Betrunken dekorieren
Reichlich absurd? Nein, nur logisch. Denn ein Mann fängt nicht an zu arbeiten, bevor er keinen Anreiz dazu bekommt. Und der heißt Bier. Und reichlich Pausen, die dann natürlich zum Bier trinken genutzt werden. Für grobmotorische Tätigkeiten mag das noch reichen, für’s Augenmaß ist ja sowieso die Frau zuständig. Kein Wunder also, dass Männer weder Geschmack noch Stil bei der Wohnungseinrichtung beweisen. Also Mädels, nur damit ihr das einmal wisst: würdet ihr uns mal eine Woche lang das Bier entziehen und das Feinripp verstecken, würden sogar wir merken, dass die alte durchgesessene Polstercouch vor dem Fußballguckmodul nicht mehr ganz der Höhe der Zeit entspricht.
Und dabei wären wir so leicht zu begeistern. Nehmen wir nur einmal die richtige Grundposition des Bettes. Feng Shui zufolge öffnet ein großer Spiegel über den, nach Osten ausgerichteten, Liebesmatratzen das Zimmer und somit den Energiefluss des Lebens. Ha, für das Anbringen dieser kleinen Spielerei verzichten wir sogar auf den obligatorischen Gerstensaft vor den ersten Bohrversuchen. Im Gegenteil, der Blick in den Spiegel erweckt in uns den Sinn nach Wein, Baguette, Käse und typisch französischer Lebensfreude.
Doch vor das frühjährliche Zimmer neu Arrangieren hat der liebe Gott das Möbelhaus gestellt. Wie um Himmels willen, soll frau den betrunkenen Gatten zu Ikea bekommen? Zum Einen hilft natürlich der Lockruf von, mit tonnenweise Zwiebeln beladenen, Hotdogbrötchen, die dort zusammen mit einem "free refill" an Softdrinks eingenommen werden dürfen. Hilft gar nichts mehr, kann frau ihren Göttergatten neuerdings auch im Männergarten abladen. Prototypen sind bereits in Hamburg, Köln, Berlin und Mannheim im Test und scheinen die Nerven der "Besitzerinnen" in der Tat so sehr zu schonen, dass manche Männer noch immer auf ihre Abholung warten müssen. Was den meisten männlichen Exemplaren ob des heimeligen Ambientes bis jetzt allerdings noch nicht aufgefallen ist.
Sind die wichtigsten Neuerungen dann vor Ort und Stelle, sprich die Wohnung, gebracht, geht der Ärger erst richtig los. Welche Farbe für das jugendlich frische und nach florentinischen Olivenhainen duftende Bewegungszimmer? Während sie wahrscheinlich die Geschmacksgleichheiten der neuesten Trends hinter sich hat und auf dezentes mintgrün vor zitronenfarbenen Stuckrändern steht, wagt er den Frontalvorstoß in ungewohnte Gefilde. Den ganzen Raum erdrückendes, südländisches Karminrot, am Besten noch mit Schwammtechnik aufgetragen. Oder doch lieber freigelegtes Mauerwerk hinter Efeuranken? Um sich ein Bild davon zu machen, wer von den beiden Streithähnen denn nun den besseren Einrichtungsgeschmack hat, werden dann stapelweise Bücher über Innenarchitektur gewälzt, nach deren Genuss sich dann sowieso die Frau durchsetzt.
Die beste Strategie gegen Stressvermeidung? Gebt dem Mann ein Bier, einen Hammer und einen Schlagbohrer in die Hand und lasst ihn um Gottes Willen den Spiegel über dem Bett befestigen. Außerdem müsst ihr ganz oft ins Schlafzimmer laufen, Bier mitbringen, sowie mit Lob nicht geizen. Denn auf keinen Fall darf er auf die Idee kommen, im Wohnzimmer nachzusehen und dumme Vorschläge zu machen. Dann wäre alle Mühe umsonst und der Spiegel hinge trotzdem.






















