Nur Gedanken

March 2, 2004

Stereo(s)ty(m)pe(reie)n

Filed under: Panorama - word2go @ 8:34 am
Gelegentlich verfallen dumme Menschen in Stereotypen. Und ab und zu auch kluge Typen in dumpfbackige Menschlichkeiten. Auch, wenn Diese, sollten sie bei entsprechendem Populismus ertappt werden, natürlich behaupten das absichtlich zu machen, um den nicht ganz so Gescheiten zu zeigen, wie blöde es ist, bestimmten Personenkreisen ex ante individualistische Eigenschaften zuzuschreiben. Für den über jede Verallgemeinerung erhabenen Beobachter besonders lustige Konstellationen ergeben sich dann, wenn spitzfindige Dritte dererlei „Typen“ in den falschen Hals kriegen und sie des Stereotypismus beschuldigen, weil sie angeblich eine Personengruppe diskriminierten, deren Mitglieder ohne Intervention der Spitzfindigen möglicherweise gar nicht gewußt hätten, daß sie einer diskriminierenswerten Solchen angehörten.

Und da zum Diskriminieren, bzw. „Diskriminiert werden“ nicht immer Zwei gehören, ist es nur allzu verständlich, dass sich aus der Horde der gutmenschlichen Personengruppenverteidiger einige unter das Niveau der gebotenen Ernsthaftigkeit versteigen und zu regelrecht kontraproduktiven Positivdiskriminierern mutieren. So hatte es sich etwa eine Gruppe verantwortungsvoller, US-Amerikanischer Japanophiler zur Aufgabe gemacht, auf der eigens für diesen Zweck ins Leben gerufenen Website "Lost in Racism" gegen die Oscar-Nominierung der kultverdächtigen, endlich wieder ein Quentchen Intelligenz nach Hollywood tragenden, Coppola-Murray Melanchomödie „Lost in Translation“ zu mobilisieren. Gelungen ist ihnen dies nur teilweise, wie die mit Oscar um die Wette strahlende Sofia Coppola bewies. Allerdings obsiegte hier wohl auch die Liebe zum Hobbit über die Liebe zum Japaner. Soll heißen: hätte das Tokyo-Stereotyp nicht die starke Konkurrenz von Gandalf, Frodo und Legolas erfahren, das amerikanisch – japanische Verhältnis wäre nicht mehr zu kitten gewesen.

Auch wenn man kann sich natürlich fragen kann, was denn bitte an „Lost in Translation“ rassistisch sein soll, so ist das „Stereotyp an sich“ kaum zu leugen. Wedel kann man den äußelst halten japanischen Akzent übelhöhlen, noch die westliche Voreingenommenheit ob japanischer Sexual- bzw. Unterhaltungspraktiken übersehen. Ein wenig zu laut, ein wenig zu schrill, und der unvermeidliche Karaokeabend paart sich inbrünstig mit einem, die ersten Sonnenstrahlen erlebenden, Alkoholabsturz. Ein Film also, voller Stereotypen, der, eben weil er aus der Position zweier westlicher Sonderlinge erzählt wird, korrekterweise „Lost in Translation“ und nicht „Bridging Cultural Gaps Successfully“ getitelt war.

Während es deshalb schon fast paradox anmutet, einem Film über Stereotypen Stereotypismus vorzuwerfen, setzt ein Schweizer Plakateur der Stümperei nun die Krone auf, indem er mittels provokant gesatzter Pointen gegen gedankenloses Gelächter über antisemitische, bzw. rassistische Witze vorgehen will. Be“fremd“licherweise beleidigt das Kindergartenniveau seiner xenophilen Aufklärungsarbeit derart die Intelligenz selbst der „gedankenlosesten“ aller Zielgruppen, dass man als kosmopolitischer Geist auf die unsichtbaren Knie fallen möchte, um die abgebildeten „Fremden“ um Verzeihung zu bitten für so viel Aus- bzw. mitleidsvoll tolerante Eingrenzung.

Etwas gut gemeint zu haben, ist sicherlich anerkennenswert. Aber manchmal trifft „gut gemeint“ halt doch voll unter die Gürtellinie, selbst wenn Herz und Verstand anvisiert waren. Suggeriert nicht das Plakat, dass der Lümmel mittags zu Hause Bananen und Kokosnüsse verspeist, während der Text eindeutig auf den Phallusneid des weissen Mannes anspielt, der es nicht mal nach Einnahme von Viagra schaffen würde, seinen mit Schweinebraten und Weizenbier gefüllten Magen zum Sex zu überreden? Doch Gott sei Dank: sowohl der stramme, wie der schlaffe Lümmel können mit ihrem Eheweib nichts anderes anfangen als öde am Mittagstisch zu sitzen. Armer „ganz normaler“ Neger Du! Bist ja auch ein Mensch, ne? Man(n) sollte sich hier einmal einig sein: ein Übermaß an gering reflektierter, dogmatischer „political correctness“ tut einfach nur weh! Aua!

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