Nur Gedanken

June 23, 2004

Lick it like Beckham!

Filed under: Panorama - word2go @ 12:55 pm

Und ihr dachtet schon, ihr überlebt die EM ohne dass ich meinen Senf zum Fußballgeschehen abgebe? Ha… hab ich Euch an den Eiern junge Jedis, die dunkle Seite der Macht erwischt euch auch noch hinter blaugelb getarnten Algarvekuttern. Nein, in Wirklichkeit wollte ich schon von Anfang an ähnlich loslegen wie Elsa. Nicht, dass ich wirklich eine qualifizierte Meinung zu den sexy Schenkeln der Portugiesen oder den knackigen Popos der Italiener hätte. Aber eine Menge Spott hat sich im Laufe der letzten vierzehn Tage durchaus angesammelt. Z.B. über Spucki-Totti und sein geiles Blasi-Hasi. Bei der Vorfreude auf die Bestrafung durch eine so gut gewachsene Domina würde ich mit Sicherheit auch den ganzen Tag unverschämt durch die Gegend spucken. Na ja, die Italiener dürfen ja jetzt sowieso nach Hause fahren und sich ihre knackigen Pobacken bei Mama massieren lassen. Das war aber auch zum Heulen gestern. So kurz vor Schluss den Siegtreffer erzielen und trotzdem rausfliegen. Andererseits: hätten se besser jespielt, ne? Die nulpigen Bulgaren hätten sie wegpusten müssen, dann wären sie verdient weitergekommen.

Auf einem ganz anderen Blatt steht die Geschichte von Beckham und Kahn. Richtig, die Fremdgängerliga! Sie ist mit einem ziemlich neuen Phänomen verbandelt, das sich im Zuge der allgemeinen Emanzipation langsam auf unsere Fernsehcouch geschlichen hat. Frauen als Fußballfans, oder besser Frauen als Fußballerfans. Ja geht’s noch? Beim Spiel Deutschland gegen Holland im „ausverkauften“ Heidelberger Marstall(stadion), durfte ich mir, zwischen Fahnen, Bier und Bierfahnen eingekeilt, Streitgespräche über van Nistelroys Locken, Ollie Kahns mega-arschlochmäßiges Verhalten und Beckhams Arschgeweih anhören. Oh Mädels, der Ball ist rund und muss ins Tor, van Nistelroy ist Holländer, Kahn musste sich einfach mal die Hörner abstoßen und Beckham…? Ja, also Beckham…? Also, einerseits würde ich zwar auch kein braun angesprühtes, knochiges Hühnchen mehr ficken. Andererseits, welcher Vollproll sucht sich schon seine Lebenspartnerin nach Musikvideos aus? Nein, die beiden haben sich durchaus verdient, wobei ein Originalhuhn wohl trotzdem zwei Gehirnwindungen mehr hat als die eingetragene Lebensgemeinschaft zwischen Herrn und Frau Beckham. Na ja, England hat sowieso einen neuen Nationalhelden: Roooooooooooney!!! Nicht schlecht, der Kleine. Aber muss er unbedingt so aussehen, wie einem durchschnittlichen englischen Hooliganblock entsprungen? Pitbull (Schweinskopf) Rooney? Yes!

Und jetzt heute. Das Spiel der Spiele! Deutschland gegen Tschechien. Nach den italienischen Verschwörungstheorien, oder soll ich besser sagen, den Verschwörungstheorien der „Bild“ (Gott. Merkt ihr überhaupt noch, wie primitiv ihr seid?), heute nun die Krönung durch holländische Arbeitgeber. Eine Million haben sie jedem tschechischen Spieler geboten, der ein Tor schießt. Die müssen ja Geld haben. Was hätten wir dagegen den Letten zu bieten?

- Wohnwägen?
Nein im Ernst, bei unserer anhaltend schlechten Wirtschaftslage, müssen sich durchreisende Holländer bald in Acht nehmen, dass ihnen ein Deutscher das Wohnwägelchen unter dem käsigen Arsch wegklaut und sich ein Häuschen baut.

- Bier?
Den Letten vielleicht! Aber wer will den Tschechen schon etwas in Sachen Bier vormachen?

- Äh, ich will’s ja gar nicht laut sagen. Aber Kahn womöglich?
Ich meine, das wäre staatsbürgertechnisch ja gar nicht so schwer und ein Fressen für die „Bild“ hätten wir auch gleich: „Weltklassetorwart–Bezirksklasseliebhaber. Verlassener Kahn wechselt ins Baltikum“

Nun gut. Mein Tipp für heute:

Deutschland kapert Budweis und säuft bis Flasche leer, während die Niederlande den Letten die Betten mit Käse verfetten doch ist nichts mehr zu retten und the Dutch dürfen nach Hause jetten (holperdipolter)

Buy Nothing Day 2004

Filed under: Panorama - word2go @ 12:52 pm
 
Weil ich gerade wieder so schön am Zitieren fremden Gedankenguts bin, schieb ich gleich eine gute Idee hinterher:

Ein französischer Workshop hat sich tiefgründige Gedanken darüber gemacht, wie wir unsere Arbeitslosenzahlen innerhalb eines einzigen Tages gegen 6 Milliarden torpedieren können. Und weil Kunst grundsätzlich nie Schuld hat, bin ich dafür!


Also, am 26. November gibt’s Aktionskunst vom Feinsten, dann stellen wir uns vor den Aldi, wedeln mit den gesparten Scheinen und ziehen lange Nasen. Und dass mir ja keiner von Euch frierenden Nasen Glühwein kauft!
 

Too much fuck

Filed under: Panorama - word2go @ 12:48 pm
 
Fuckin’ Nils got a fuckin’ blog, where he fuckin’ recommends us to follow a fuckin’ link to a fuckin’ song about fuckin’ people, written by a pretty fucked up vintage of a comedian.
And fuck you this fuckin’ bastard still is fuckin’ hilarious!

May I tempt you?

June 15, 2004

Sperrmüll

Filed under: Kirchliches - word2go @ 12:32 pm
 
Ja, ich gebe es zu. Ich bin ein Wühler! Keine Ansammlung von mehr als zwei alten Stühlen oder Lampen ist vor mir sicher. Und auch wenn ich meist mit leeren Händen von meinen Ausflügen in das Leben der Landstreicher und Resteverwerter zurückkehre, stirbt die Neugier stets zuletzt. Es könnte ja doch einmal irgendetwas Nostalgisches, Wiederverwertbares oder zumindest Interessantes darunter sein. Diesmal erfüllt der Sperrmüllfund sogar alle drei Kriterien.


zum Vergrößern auf das Bild klicken (300kB, lange Ladezeit lohnt aber)



Der evangelische Gemeindebote der Friedenskirche in Heidelberg-Handschuhsheim vom 1. Mai 1933 glänzt nicht nur durch nostalgisches Design. Er ist interessant, weil er uns den euphorischen, fast poetischen Blick eines Kirchenvertreters auf das frühe Nazi-Deutschland gibt:

„…Alles anders geworden ist[es] sodann auch in unsrem geliebten deutschen Volk und Vaterland. Fast über Nacht, wie mit Zaubergewalt ist ein anderer Geist in Deutschland eingezogen und hat alle erfasst oben und unten, groß und klein, alt und jung. Über alles Hoffen hinaus ist allüberall in Nord und Süd, in Ost und West eine Wandlung im Denken und Handeln eingetreten, dass man aus dem Staunen nicht herauskommt und freudigen Herzens feststellen darf: Dieses Deutschland von heute ist ein anderes als das Deutschland von gestern. Aus langem, todesähnlichem Schlaf ist es erwacht und reckt sich empor mächtig und groß und streift die Banden der Schmach und der Knechtschaft ab und wirft die schmutzigen Hüllen weg und steht auf zu rastlosem Wirken in brennender Sehnsucht nach Reinheit und Freiheit nach Größe und Ehre der Nation, vorwärts und aufwärts der Sonne entgegen mit neuem Mut und neuer Kraft und neuem Hoffen. Ganz anders als zuvor! Des sind wir täglich Zeugen. Wir haben die nationale Auferstehung unseres deutschen Volkes erlebt, die gebieterisch nach einer Auferstehung des religiösen, kirchlichen, geistigen und christlichen Menschen ruft…“

Nicht zuletzt besteht die Wiederverwertbarkeit des Textes im mahnend erhobenen Zeigefinger gegenüber der steigenden Anzahl all Jener, die von Aktionismus, Elan und Entschlossenheit eines George Bush fasziniert sind, von der Ohnmacht und Belanglosigkeit der Vereinten Nationen oder dem Zynismus des Völkerrechts faseln und scheinbar ernsthaft davon überzeugt sind, dass ein Rückschritt zu unilateralem bzw. konzertiertem Handeln der Exportschlager unserer westlichen Welt werden könnte.

Diese Menschen mögen vielleicht von guten Absichten geleitet und von der Untätigkeit des Völkerrechts gegenüber den innenpolitischen Grausamkeiten einiger Diktatoren enttäuscht sein. Doch sie verwechseln Äpfel mit Eiern. Es ist nicht das Völkerrecht, welches staatliche Souveränität perpetuiert und Diktatoren schützt. Es muss nicht notwendigerweise ein „jus inter gentes“, ein Recht „zwischen“ den Völkern bleiben, sondern hat durchaus die Perspektive ein Recht „der“ Völker zu werden, eben weil es davon abhängt, was wir daraus machen. Es sind die Staaten selbst, die durch staatszentriertes Denken jeden Tag ihre Souveränität und ihre innenpolitische Autonomie neu erfinden. Das Völkerrecht ist nur der kleinste gemeinsame Nenner den sie sich gegenseitig abgerungen haben.

Es ist demnach bodenloser Unsinn zu hoffen, dass es Staaten sein könnten, die durch das eigenverantwortliche oder gemeinsame Umgehen des Völkerrechts eine neue internationale Gerechtigkeit schaffen werden. „Inter – National“ heißt nun einmal „zwischen Staaten“. Doch Staaten werden die Staatlichkeit nicht antasten. Niemand sägt den Ast auf dem er sitzt. Was die Bushverteidiger dem Völkerrecht also vorwerfen ist, dass es auf transnationaler Ebene nicht erfolgreich ist. Und dabei vergessen sie völlig, dass es genau diese transnationale Ebene von engagierten, aufgeklärten Wissensgesellschaften, Unternehmen, NGO’s und Interessensgruppen ist, die heute mittels ihrer Kontroll- und Multiplikatorfunktion dafür sorgen, dass sich Staaten in aller Regel an die Regeln halten. Das Völkerrecht ist erfolgreich. Es stößt nur da an seine Grenzen, wo sich Staaten aufgrund ihrer „vitalen nationalen Interessen“ ex ante ihre Handlungsautonomie vorbehalten haben, nämlich beim Gewaltmonopol. Dass dieses Gewaltmonopol eine geisterhafte, eitle Erfindung ist, die genau so weit reicht, bis man einem mächtigeren Gegner über den Weg läuft, das verschweigen Staaten gerne. Denn dann geht es ans Eingemachte, nämlich ihre Existenzberechtigung.

Zu glauben, dass ein George Bush jetzt alles besser macht, dass er mit dem großen Besen durch den Hinterhof fegt, Diktatoren mittels Härte und Gewalt zur Demokratie bekehrt und somit endlich und überfällig an einer würdevolleren, gerechteren Zukunft bastelt, ist mehr als naive Einfältigkeit. Man nennt es Meagogie, Selbstverführung, das begeisterte Mitgestalten einer euphorischen Demagogie, die schon immer der Auftakt zu vernichtenden Totalitarismen war:

„Auf zu rastlosem Wirken in brennender Sehnsucht nach Reinheit und Freiheit nach Größe und Ehre der Nation, vorwärts und aufwärts der Sonne entgegen mit neuem Mut und neuer Kraft und neuem Hoffen. Ganz anders als zuvor!“

Die neue Weltordnung! Nackenhaare, die sich sträuben! Die Geschichte des 20. Jahrhunderts ist gepflastert von den Opfern der Utopisten, die ausnahmslos alle Eines im Sinne hatten: alles anders zu machen und die Zukunft der Welt auf Kosten Dritter zu beschleunigen! Hitler, Stalin, Mussolini, Mao, Pol Pot, Suharto…

Diktatoren fallen nicht vom Himmel. Sie alle wurden irgendwann einmal von den Ängsten, der Euphorie und dem Zuspruch ihres Volkes, seinen Hoffnungen und Erwartungen auf eine bessere Zukunft getragen. Eine Zukunft, die so gut zu sein schien, dass man bereit war Regeln aufzuheben, Rechte abzutreten und Freiheit aufzugeben im Kampf für das Richtige, das Wahre.

Vielleicht ist der Text aber nicht nur eine Warnung vor den Zukunftsbeschleunigern, sondern auch eine Mahnung an uns Deutsche oder Europäer, je nachdem, wie wir uns bezeichnen wollen. Eine Mahnung, dass wir endlich herauskommen aus unserer überheblichen, hämischen Ecke und uns wieder mit dem Vereinigten Staaten solidarisieren, denen wir so viel zu verdanken haben. Ich denke, es ist Zeit, dass wir aufhören mit stolzgeschwellter Brust auf und ab zu marschieren und der Welt zu demonstrieren, dass wir gelernt haben aus unserer Geschichte. Im Gegensatz zu den Amerikanern.

Ich will es ja nicht hinausposaunen, aber wir werden langsam unglaubwürdig. Aus der Geschichte zu lernen, heißt nämlich nicht nur zu verstehen, dass sich Geschichte wiederholen kann. Es heißt auch die Prozesse zu verstehen, die es verhindern, dass sich ein Volk selbst aus der Spirale der Demagogie befreit. Und wir werden mit Sicherheit niemanden wachrütteln, über dessen geringe Bildung, fehlende Weitsicht oder mangelnden Horizont wir spotten. Die zunehmenden Klagen über europäischen Antiamerikanismus kommen nicht von ungefähr, sondern sind unmittelbarer Ausdruck der Entfremdung amerikanischer Bürger, die sich unverstanden, ausgelacht und zurückgesetzt und erniedrigt und mit Undank belohnt fühlen. Undank deswegen, weil sie sich auf der richtigen Seite fühlen, weil sie glauben uns etwas Gutes zu tun. Vielleicht sollten wir langsam anfangen sie zu überzeugen, anstatt über sie zu spotten. Wir hatten unsere Genugtuung.

June 9, 2004

Wer hat’s erfunden…?!

Filed under: Satirisches - word2go @ 11:54 am

1993
Klosex, Rinderwahn, ohne Sattel Fahrrad fahren,
Busengrapschen, Furz abfackeln, Nackten auf die Schwänze starren
1994
kollektive Onanie, Hardcore auf dem Schulklosett,
Transen lecken Sahnetitten, bohr Dir doch ein Loch ins Brett

1995
Nüsse mit dem Popo knacken, Knackis die sozial abkacken,
Promis aus der Unterwelt, erzählen Schwachsinn für viel Geld

1996
Kleinsinn, Spießertum, HIV, Positiv,
Schwangerschaft, Wohlstandsnot, totgefickt, ein Mann sieht rot

CHORUS
We didn’t start the fire
It was always burning,
Since the world’s been turning.
We didn’t start the fire
Well we didn’t light it,
But we tried to fight it…

 

June 4, 2004

Danaum fatale munus

Filed under: Panorama - word2go @ 11:50 am
 
Seit Monaten geistert eine Geschichte durch die Niederungen der deutschen Medienlandschaft, die eindeutig mehr Aufmerksamkeit hätte. Zum Einen, weil sie so viele Gesichter hat. Etwa das einer Stadt, die offensichtlich immer noch nicht pleite genug ist, um nicht doch noch ein paar Millionen in die Luft zu pulvern. Oder das eines Steuerflüchtlings der Präsente verteilt, die keine sind. Auch das einer historischen Schuldfrage. Zum Anderen zeigt sie ganz nebenbei auf, wie es aussieht, wenn ein Bundestagsabgeordneter einfach nur gute Arbeit leistet.

Die Geschichte beginnt, wie es Hanno Rauterberg in der "Zeit" so schön darstellt, mit „zwei Lebemännern“. Die stecken eines schönen Abends die Köpfe zusammen. Wie so oft nach ein paar Bieren, kommt man auf die Idee etwas Großes anzufangen, etwas das sich sehen lassen kann, mit dem sich so richtig Eindruck schinden lässt. Er habe da so ein paar Exponate, die er ganz umsonst zur Verfügung stellen würde, flüstert Friedrich Christian Flick seinem Gegenüber zu. Und weil er mit "ein paar" so ziemlich genau 2500 ziemlich wertvolle Stücke von Künstlern wie Bruce Nauman, Neo Rauch oder Martin Kippenberger meinte, war Klaus Wowereit natürlich ziemlich begeistert.

Wenn sich Wowi vor dem ersten Schluck Gerstensaft ein wenig besser informiert hätte, wäre ihm vielleicht aufgefallen, dass die Stadt Zürich dasselbe Angebot aus guten Gründen bereits einmal abgelehnt hatte. Schon da hätte er sich eigentlich fragen sollen, warum ein Mäzen mit einem solch "uneigennützigen" und großzügigen Geschenk hausieren gehen muss. Vielleicht, weil der Enkel des NS-Rüstungsproduzenten Friedrich Flick, der in den Nürnberger Prozessen zu 7 Jahren Haft verurteilt wurde, weil er Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge beschäftigte, einfach Jedermanns Freund wäre, der seine Kollektion ausstellt?

Weil die Aussicht auf kulturelles Renommee und Prestige - genauso wie die Liebe - blind macht, brachte Wowereit die Sache so schnell wie möglich unter Dach und Fach. Flick durfte mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz einen Vertrag abschließen, der ihm erlaubte die Artefakte ab Herbst 2004, als eine siebenjährige Leihgabe an die Stadt Berlin, in Berlin auszustellen.

Verdächtig kam soviel Großmut nicht nur Salomon Korn, dem stellvertretenden Zentralratspräsidenten der Juden in Deutschland, vor, der sogleich polemisierend eine parallele "Göring-Sammlung" vorschlug und dabei auf das zur Finanzierung der Flick-Collection geleistete Blutgeld jüdischer Zwangsarbeiter verwies, sondern auch dem Heidelberger Bundestagsabgeordneten Lothar Binding.

Der finanzpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag entdeckte, dass die geplante Flick-Collection nicht von Friedrich Christian Flick persönlich, sondern von der, im Steuerparadies Guernsey beheimateten, "Contemporary Arts Ltd." präsentiert werden solle, was aus der ganz privaten mildtätigen Gabe ein knallhartes Geschäft macht. Und zwar am deutschen Fiskus vorbei.

Binding forderte daher konsequenterweise den Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin auf, der Kollektion eine Steuernummer zuzuteilen. Nachdem sein Ansinnen von Sarrazin mit dem Hinweis auf das Steuergeheimnis zurückgewiesen wurde, verschärfte Binding den Ton und schreibt in einem zweiten Brief:

Besondere Aufmerksamkeit verdienen dabei Menschen, die sich als Steuerflüchtlinge dem deutschen Fiskus entziehen, um sich der, mit dem in Deutschland angesammelten Vermögen in Zusammenhang stehenden, Verantwortung zu entziehen.

Höchste Aufmerksamkeit verdienen solche Vorgänge, wenn die Entstehungsgeschichte eines Vermögens nicht zweifelsfrei jenseits jener Arbeitsmethoden steht, die einer zivilisierten Gesellschaft unwürdig sind.

Im Klartext. Es ist eine - wenn auch wackelige - Sache, den Versuch zu unternehmen, historische Schuld durch den Dienst an der Allgemeinheit zu lindern. Bis zu diesem Punkt kann ich die Argumentation der Kunstfreudigen verstehen, die Wert und Wichtigkeit der Ausstellung über die historische Dimension stellen.

Es ist jedoch eine ganz andere Sache, wenn sich Herr Flick, der bis heute "aus Prinzip" keine müde Mark in den Wiedergutmachungsfonds der deutschen Wirtschaft eingezahlt hat, nun den Mantel des gönnerhaften Büßers anzieht, um über eine Briefkastenfirma und Steuerhinterziehung aus der "Entnazifizierung" seines Familiennamens Kapital zu schlagen. Und dafür auch noch aus Steuermitteln umfangreich gefördert wird.

So viel Verschlagenheit macht einen sprachlos. Das ist die unterste Stufe der ethischen und moralischen Lernunfähigkeit, das kann auch der heutige "Zeit"-Artikel von Jens Jessen nicht relativieren, der versucht zu besänftigen, indem er darauf verweist, dass wir alle irgendwie noch von den ökonomischen Errungenschaften der Nazizeit zehren.

Sprachlos macht mich auch die Non-Chalance der Berliner Regierung und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gegenüber der öffentlichen Diskussion. Aussitzen waren wir bisher eigentlich vom "Dicken" gewohnt. Deshalb wünsche ich mir mehr Politiker vom Schlag eines Lothar Binding, die ganz unöffentlich aber dafür mit viel Idealismus einfach nur ihren Job tun. Und zwar nicht nach Vorschrift.

“Long Plastic Hallway” To Hell

Filed under: Panorama - word2go @ 11:48 am
 
Der Denkpass lässt uns netterweise beim Lesen von Hunter S. Thompson über die Schulter gucken und teilt dabei Hans Magnus Enzensbergers Meinung vom "Nullmedium Fernsehen". Der verlinkte Spiegelartikel diagnostiziert die Verwechslung von Demoskopie mit Demokratie. Die These, dass dem nicht unbedingt so ist, sondern sich Dummheit selbst erfindet, habe ich zu einem früheren Zeitpunkt schon einmal vertreten.

Jetzt überlege ich, ob mein unkommentierter Arsch auf dieser Website trashig genug wäre, um vom Perlentaucher gefunden zu werden?

Vielleicht sollte ich noch einen Intelligenztest für den Idealtypus des Medienkonsumenten darunter stellen:

Italien verhält sich zu Rom, wie Deutschland zu

a) Stefan Raab
b) Dschungelcamp
c) Turnschuh
d) Berlin

Auto Gen es Training

Filed under: Satirisches - word2go @ 11:44 am
Hier kann frau sehen, was passiert, wenn ein Autoliebhaber seine bessere Hälfte wirklich liebt. Er verkauft die Leiche bei ebay!

Dieses Auto wollen Sie nicht kaufen! Es ist tot. Meine Frau hat es getötet. Ausserdem verführt es entweder Ihre Frau zum rasanten Fahren oder es zieht andere Verkehrsteilnehmer (Wegbegrenzungen, Einfahrtsbegrenzungen, andere !!!stehende!!! Autos etc) magisch an.

Dieses Auto hat eine Geschichte. Gekauft haben wir es, als unsere erste Tochter sich angekündigt hat. Das war im Herbst 1997. Es hat uns auch gute Dienste geleistet, musste aber von Anfang an viel einstecken. Die erste Beule hat sich mein Bruder…

Und der Spiggl schiebt die passende Erklärung für das Phänomen gleich hinterher…

PS.: An alle meine weiblichen Leser. Ich habe übrigens selbst eine Rallyefrau zuhause, die gerne mal das Gaspedal durchdrückt ohne ständig irgenwo anzubumsen (liebe Germanistinnen: kommt da jetzt noch ein Komma rein oder haben die das wegrationalisiert? Kurzer Infinitiv mit/ohne Objekt? Bitte um Erklärung). Deshalb habe ich auch gar keine Vorurteile.

Aber polarisieren macht halt soooooo viel Spaß.

June 2, 2004

multilinguale Prolosie

Filed under: Schriftwerk - word2go @ 11:40 am

heute: Italo-deutscheln

Meine Tante di(e) Grazie
lascia mi tirare den Wagen aka zie(he)n
Bäume säumen den Weg, den
via Appia nach Rom wir begehen.

ora est your turn…

Get free blog up and running in minutes with Blogsome
Theme designed by Alex King