Die Strategie der Schnecke
gestern war Kinotag…
Es ist 7 Uhr morgens. Der korrekt gekleidete, etwas pomadige Reporter des lokalen Fernsehsenders gleitet sich noch einmal mit den Fingern durch das ohnehin schon anliegende Haar und stellt sich in Position. Eine Hausräumung ist angesetzt, was im Kolumbien der 90er Jahre, dank Polizei und Militär, für die Presse fast immer ein gefundenes Fressen ist.
Während sich Kameramann und Tonassistent, zwischen Polizisten und herumstehenden Leiterwägen eingekeilt, noch gegenseitig auf die Füße treten, ergreift ein alter Mann das Wort… Und erzählt die unglaubliche Geschichte von Romero, Don Jacinto, Gabriel und ihren Freunden. Eine Geschichte zwischen Anarchie und feinfühliger, ja akribischer Gesetzestreue, zwischen archimedischer Genialität und herzerweichender Gläubigkeit in einer Gemeinschaft von Mietern, die es bleiben wollen aber nicht dürfen. Also leisten sie Widerstand. Wenn auch reichlich unkonventionellen.
Mit „Die Strategie der Schnecke“ ist Sergio Cabrera ein wundervoller Film über die Gemeinschaft und was man in ihr erreichen kann wenn man zusammen hält, gelungen. Dabei kommt der Film so gut wie ohne Spezialeffekte aus, weil die Charaktere selbst Bilder von außerordentlicher Tiefe zeichnen.


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