Nur Gedanken

April 28, 2004

“Blair weiß, was er da tut”

Filed under: Politisches - word2go @ 10:03 am
So so, Martin Schulz glaubt also, dass Tony Blair weiß, was er macht, indem er die Entscheidung über die EU-Verfassung in die Hände des britischen Volkes legt. Wer ist eigentlich Martin Schulz, dass er so etwas sagen kann und dafür auch noch im Spiegel zitiert wird? Martin Schulz vertritt für die SPD den Kreis Aachen im Europäischen Parlament. Ah, genau… da sind ja jetzt bald Wahlen. Logo, dass sich da auch die gut verdienenden, sonst aber gänzlich unbekannten Europapolitiker profilieren müssen.

Lieber Herr Schulz, natürlich weiß Tony Blair, was er da macht. Ich befürchte allerdings, dass Ihnen seine Absichten nicht wirklich gefallen. Vielleicht sollten sie einmal überlegen, ob Tony Blair überhaupt wollen kann, dass Großbritannien der EU-Verfassung beistimmt. „Können hätt’ er schon getan aber wollen können wird er wohl nicht wollen“ kann ich hier nur in Polt’scher Manier sagen. Was glauben sie denn, dass Tony Blair in den letzten zwei Jahren getan hat? Genau, er hat ein paar Leuten geholfen ihre Politikziele zu verfolgen. Zufälligerweise haben diese Leute nicht allzu viel mit der EU am Hut. Nein, sie haben eher eklatant etwas gegen sie, ihre EU-Phobie kann schon fast als manisch bezeichnet werden.

Sie wollen Beispiele? Na, dann gehen wir doch einfach mal die Veröffentlichungslisten mancher der amerikanischen Politologen durch, die als die Geistesväter der Außenpolitik der Bushadministration gelten (Schon allein die Titel der Veröffentlichungen sind teils zum Haare raufen):

Nehmen wir z. B. Joseph M. Grieco. Mr. Grieco ist Mitglied des “Projects for the New American Century, wie alle nachfolgend zitierten Autoren. Die letzten Jahre verbrachte Grieco damit, Aufsätze über die Europäische Union zu schreiben, die alle in der selben Schlussfolgerung enden: Der Erfolg der EU sei nicht auf freiwillige Kooperation der Mitgliedsstaaten zurückzuführen, sondern verdecke ein latentes Machtgefälle zwischen den Mitgliedsstaaten. Die EU verzerre zudem den internationalen Wettbewerb, vernachlässige Verteidigungsaspekte und sei deshalb eine Gefahr für die Internationale Sicherheit.

Ausgewählte Aufsätze:

"State Interests and International Rule Trajectories: A Neorealist Interpretation of the Maastricht Treaty and European Economic and Monetary Union," Security Studies 5 (Spring 1996): 176-222.
"Anarchy and the Limits of Cooperation: A Realist Critique of the Newest Liberal Institutionalism," International Organization 42 (Summer 1988): 485-508.
"The Maastricht Treaty, Economic and Monetary Union, and the Neorealist Research Programme," Review of International Studies 21 (January 1995): 21-40.

Stärker in die militärische Kerbe schlägt John Mearsheimer. Für ihn bedeutet die EU nichts anderes als ein Hindernis, das auf dem Weg zu amerikanischer Hegemonität, beseitigt werden muss. Ohne einen Hegemon gebe es keine Stabilität, Unruhe und Chaos seien die Folge. So zumindest sieht es Mearsheimer. Zusammen mit Richard Perle gilt Mearsheimer als der Vater der „umgekehrten“ Dominotheorie, die besagt, dass nach der Befriedung des Irak auch die anderen totalitären Regime des Nahen Osten zusammenbrechen werden. Vielleicht bekommen meine Ur-Urenkel ja einmal die Gelegenheit, diese These empirisch zu überprüfen.

Ausgewählte Aufsätze:

John J. Mearsheimer and Stephen Van Evera, "When Peace Means War," New Republic, December 18, 1995, pp. 16-21.
John J. Mearsheimer, "The False Promise of International Institutions," International Security, Vol. 19, No. 3 (Winter 1994/1995), pp. 5-49.
John J. Mearsheimer, "The Future of the American Pacifier," Foreign Affairs, Vol. 80, No. 5 (September/October, 2001), pp. 46-61.
John J. Mearsheimer, "Disorder Restored," in Graham Allison and Gregory Treverton, eds., Rethinking America’s Security: Beyond Cold War to New World Order (New York: Norton, 1992), pp. 213-237.

Kommen wir nun zu meinem ganz speziellen Freund Robert Kagan. Vor dem 11. September 2001 ein zweitklassiger Politologe und am rechten Rand angesiedelter Kolumnist der Washington Post, gilt er seit seinem Buch „Of Power and Weakness“ als der Mann, der das Rad neu erfunden hat. Selbst in Deutschland ist das Buch ständig vergriffen, damit haben sich nämlich die Politik-Erstsemester ausgerüstet. Im Gegensatz zu Mearsheimer hat Kagan bereits begriffen, dass ein militärischer Konflikt zwischen den USA und der EU extrem unwahrscheinlich ist, was ihn nicht davon abhält ein wenig mehr zu tun, als nur zu sticheln. Seine Taktik ist, die EU durch ganz viel Häme und Spott so sehr zu reizen, dass sie endlich ihren maroden Militärbestand aufstockt, militärisch unabhängig wird und endlich auch mal robuste Einsätze allein bewältigen kann. Das berühmte Rumfeld`sche Zitat vom „Alten“ und „Neuen“ Europa ist auf seinem Mist gewachsen.

In Ermangelung referenzwürdiger Literatur hier nur ein Buch:

Robert Kagan: "Macht und Ohnmacht" Amerika und Europa in der neuen Weltordnung Siedler Verlag, 127 Seiten

Lieber Herr Schulz, werden sie bei so viel Kritik gegenüber der EU nicht vielleicht doch ein wenig nachdenklich? Nein? Auch gut. Bei mir läuten jedenfalls die Alarmglocken, wenn Tony mal wieder eine „spontane“ Idee hat.

April 25, 2004

K(n)öpfchen muß man haben

Filed under: Satirisches - word2go @ 9:59 am



Nun ist es so weit. Boris Becker, das Rumpelstilzchen des Talkshowhoppings hat seine eigene Fernsehshow bekommen. Und schon der Titel der Sendung beweist Fairness: Boris 1:1 und nicht etwa 40:15 wird sie heißen. Boris stellt sich also ganz bewußt auf eine Stufe mit seinen Gästen, ohne sich bereits im Vorfeld einen Vorteil zu verschaffen. Doch der Titel 1:1 drückt noch mehr aus. Tennis ist ein Einzelsport und Boris ein Kämpferherz. Er verspricht damit dem Zuschauer, niemals locker zu lassen und selbst den verschwiegensten Gast notfalls in den Tiebreak zu führen. Der Beckerhecht wird nach der ersten Sendung eine ganz neue Dimension erhalten.

Schon jetzt wappnet sich die deutsche Talkshowriege. Große Konkurrenz ist im Anmarsch. Auch Kerner und Beckmann haben ja mal beim Sport angefangen. Wo sie ehrlich gesagt hätten bleiben sollen. Seit Margarethe Schreinemakers hat zumindest keiner mehr so einfühlsame Interviews geführt wie J. Baptist Kerner. Außer vielleicht die neue Grand Dame des Politikern-in-den-Arsch-Kriechens Sandra Maischberger. Dass die tatsächlich Mal beim Schlachthof angefangen hat? Obwohl, mittlerweile ist ja sogar der Jauch ganz nett. Da lob ich mir doch Thomas Gottschalks Anarcho-Locken. Über 70 Jahre Fernsehgeschichte „straight“ zu bleiben ist eine Leistung. Applaus.

Anarchische Talkshowzeiten werden jetzt auch bei Becker auf uns zu kommen:

BB: „Äah sag mal David, he, he…, wie ist das denn jetzt mit den Frauen.“

Simultandolmetscherin übersetzt die Frage in SMS: Klick, Doppelklick *#…

DB tippt in sein Handy: „Er, I zap them on TV”

Simultandolmetscherin: “Er knallt sie auf dem Fernseher ab.”

BB: „Sie meinen bestimmt, Sie knallen sie vor dem Fernseher.“

Simultandolmetscherin: „So you snap them in front of the TV?“

DB: "No, mostly I’m getting lashed”

BB: “But that’s not posh!!”

DB: “No, Robbie!”

Doch nicht nur David Beckham wird mit Boris einen Seelenverwandten zum Plaudern finden. Auch der halbe FC Bayern, die LA Lakers und Showgrößen wie Mike Tyson werden immer auf ein offenes Ohr stoßen. Der Bobberle, der ist einer, dem sich die Herzen öffnen und vielleicht, ja vielleicht muß sich sogar Antje Engelche oder so in Acht nehmen vor der Leimener Unterhaltungskanone. Die Jagd auf Haralds Thronfolge ist eröffnet. Denn seien wir doch mal ehrlich. Eine Frau auf Haralds Platz?

Hallo Männer! Aufwachen!!! Habt Ihr darüber überhaupt schon einmal nachgedacht? Es geht um unsere allerletzte Bastion. Versteht Ihr das? Al Bundy ist seit 150 Jahren mumifiziert, Tim Taylor hämmert nur noch auf der Schnabeltasse und wer von Euch behaupten kann, er hätte innerhalb der letzten fünf Jahre zu Hause im Stehen gepinkelt, der lügt.

Wir brauchen Boris. Wenn auch nur dafür, um das Umschaltknöpfchen guten Gewissens zu bedienen. Soll ja keine(r) behaupten können, die Emanzitipizipagrrrmphhh hätte uns nicht pragmatisch gemacht.

April 21, 2004

Núnca mas – Nichts geht mehr

Filed under: Panorama - word2go @ 9:44 am

Verlebt, verfettet und von Drogen zerfressen kämpft Diego Armando Maradona auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Buenos Aires um sein Leben. Dabei hatte er es einfach nur zu sehr genossen. Denn er war nicht immer der „pibe de oro“, der Goldjunge, wie sie ihn zu Hause in Argentinien nannten. Aus dem dreckigsten Slum von Buenos Aires, der Villa Fiorito, in der es nicht einmal mehr Polizeiposten gibt, hat ihn 1968 Angel Gimeno, der noch heute die Kids der Straße trainiert und den alle nur „Tio“, den Onkel nennen, herausgezogen. Als Siebenjährigen. Wer sollte ihm seinen Lebensstil also mißgönnen.

Maradona und die Villa Fiorita stehen symptomatisch für die Leiden und die exzessiven Unterschiede Argentiniens. Sich aus der Armut zu emanzipieren, im Konzert der Großen mitzuspielen… wer träumt diesen Traum nicht? Im Jahr 2000 wurde die Villa Fiorita regelrecht von der Außenwelt abgeriegelt. Einige Strategen des Internationalen Währungsfonds unter dem Kommando unseres zukünftigen Bundespräsidenten hatten befürchtet, dass die vom IWF auferlegten Strukturanpassungsmaßnahmen zu Unruhen führen könnten, die Villa Fiorito als möglichen Ursprungsort ausgemacht und der argentinischen Rechtsregierung zu diesem Schritt geraten.

Die Strategen sollten recht behalten. Die Unruhen kamen. Der Ausnahmezustand wurde verhängt. Dass die Unruhen eine konsequente Reaktion auf die verheerende Finanzpolitik des IWF gegenüber Argentinien war, fiel dabei - nicht unerwünscht - unter den Tisch. Offiziell zeigte man sich besorgt und versprach rasche und unbürokratische Hilfe. Natürlich nur unter der Voraussetzung, dass sich die argentinischen Polizeikräfte an die Menschenrechte halten. „Good Governance“ muss ja schließlich sein.

Heute ist der Unterschied zwischen Arm und Reich so groß wie nie zuvor, die argentinische Wirtschaft am Boden und der Staat bankrott. Banken und ganze Industrien haben sich wie Maradona zu Tode gefickt, gefeiert und gekokst im Rausch der internationalen Märkte. Warum? Weil sie alle mitspielen wollten in der Welt der Großen? Wohl eher, weil sie es mussten. Welche Wahl hatte die argentinische Regierung? Die Konditionen des IWF ausschlagen? Idealistisch, aber naiv! Die Zeiten, als Dependenztheoretiker in Südamerika punkten konnten sind Geschichte. Spätestens seit Cardoso selbst sie zur Geschichte erklärt und Brasilien auf den fahrenden Zug der Globalisierung gesetzt hat.

Der Patient Argentinien ist mindestens genauso todkrank wie der Patient Maradona, doch kann Ersterer vom Zweiten lernen. Selbst wenn Maradona seinen Aufstieg und Ruhm nicht verkraftet hat, so hat er ihn nur deshalb geschafft, weil er anders war, er selbst war, einzigartig war. Ob sich Argentinien emanzipieren kann? Es ist heute schwerer als noch vor ein paar Jahren, wie der Cartoon unten zeigt. Es reicht nicht mehr, nur der Versuchung zu widerstehen. Die Karotte ist bewaffnet und der Esel mit blauen Flecken übersät.

April 17, 2004

Von Sozialneid und Massenträgheit

Filed under: Satirisches - word2go @ 9:37 am


Eigentlich ist Atal Behari Vajpayee ein ganz netter Kerl. Ein wenig nationalistisch vielleicht, aber das gehört in Indien schon zum guten Ton und ist bei Nachbarn wie China und Pakistan auch nicht unbedingt verwunderlich. Hauptberuflich ist Vajpayee Ministerpräsident Indiens und Vorsitzender der Bharatyia Janata Partei. Weil sein Name nicht unbedingt der aussprechbarste ist, hier eine kleine Eselsbrücke: Watsch Pah Iiiii! - Das erinnert mich an einen, übrigens indischen, ehemaligen Studienkollegen, der uns riet, beim Prononcieren des Sprach- und Sozialwissenschaftlers Richard Rorty die Zunge unter dem Gaumen zu verknoten und dann ganz locker Roarrrrrty zu schnurren. Das käme am besten mit einem Glas Whiskey und einer Zigarre in einem fetten Ledersessel sitzend. Danke Anil, ich arbeite noch immer an der Inneneinrichtung!“ - Und die Bharatyia Janata Partei ist abgekürzt einfach die BJP, was soviel heißt wie Blow Job Partei, oder so. Allerdings verteilt die auf ihren Wahlkampfveranstaltungen keine BJ’s, sondern ganz züchtig Saris, das sind die Wickelgewänder, die den indischen Frauen den ganz besonderen, mystischen Touch geben.

So ein Sari ist, selbst in Indien, nun nicht gerade Allerweltskleidung, sondern so etwas wie edle Garderobe und deswegen nicht nur ganz chön charf, sondern auch ganz schön teuer. Für den Alltag reichen billige westliche Jeans und T-Shirts, die vor der eigenen Haustür für Charles & Anthony, bzw. Karl & Ludwig Rupert produziert und dort übrigens auch gefärbt werden. Die europäische „nichttarifäre Handelsschranke“ auf, mit „gesundheitsschädlichen“ Farbstoffen behandelte Textilien aus Nicht-EU-Staaten, gilt ja nur für Firmen, die ihren Firmensitz außerhalb der EU haben. Soviel zum fairen Freihandel. Auf jeden Fall kann man sich vorstellen, dass bei einer kostenlosen Verteilung von Saris im Elendsviertel von Lucknow, immerhin nach Kalkutta die zweitheruntergekommenste Stadt Indiens, ein gewisser Andrang entstehen kann.

Nun gut, was hat das jetzt mit Westerwelle zu tun? Eigentlich gar nichts, denn wenn der, auf Wahlkampf, mit seinem Guidomobil um die Ecke käme und kostenlose Blow Jobs anböte, wäre jeder öffentliche Platz in Sekunden leergefegt. Außer er logiert gerade vor einem x-beliebigen Institut für Betriebswirtschaftslehre. Dann könnte zumindest ein gewisser Andrang entstehen. Jedoch nur unter der Voraussetzung dass mindestens 7% der Betriebswirtschaftslehrlinge schwul und gleichzeitig FDP Wähler wären. Eine für Guido, der ja nicht irgendwo einfach mit dem Fallschirm locker drübergleiten kann, schier unüberwindliche Hürde.

Vielleicht sollte Guido Westerwelle mal Bärbel Mohrs Buch „Universum & Co. Kosmische Kicks für mehr Spaß im Beruf“ lesen. Sie zitiert darin den Unternehmensberater Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger, dessen Steckenpferd das „business reframing“ ist. Laut Berger müssen bei der Umstrukturierung eines Unternehmens nur 7% der Belegschaft den neuen modus vivendi mittragen, um den Rest der Belegschaft mitzureißen. Übertragen auf hundert in der Gegend herumstehende Betriebswirtschaftstudenten heißt das dann, dass die FDP nur sieben Studenten bestechen muss, sich von Guido einen BJ zu holen, dann rennen alle hinterher. Na, das ist doch ein Leichtes, oder?

Was sich nicht alles über den Herdentrieb beweisen lässt!? V.a. ärgert mich, dass nicht ich auf die geniale Idee gekommen bin, den Zusammenhang zwischen Sozialneid und Massenträgheit zu barer Münze zu machen. Nicht beachtet hat diesen Zusammenhang jedenfalls Vajpayees BJP bei der Verteilung kostenloser Saris, was zu einer Art Winterschlussverkauf hoch 95 geführt hat, wobei sich das Wort „hoch“ sprichwörtlich aufs Stapeln bezieht. Und da selbst der stärksten Inderin ab einer gewissen Stapelhöhe irgendwann die Luft ausgeht, endete die gut gemeinte Wahlkampfaktion mit Toten und Verletzten. Auch wenn das eigentlich etwas sehr tragisches ist, konnte ich doch beim zweiten Lesen der Pressemeldung einem Schmunzeln und Kopfschütteln ob des Zustandekommens der Tragödie nicht widerstehen. Ich meine, in Deutschland muss man die Menschen schon an den Wahlkampfstand prügeln, oder kann sich irgendjemand vorstellen, dass wir uns um freiheitlich demokratische BJ’s, Sozialdemokratische Luftballons oder Christdemokratische Radiergummis kloppen?

O.k. eine polnische Partei sollte als Wahlkampfgag vielleicht nicht unbedingt einen Media Markt eröffnen, wie man auf folgenden Photos einwandfrei erkennen kann.


Also wenn das die besagten 7% sind, die dort an der Tür kleben…ohne Worte.

Für mich ergibt das eine „Top Five“ von Dingen, die eine deutsche Partei im Wahlkampf niemals tun sollte:

5. Sozialscheine für einen Urlaub in Florida ausstellen Ausreisehallen können zu gefährlichen Engpässen mutieren).

4. Gratisexemplare von Harry Potter verteilen.

3. Ein Gratisweißwurstfrühstück mit den bayrischen Ministerpräsidenten ansetzen (ja, ich weiß, Bayern ist klein und nicht allzu dicht bevölkert, aber versucht ihr mal Regensburg, Straubing und Passau in ein Weißbierzelt zu pressen).

2. Die Fluchtwege versperren, wenn Guido Gratis-BJ’s verteilt.

1. Eine Treibjagd auf Bundeskanzler Gerhard Schröder veranstalten.

Aphorismus2go

Filed under: Schriftwerk - word2go @ 9:32 am

"Mut ist ein schlummernder Bär,
der allzu oft seinen Wecker überhört"

April 16, 2004

Der WWF warnt:

Filed under: Satirisches - word2go @ 9:27 am

EURO gefährdet Berliner Artenvielfalt!

April 14, 2004

Die Strategie der Schnecke

Filed under: Rezensionen - word2go @ 9:24 am
(Kolumbien 1993, span. mit dt. Untertitel)

gestern war Kinotag…
Es ist 7 Uhr morgens. Der korrekt gekleidete, etwas pomadige Reporter des lokalen Fernsehsenders gleitet sich noch einmal mit den Fingern durch das ohnehin schon anliegende Haar und stellt sich in Position. Eine Hausräumung ist angesetzt, was im Kolumbien der 90er Jahre, dank Polizei und Militär, für die Presse fast immer ein gefundenes Fressen ist.

Während sich Kameramann und Tonassistent, zwischen Polizisten und herumstehenden Leiterwägen eingekeilt, noch gegenseitig auf die Füße treten, ergreift ein alter Mann das Wort… Und erzählt die unglaubliche Geschichte von Romero, Don Jacinto, Gabriel und ihren Freunden. Eine Geschichte zwischen Anarchie und feinfühliger, ja akribischer Gesetzestreue, zwischen archimedischer Genialität und herzerweichender Gläubigkeit in einer Gemeinschaft von Mietern, die es bleiben wollen aber nicht dürfen. Also leisten sie Widerstand. Wenn auch reichlich unkonventionellen.

Mit „Die Strategie der Schnecke“ ist Sergio Cabrera ein wundervoller Film über die Gemeinschaft und was man in ihr erreichen kann wenn man zusammen hält, gelungen. Dabei kommt der Film so gut wie ohne Spezialeffekte aus, weil die Charaktere selbst Bilder von außerordentlicher Tiefe zeichnen.

Why Steyrer Buam dont need guns…

Filed under: Satirisches - word2go @ 9:19 am



picture by: toothpastefordinner

(14.04.2008, Oral Office)
Monica L. Assistentin der präsidentschaftlichen Praktikumsbörse liegt mit gespaltener Schädeldecke neben dem Kaminsims. Präsident Arnold Schwarzenegger greift zum Telefon und lässt sich durchstellen: "Dick, cum up here. Quick! Monica was polishing my banana and suddenly it went off."

(14.04.2028, Alcatraz)
Der als Sperminator berüchtigte A.S., ehemaliger amerikanischer Präsident, wird in den Vereinigten totalitären Regimen von Texas und Californien aus der Haft entlassen, die er für die fahrlässige Tötung einer gewissen Monica L. absaß. S. war damals verurteilt worden, weil sein Anwalt Bill C. auf "Gottheit" plädoyiert hatte.

April 12, 2004

Kein Lied für Istanbul

Filed under: Musikalisches - word2go @ 9:15 am


gerade meiner Gitarre entfleucht… aufgeschrieben, bevor vergessen…

Das ist ein Liebeslied, liebes Lied…

April 3, 2004

Babylonische Sprachverwirrung

Filed under: Politisches - word2go @ 9:11 am

„Recht hat nicht mit Vergebung zu tun. Es hat oft mit Vergeltung zu tun und oft sogar mit Rache." (John Ashcroft/US-Justizminister)


Der Stolz und die Beute

Über Symbole wurde viel geredet seit dem 11. September 2001. Auch über die Verständigungsprobleme zwischen den Kulturen. Universal scheint uns heute nur noch die Sprache der Gewalt zu sein. Doch welche Sprache sprechen Bilder der Gewalt?

Dass Bilder etwas zu sagen haben, beweist uns die Sprachlosigkeit der amerikanischen Medien angesichts der Gräuel von Fallujah. Konnten die Bilder zur Rechtfertigung des jüngsten christlichen Kreuzzugs gar nicht blutrünstig genug sein, so wird jetzt heftigst diskutiert, ob die Grausamkeiten an amerikanischen Staatsbürgern gezeigt werden dürfen.

Und, wie zu erwarten war, sahen sich die Mainstream-Medien nachsichtig mit den Mägen der amerikanischen Durchschnittsbürger und verschonten sie mit allzu gewalttätiger Kost. Photos wie das obige, veröffentlichen nur nichtamerikanische Medien, was selbst im Zeitalter des (noch) nicht zensierten Internets relativ effektiv sein und dem Bushfeldzug wahrscheinlich nicht allzu viel Schaden zufügen dürfte. Oder werden es nach Vietnam und Somalia wieder die Bilder sein, die der amerikanischen Öffentlichkeit so sehr ins Gewissen reden, dass die Regierenden ihre Truppen zurückziehen müssen?

Welchen Symbolwert haben geschändete und verbrannte Leichen? Ihre Benutzung im Zeichen des Widerstands entspringt zweifellos einer perfiden Rationalität. Einer Rationalität der Abschreckung, die bereits die Berserker des Mittelalters beherrschten und die von den Tamil Tigers auf Sri Lanka und dann der Al Qaida perfektioniert wurde. Indem ihre Agitatoren eine vollkommene, wahnsinnige Irrationalität zelebrieren, zeigen sie der Welt, dass sie nicht abschreckbar sind, sich niemals geschlagen geben werden. Je irrationaler, je besser also.

Doch anstatt, mit der erlernten Mitleidigkeit europäischen "Eine-Welt-Bewusstseins", zu fragen, wie verzweifelt, wie unterdrückt Menschen sein müssen, die solche Gräueltaten begehen, sollten wir das Bild weiter analysieren. Sehen wir es uns ruhig an! Den Stolz,… das Victory-Zeichen,… das Lachen auf den Herzen der Rasenden. Welche Sprache spricht es? Die Sprache der Vernunft? Die Sprache der Gerechtigkeit? Sehen wir hier wirklich Akteure, die sich der Folgen ihres Handelns voll bewusst sind?

Die Opfer sind die Täter, weil die Täter die Opfer sind.


Der Stolz und die Beute 2

Diese Tautologie beruht, wenn man so will, auf einer Sprachverwirrung. Worte, meinte Wittgenstein, seien ohne Kontext, ohne Dinge und Erinnerungen, auf die sie sich beziehen könnten, nur leere Hülle. Mit Bildern verhält es sich genauso. Erst unsere ganz persönliche Interpretation haucht ihnen Leben ein. Aber nur dann, wenn wir sie mit eigenen Erfahrungen und Erlebnissen in Verbindung bringen. Da wir, als Europäer, diese Erfahrungen in der Regel nicht irgendwo in Burundi, Las Vegas oder Timbuktu machen, ist unsere Wahrnehmung unwiderruflich und unleugbar europäisch. Während für die Amerikaner die Unterscheidung von Opfern und Tätern demnach ein Leichtes ist, tun wir uns darin wesentlich härter.

Es klingt wie eine Ironie des Schicksals, dass die universelle Sprachverwirrung ausgerechnet auf dem Höhepunkt der Globalisierung an ihren Ursprungsort zurückgekehrt ist. Nach Babylon, dem Land zwischen Euphrat und Tigris. Vielleicht kommen wir der Wahrheit oder zumindest einer besseren Beschreibung der Wirklichkeit näher, wenn wir uns fragen, welcher Turm denn heute gebaut werden soll. Welches monumental ehrgeizige Projekt treibt seine Architekten zur Verzweiflung, seine Baumeister zum Krieg und seine Handwerker zum Mord?

Sie wurde zwar schon oft bedient, dennoch hat die "Neue Weltordnung" des Vaters des heutigen US-Präsidenten nichts an ihrer Aktualität verloren. Sie ist es, die via Irak und via der Befriedung des Nahen Ostens endlich in Kraft treten soll. Und die
Vordenker
dieses neuen geschichtslosen Zeitalters, lassen keinen Zweifel daran, dass es Amerika sein muss, welches die post-nationale Welt regiert. Amerika auf dem Weg zur Weltherrschaft, Bush als ein moderner Cyrus, der die Koalition der Willigen durch Bestechungen und Gastgeschenke bei Laune zu halten weiß. Ein solches Bedrohungsszenario ist jedoch lediglich unsere europäische Perspektive, welche wir uns eher zufällig, denn durch kulturelle Nähe, mit der arabischen und asiatischen Welt teilen.


Jubel und Verachtung

Auf der anderen Seite des Mondes warten Osama Bin Laden und seine Al-Qaida. Auch sie haben eine Mission zu erfüllen, deren Ziele wahrhaft utopisch sind. Al-Qaidas anti-imperialistische Stoßrichtung gibt dabei der faschistischen Gesinnung ihrer Anführer nicht nur bei Muslimen einen legitimen Anstrich.

Die Jubelszenen vor den verkohlten Leichen, die, im Zeichen der Verachtung und zu allem Überfluss, auch noch mit Sandalen geschlagen werden, müssen trotz all ihrer Grausamkeit verstanden werden. Sie schreien es ja förmlich hinaus. Diese Menschen, die Meisten noch jugendlich, sind euphorisch und verzückt, erfüllt von tief empfundener Gerechtigkeit. Dass gerade ein Leben, der wertvollste Besitz eines Menschen, ausgelöscht wurde, verblasst und tritt für zehn Minuten Glücksgefühl zurück. Zehn Minuten Rache am imperialistischen Amerika. Zehn Minuten Vergeltung für ein ganzes Leben voller Entsagungen unter der bisher verhängnisvollsten aller Wirtschaftssanktionen.

In einer solchen Welt hat Recht in der Tat nichts mit Vergebung zu tun. Einzig und allein Rache und Vergeltung kann das, von Rechtsstaat und Gesetz allein gelassene, Moralempfinden der Menschen befriedigen. Ohne es zu wissen, hat US-Justizminister John Ashcroft mit diesen Worten den Inhalt der amerikanischen Büchse der Pandora beschrieben. Rache wird als gerecht empfunden, und solange es etwas zu rächen gibt, wird der islamische Terrorismus nicht aufhören, wird er immer als gerecht empfunden werden.

Der von allem Seiten herbei geredete "Kampf der Kulturen" hat sich, ohne dass es bemerkt wurde, in einen Kampf der Ideologien verwandelt: die "Neue Weltordnung" gegen den "Anti-Imperialismus". Und es wird entscheidend davon abhängen, welche Sprache der Westen wählen wird, um dieses Duell zu beenden. Des Geldes? Des Krieges? Des Wahnsinns? Oder vielleicht doch, der Vernunft?

Doch vor der Sprache der Vernunft steht die Selbstwahrnehmung. Sehen wir uns als Täter oder als Opfer? "Wer" sind überhaupt "wir"? "Wer" sind überhaupt "sie"? Der "Krieg der Herzen", wie ihn die Amerikaner bezeichnen, kann nicht in Bagdad gewonnen werden, weil er sich gar nicht in Bagdad entscheidet, sondern in den Slums von Rio, Kalkutta und Los Angeles; den Finanzzentren von New York, Frankfurt und Nairobi; den Ölfeldern von Aserbaidschan, Malaysia und Indonesien; der Autoindustrie von New Delhi und Peking. Die Ideologie ist nur der Wasserkopf auf einem, ungern benannten, doch immer deutlicher werdenden Verteilungskonflikt um die letzten Ressourcen dieser Welt.

So grausam die Bilder von Fallujah sein mögen, sollten wir doch eines erkennen. Wir sind zwar als Individuum einzigartig. Doch in der Masse sind wir ersetzbar. Wir sind austauschbar. Die Gesichter auf den Bildern könnten problemlos auch unsere sein. Die Sprache des Überlebens ist grausam!

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