Nur Gedanken

August 27, 2004

Die SPD-Spitze und ihr Verhältnis zur „Rational Choice Theory“, oder warum die „Volksfront von Judäa“ die „judäische Volkfront“ nicht mag

Filed under: Politisches - word2go @ 7:51 am


Bundeskanzler Gerhard Schröder, zweifellos ein Mann mit Visionen, hat uns jüngst neuen, prickelnden Stoff zum Weben unserer Zukunftsträume geliefert. Er prophezeite uns allen Ernstes, die CDU verbünde sich mit der PDS zu einer Volksfront gegen die SPD. „Ehre, wem Ehre gebührt“, dachte sich darauf Angie Merkel, doch soviel Ehre war selbst ihr zu viel. Wenn schon Volksfront, dann bitte schön distinguiert. Die PDS auf der Linken und die CDU auf der Bürgerlichen. Kein Apfelmus, nein Obstsalat wünscht sich die zukünftige Kanzlerkandidatin. Und beweist damit, dass sie ihre Hausaufgaben in Systemtheorie gemacht hat. Im Gegensatz zu Kanzler Schröder, der sich mit seiner Prophezeiung nun unangefochten auf Platz Eins der Hitparade der Lächerlichkeit manövriert hat und dabei seinen roten General Franz Müntefering auf die Plätze verwies. Dieser hatte die Spitzenposition gehalten, seit er dem Linksrevoluzzer Oskar Lafontaine den Parteiaustritt nahegelegt hatte.

Die SPD-Spitze scheint dieser Tage von allen guten Geistern verlassen zu sein und die Parteibasis rätselt, blubbert und brodelt. Gerd und Münte führen zwei Jahre vor der Wahl die traditionelle SPD-Wählerschaft ohne Rücksicht auf Verluste durch ein Nadelöhr. Wer sich nicht anschmiegt, wird gnadenlos abgeschnitten. Wenn das so weitergeht, das prophezeie nun ich einmal, dürfen sich die Beiden nach der Wahl darüber streiten, wer im Einöd-Weiler Schröder-Münteferinghausen den Bürgermeister stellen darf. Ich persönlich wäre dann für Doris Schröder-Köpf.

So langsam drängt sich wirklich der Verdacht auf, ob nicht der Lederhosenmöchtegernkanzler Edmund Stoiber bereits 1998 recht hatte, als er behauptete, sie „könnten es einfach nicht“. Bei einer solch eklatanten Vernachlässigung des simpelsten Grundwissens über moderne Parteiendemokratie, fällt es schwer, Stoibers Einschätzung nicht einfach abzunicken. Dabei hat’s der Franz Josef doch vorgemacht: Quertreiber einfangen, ihnen sozialpolitisch einen runter holen und dann satt deren Protestwählerpotential einsacken. So einfach ist das. Edmund Stoiber darf ihm noch heute dankbar sein, denn diese Art Wähler zu akquirieren ist das Erfolgsgeheimnis der CSU. Der Trick bei der Sache ist nämlich nicht, wie es der CSU immer wieder vorgeworfen wird, Stimmen am rechten Wählerrand zu sammeln, sondern die Interessen der Protestwähler zu bündeln und über den politischen Diskurs zum Problem der politischen Mitte zu machen. So macht man aus einem Rechts- bzw. Linkswähler einen bürgerlichen Wähler.

Die Theorie dazu stammt natürlich nicht von Herrn Strauß, sondern von dem amerikanischen Politikwissenschaftler Anthony Downs, der sich Anfang der 50er Jahre als erster darüber Gedanken machte, wie die in der Ökonomie gebräuchlichen „Theorien rationaler Wahl“ (Rational Choice Theory) auf die Sozialwissenschaften anzuwenden seien, damit bessere Vorhersagen über politisches Entscheidungsverhalten getroffen werden können. Was Downs dann in seinem Buch „Ökonomische Theorie der Demokratie“ präsentierte, war ein revolutionär einfaches Modell der Parteienlandschaft, das sich an den vorhandenen Präferenzen der Wähler orientierte und auch heute noch weitgehend Gültigkeit hat. Downs bildet dabei die Präferenzen der Wähler auf einer Skala von Eins bis Hundert ab, indem er unterstellt, „Eins“ stünde für die vollkommene Staatskontrolle über alle Markttransaktionen, während „Hundert“ den vollkommen freien Markt ohne Staatsintervention darstelle. Da sich die breite Masse der Wählerschaft irgendwo zwischen diesen beiden Polen befinden dürfte, leitet Downs ab, dass die großen Volksparteien um die politische Mitte kämpfen, während sich die kleinen Parteien den Rest des Kuchens teilen. Also entweder die Extreme Links (Eins), bzw. Rechts (Hundert) vertreten oder sogenannte Interessensnischen besetzen.

Zwei Annahmen sind dabei zentral für seine Argumentation:
1. das oberste Ziel rational agierender Parteien ist das Rekrutieren von Mitgliedern, da sie die Grundlage für das Gewinnen von Wahlen sind.
2. rational agierende Parteien entmutigen (sic!) rationales Wahlverhalten.

Man kann natürlich behaupten: „das ist doch alles nur Theorie“. Doch wie sehr sich Downs’ Modell durchgesetzt hat, beweist z.B. unser bedenkenloser Gebrauch des Links-Rechts Schemas, das uns so in Fleisch und Blut übergegangen ist, dass man kaum glauben mag, dass es nicht schon immer da war.

Was den Erfolg der CSU in Bayern angeht, verstehen wir nun, warum die SPD dort keinen Fuß auf den Boden bekommt und sogar in vielen Fällen bereits von den Grünen überholt wurde. C-“S“-U ist eben, schon dem Namen nach, wesentlich s-ozialer als C-“D“-U, was gepaart mit gekonnter Mitgliederrekrutierung (Bierfeste, Bierfeste, Bierfeste…) Bayern selbst links der Mitte noch tiefschwarz färbt und die SPD an den äußeren linken Rand treibt wenn sie überhaupt noch ein paar Mitglieder gewinnen will. Da tun sich die Grünen in ihrer Nische „Ökopolitik“ wesentlich leichter, Mitglieder zu gewinnen. Schwarz-Grün ist mittlerweile eine äußerst beliebte Kombination auf bayerischen Wahlzetteln.

Was Gerd und Münte angeht, verstehen wir nun den ganzen Wahnsinn ihres Handelns. Was machen die beiden Idioten (`tschuldigung, aber das musste jetzt mal sein) denn bitte mit ihrer Basis? Und ich meine die politische Mitte! Die tun ja gerade so, als kämen die ganzen Querulanten aus dem linksextremen Spektrum. Und vergessen dabei vollkommen, dass sich Deutschland in einer tiefgreifenden Phase „notwendiger“ Reformen befindet und ihrer Politik damit im Moment per definitionem nicht gerade das Attribut „sozial“ anhängt. Im Gegenteil, man befindet sich zur Zeit leicht rechts der Mitte. Lafontaines so belächelte Androhung einer Linkspartei sollte deswegen alles andere als auf die leichte Schulter genommen werden. Sie wäre mitnichten eine „Linkspartei“. Das linke Wählerspektrum gehörte ihr ohnehin. Nein, Lafontaines Partei ginge direkt in die Mitte der Wählerschaft, würde die Basis der SPD zerstören und sogar noch enttäuschte traditionelle CDU-Wähler mitnehmen. Sie wäre damit die größte Bedrohung der sich die SPD seit 1945 ausgesetzt sah. Lafontaines Parteiausschluss wäre der politische Suizid der SPD. Sie würde schlichtweg durch eine neue Volkspartei ersetzt werden!

Und was macht Müntefering? Als rationaler Akteur müsste er den Schulterschluss mit Lafontaine suchen. Oder zumindest dessen Themen okkupieren und zeigen, dass die SPD die Zeichen der Zeit erkannt hat, dass sie weiterhin die Partei ist, welche die Sorgen und Ängste der Bürger auffängt. Und was macht Müntefering? Gibt die beleidigte Leberwurst und macht einen auf Bush: „wer nicht mit uns ist, ist gegen uns“! Und Schröder setzt gleich noch einen oben drauf, packt die Verschwörungstheorie aus und vergrätzt nun auch noch die bürgerliche Mitte.

Gut Jungs, ihr braucht also keine Wähler mehr? Dann hab’ ich eine Überraschung für euch. Der Wähler braucht euch nämlich auch nicht mehr. Dem ist es nämlich egal, ob die linke Volkspartei SPD, SPL oder Gritzlfix heißt. Hauptsache, es ist eine da! Der Wähler entscheidet, dank eurer Informationspolitik, nämlich vorwiegend irrational, d.h. ein wenig nach Sachthemen, schon mehr nach Persönlichkeit und ganz viel nach Weltanschauung.

Ach so, ihr glaubt, ihr seid unantastbar, weil der Wähler die SPD und ihre ganze Infrastruktur als Gut an sich auffasst? Da seid euch mal nicht so sicher. Der Wähler hat in der Regel nämlich keinen Blassen über die Arbeit der unzähligen parteinahen Stiftungen, wie der Friedrich-Ebert-Stiftung, und ihren Beitrag zur sozialen und politischen Kultur Deutschlands. Da hättet ihr ihn vorher schon ein bisschen besser informieren müssen. Wenn die finanzielle Grundlage für diesen unschätzbar wertvollen Beitrag zu wissenschaftlicher Forschung und sozialer Arbeit aufgrund eures politischen Selbstmords zusammenbricht, dann wird es nicht die Schuld des Wählers gewesen sein. Es wird eure Schuld gewesen sein, weil ihr zu dumm oder zu stolz wart, euren Laden zusammenzuhalten.

Auch wenn das geschriebene alles ein wenig emotional klingt. Persönlich ist mir der Fortbestand der SPD eigentlich ziemlich egal. Für mich war sie bisher immer nur das Mittel zum Zweck, sprich „Grün“ an der Regierungspolitik zu haben. Ich werde in zwei Jahren nun auch meine Erststimme an die Grünen vergeben, weil mir jetzt keiner mehr erzählen kann, dass sie eine verlorene Stimme sei.

August 21, 2004

Genitalogie des Fluchens

Filed under: Panorama - word2go @ 8:00 am
 
Wondergirl hat da eine ziemlich witzige Seite über Synonyme primärer als auch sekundärer Geschlechtsteile gefunden. Das hat mich gleich an ein Buch erinnert, welches mir letztens Tränen in die Augen jagte.

Für alle, die unbedingt schon einmal wissen wollten, was "muff-diving" wirklich heißt oder warum mache Frauen "sweat like a lesbian in the fish market", hat Multi-Sexologe Sterling Johnson ein Standardwerk verfasst:

cover

Wohl bekomm’s!

August 16, 2004

Ticket to L.A. II

Filed under: Musikalisches - word2go @ 7:55 am
 
So, "Ticket to L.A." kann jetzt auch bei amazon.com runtergeladen und bewertet werden. Außerdem hab ich meine Homepagebastelkünste ein wenig bedient, und eine Website zum Song erstellt. Ihr könnt sie euch hier ansehen und ein bisschen mehr über Nathan erfahren.

Das Voting bei Antenne Bayern läuft weiterhin ganz gut, "Ticket to L.A." hält sich hartnäckig auf den vorderen Plätzen.

Vielen Dank an alle, die bisher abgestimmt haben.

August 13, 2004

Ticket to L.A.

Filed under: Musikalisches - word2go @ 1:15 pm

Wie manche von Euch wissen, habe ich eine musikalische Vergangenheit, in der ich Gitarren malträtiert und Mikrophone zerbissen habe. Und wie das mit Dingen in der Vergangenheit eben so ist… manchmal holen sie dich einfach wieder ein und stellen dich vor neue Herausforderungen.

Diesmal kam die Vergangenheit in Form eines Songs, zu dem ich einst den Text und ein wenig Gesangsmelodie beigesteuert hatte, und den mein ehemaliger Gitarrist mit einem neuen Sänger nun professionell eingespielt hat.

Und was soll ich sagen? Die Nummer rockt so hitverdächtig, dass dir die Ohren wegfliegen und hält sich seit Tagen hartnäckig bei der Antenne Bayern Soundgarage auf den obersten drei Plätzen.

Wer mal reinhören will:

Antenne Bayern Soundgarage
Künstler: Nathan
Song: "Ticket to L.A."

Und natürlich sollt ihr alle kräftig voten, damit ein schönes Label aufmerksam wird und ich, dank GEMA, "word2go" bald von meinem Paddelboot vor meinem Strandhäuschen verfassen und meine finanziell abgesicherten Füßchen entspannt ins Wasser baumeln lassen darf.

*plantsch*
mood: andächtig lauschend

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