DER HOHLSPIEGEL
Heute gibt es das Internet und jeder Blogger kennt das Phänomen: die Finger schreiben schneller als das Hirn denkt, aber macht ja nix, man kann den Text ja im Nachhinein redaktionell überarbeiten.
Doch machen Journalisten oft nicht nur Rechtschreib-, sondern auch Sinnfehler. Und wenn dann der Redakteur zu faul war, den Text zu lesen - Online-Redaktion spart ja in erster Linie Zeit und die ist bekanntlich viel zu knapp bemessen - kann es manchmal ziemlich peinlich werden. Für Journalist, Redakteur und manchmal auch das Blatt. Natürlich nur dann, wenn der Leser aufmerksam liest. Was ich wohl getan habe, sonst würde ich diesen Text nicht schreiben (in Anerkennung mir selbst auf die Schulter klopfend, eigenen Speichel leckend).
Kurzer Rede langer Sinn: peinlich sollte diesmal Spiegelschreiberling Severin Weiland dessen, mit Verlaub, äußert dümmlicher Artikel zu Michael Wolffsohns Faux Pas bei Sandra Maischberger sein (sie kann also doch noch nachfragen).
Der Historiker der Bundeswehruniversität München hatte am 5. Mai bei Maischberger zu(m Besten) gegeben, dass er Folter bei Kriegsgefangenen verabscheue, bei Terroristen jedoch befürworte, da sich diese mittels ihrer abscheulichen Taten den "Bewertungsgrundlagen unserer zivilisierten Ordnung" entzögen und man bei ihnen deswegen "mit herkömmlichen Methoden" nicht mehr auskomme.
Ich will mich auch gar nicht lange zu Wolffsohns Logorhoe auslassen, sondern nur kurz auf Aristoteles’, Hobbes’ und Sloterdijks Definition dazu verweisen, was mit Menschen, bzw. Staaten passiert, die sich außerhalb der Normenkodizes von Gesellschaften stellen. Im Grunde sind sich alle drei ziemlich einig darin, dass so etwas gar nicht funktioniert, man müsste schon ein Gott sein, auf jeden Fall wären solche Leute/Staaten ziemlich einsam.
Ist also schon mal nichts mit dem Entzug aus unseren Bewertungsgrundlagen Herr Professor, gell. Wär ja schön blöd, wenn wir Terrorismus gar nicht mehr "Scheiße" finden dürften, oder? Was mich zu der Schlußfolgerung bringt, dass Sie wohl an so eine Art "Nichtmenschen" gedacht haben müssen. Leider muß ich Sie enttäuschen, da haben, auf gut bayrisch, auch schon deppertere Deppen gedacht. Also, ein dreifaches: "Depperter Depp, depperter Du…"
Ach ja, ein Zweites noch. Der Professor scheint auch Nachhilfebedarf in kausaler Logik zu haben. Ihr wisst, das ist die Sache mit dem Regen. Wenn es regnet, dann kann man daraus folgern, dass die Straße nass wird, man kann jedoch nicht den Umkehrschluss ziehen und behaupten, dass es unbedingt geregnet haben muss, wenn die Straße nass ist. Kann ja auch der Gärtner mit dem Gartenschlauch sich ein wenig verspritzt haben.
Nun gut, angenommen Wolffsohn hätte Recht, und Terroristen wären wirklich in der Lage sich unseren Bewertungskriterien zu entziehen, dann ist es trotzdem ziemlich waghalsig zu folgern, sie wären resistenter gegen die herkömmlichen Methoden polizeilicher Befragung als "normale" Menschen. Wo bitte ist der kausale Zusammenhang? Ich meine, ich sehe ein, es wäre wahrscheinlich eine notwendige Bedingung für Göttlichkeit.
Halt. Stop, das muß ich revidieren. Es wäre eine notwendige Folge der Einsamkeit im hobbes’schen, bzw. sloterdijk’schen Sinne. Wo der einsame Wanderer so einsam wandert, dass er niemals zur Gesellschaft und die Gesellschaft niemals zu ihm kommt, könnte man ihn auch mit herkömmlichen Methoden der Physik nicht mehr erreichen (an dieser Stelle: where the fuck is Bin Ladin?).
Es wäre aber wohl keine Folge der Göttlichkeit, denn hier könnte, nach Wolffsohns Meinung, der Göttliche mittels der physikalischen Methode des "Zigarettenkippen auf dem Arm Ausdrückens" wieder auf den Boden der Tatsachen, bzw. der gesellschaftlichen Belangbarkeit zurückgeholt werden. Und wenn Gott das nach alldem trotzdem nicht einsehen will, können wir ihn ja immer noch kreuzigen, gell Herr Professor? Soll ja auch schon vorgekommen sein.
Jetzt habe ich mich doch länger ausgelassen, und eigentlich wollte ich doch nur etwas über Severin Weiland und eitle, bzw. faule Spiegelredakteure erzählen. War aber auch zu verlockend. Also der Severin hat seinen Artikel eigentlich ganz ordentlich angefangen und hat auch durchblicken lassen, dass sowohl sein, als auch der common sense nichts, aber auch gar nichts von Wolffsohns Meinung halten und es so gut wie Banane ist, ob die Folteropfer nun Kriegsgefangene oder Terroristen sind. Foltern ist eben einfach immer "Scheiße".
Soweit so gut. Doch dann das:
Lieber Severin, ich muß Dir leider sagen, Du bist inkontinent. Äh, inkonsistent. Die Frage, ob Kriegsgefanger oder Terrorist, stellt sich doch gar nicht mehr. Es geht um den Uniprof. Nicht um Deine Meinung zum Irakkrieg. Auch, wenn die nach allem, was ich bis jetzt gelesen habe ganz passabel ist.
Also, setzen sechs.
Und für Deinen Lehrer/Redakteur auch. Die faule Sau.
Aufmerksamer lesen in Zukunft!
current mood: wandering
currently listening: I’m a wanderer


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