Von Sozialneid und Massenträgheit
So ein Sari ist, selbst in Indien, nun nicht gerade Allerweltskleidung, sondern so etwas wie edle Garderobe und deswegen nicht nur ganz chön charf, sondern auch ganz schön teuer. Für den Alltag reichen billige westliche Jeans und T-Shirts, die vor der eigenen Haustür für Charles & Anthony, bzw. Karl & Ludwig Rupert produziert und dort übrigens auch gefärbt werden. Die europäische „nichttarifäre Handelsschranke“ auf, mit „gesundheitsschädlichen“ Farbstoffen behandelte Textilien aus Nicht-EU-Staaten, gilt ja nur für Firmen, die ihren Firmensitz außerhalb der EU haben. Soviel zum fairen Freihandel. Auf jeden Fall kann man sich vorstellen, dass bei einer kostenlosen Verteilung von Saris im Elendsviertel von Lucknow, immerhin nach Kalkutta die zweitheruntergekommenste Stadt Indiens, ein gewisser Andrang entstehen kann.
Nun gut, was hat das jetzt mit Westerwelle zu tun? Eigentlich gar nichts, denn wenn der, auf Wahlkampf, mit seinem Guidomobil um die Ecke käme und kostenlose Blow Jobs anböte, wäre jeder öffentliche Platz in Sekunden leergefegt. Außer er logiert gerade vor einem x-beliebigen Institut für Betriebswirtschaftslehre. Dann könnte zumindest ein gewisser Andrang entstehen. Jedoch nur unter der Voraussetzung dass mindestens 7% der Betriebswirtschaftslehrlinge schwul und gleichzeitig FDP Wähler wären. Eine für Guido, der ja nicht irgendwo einfach mit dem Fallschirm locker drübergleiten kann, schier unüberwindliche Hürde.
Vielleicht sollte Guido Westerwelle mal Bärbel Mohrs Buch „Universum & Co. Kosmische Kicks für mehr Spaß im Beruf“ lesen. Sie zitiert darin den Unternehmensberater Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger, dessen Steckenpferd das „business reframing“ ist. Laut Berger müssen bei der Umstrukturierung eines Unternehmens nur 7% der Belegschaft den neuen modus vivendi mittragen, um den Rest der Belegschaft mitzureißen. Übertragen auf hundert in der Gegend herumstehende Betriebswirtschaftstudenten heißt das dann, dass die FDP nur sieben Studenten bestechen muss, sich von Guido einen BJ zu holen, dann rennen alle hinterher. Na, das ist doch ein Leichtes, oder?
Was sich nicht alles über den Herdentrieb beweisen lässt!? V.a. ärgert mich, dass nicht ich auf die geniale Idee gekommen bin, den Zusammenhang zwischen Sozialneid und Massenträgheit zu barer Münze zu machen. Nicht beachtet hat diesen Zusammenhang jedenfalls Vajpayees BJP bei der Verteilung kostenloser Saris, was zu einer Art Winterschlussverkauf hoch 95 geführt hat, wobei sich das Wort „hoch“ sprichwörtlich aufs Stapeln bezieht. Und da selbst der stärksten Inderin ab einer gewissen Stapelhöhe irgendwann die Luft ausgeht, endete die gut gemeinte Wahlkampfaktion mit Toten und Verletzten. Auch wenn das eigentlich etwas sehr tragisches ist, konnte ich doch beim zweiten Lesen der Pressemeldung einem Schmunzeln und Kopfschütteln ob des Zustandekommens der Tragödie nicht widerstehen. Ich meine, in Deutschland muss man die Menschen schon an den Wahlkampfstand prügeln, oder kann sich irgendjemand vorstellen, dass wir uns um freiheitlich demokratische BJ’s, Sozialdemokratische Luftballons oder Christdemokratische Radiergummis kloppen?
O.k. eine polnische Partei sollte als Wahlkampfgag vielleicht nicht unbedingt einen Media Markt eröffnen, wie man auf folgenden Photos einwandfrei erkennen kann.
Also wenn das die besagten 7% sind, die dort an der Tür kleben…ohne Worte.
Für mich ergibt das eine „Top Five“ von Dingen, die eine deutsche Partei im Wahlkampf niemals tun sollte:
5. Sozialscheine für einen Urlaub in Florida ausstellen Ausreisehallen können zu gefährlichen Engpässen mutieren).
4. Gratisexemplare von Harry Potter verteilen.
3. Ein Gratisweißwurstfrühstück mit den bayrischen Ministerpräsidenten ansetzen (ja, ich weiß, Bayern ist klein und nicht allzu dicht bevölkert, aber versucht ihr mal Regensburg, Straubing und Passau in ein Weißbierzelt zu pressen).
2. Die Fluchtwege versperren, wenn Guido Gratis-BJ’s verteilt.
1. Eine Treibjagd auf Bundeskanzler Gerhard Schröder veranstalten.




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