Eure schmutzige Phantasie aus?)… Zumindest war’s nicht die Eloquenz. Hätte er ja auch gleich sagen können, dass das Zeug nur dick macht. Da müssten Fische ja die Superbraine sein (bei dem Eiweißgehalt / und sie schmecken auch nach Fisch).

Der Unterschied zwischen Anke und Harald sind genau die Klammern. Harald lässt sie weg, weil er will, dass der Zuschauer die Tiefen seines Humors durch eigenes Nachdenken erkennt. Anke benutzt sie, damit der Zuschauer den Witz auch ja nicht anders versteht, als sie es verstanden haben will. Willkommen Monotonie! Jeder hat eben das Publikum, das er verdient.

- abgeschaltet -

Mich hat diese Viertelstunde grauenhaft infantiler Langweile auf jeden Fall in meinem Beschluss bestärkt, den Fernseher in die Verbannung zu schicken. Auch schlechtes Fernsehen kann also wünschenswerte Nebenfolgen haben.

Danke Anke!

Get free blog up and running in minutes with Blogsome
Theme designed by Alex King