- Erstunken und erlogen! Unflätig! Kinder sperrt Eure Eltern weg, jetzt gibt’s Sex!!? - (umgetextet und zusammengestöpselt aus dem, im Spiegel erschienenem, Originaltitel: „ein Schlag im Leben des Ibrahim R.“)
Gesundheitsnapping oder Lustreise? Das Verwirrspiel um den kurzfristig vermissten und dann (leider) wieder gefundenen Präsidentschaftskandidaten Rybkin präsentiert einen fundamental(istisch)en Charakterzug an Flavio Briatore.
Es ist Freitag, der 13. Während im Kosmos-Hotel am Moskauer Friedensprospekt das Unglück seinen Lauf nimmt und der russische Präsidentschaftskandidat Iwan Petrowitsch Rybkin immer mehr zu einem Dostojevski für Arme verkommt, steht Flavio Briatore vor den Trümmern seiner Existenz.
Vor sieben Wochen noch hatte er heiter verkündet, er werde bald Papa und wolle für das Amt des Speerträgers in der Klum’schen Reservistengarde kandidieren. Heute spricht er nur noch von einem bemitleidenswerten Fehlschuss. Per Videoschaltung lässt Briatore aus Teheran erklären, dass er unter falschem Vorwand in die Kissen gelockt, tagelang betäubt und mit kompromittierenden Videos unter Erfolgsdruck gesetzt worden sei. Er wolle trotzdem für die Folgen seiner sexuellen Eskapaden aufkommen.
Briatore betonte, dass er sich zu diesem Schritt gezwungen sieht, nachdem er erfahren habe, dass Rybkin, der vorher nur einer Minderheit homoerotisch veranlagter Russen bekannt war, in den letzten Tagen nicht nur Erfahrungen mit Heidi Klums Mund machte, sondern sich auch unter ihr Höschen verirrte. Briatore stützt seine Verdächtigungen zudem auf die Aussage von Rybkins Gattin. Dessen bessere Hälfte sagte wörtlich:
„Der soll mir nur heimkommen der Flegel. Da gibt’s was mit dem Nudelholz!“
Ersten Umfragen zufolge bescherte dieser Ausspruch dem Möchtegernpräsidenten starke Verluste im chauvinistischen Lager.
Das wäre ein gewaltiger Schlag im Leben des Iwan Petrowitsch. Hatte er sich doch gerade bei den Männern Chancen gegen den hübschen Vladimir ausgerechnet. Doch nach fünf heißen Liebesnächten im Beiboot von Flavio Briatores Luxusjacht könnte Rybkin jetzt auch bei den Frauen punkten. Denn Geld scheint er offensichtlich genug zu haben, da Frau Klum sonst kaum geneigt gewesen wäre mit ihm… Na Sie wissen schon. Böse Zungen reden bereits über einen säuberlich inszenierten Coup zum Wahlkampfauftakt.
Da sich Rybkins Verschwinden nur wenige Tage vor dessen offiziellen Beginn ereignete, ermittelte die Staatsanwaltschaft bereits kurzzeitig wegen Mordes, bzw. potentiellen Ehebruchs. Flavio Briatore sprach unterdessen von Teheran schon einmal vorsorglich eine Fatwa aus. Dem italienischen Dolmetscher der Krill-Zeitung will aber aufgefallen sein, dass Briatore gegen Ende des Rezitats auch schwulstige Liebesschwüre an Heidi Klum untermischte.
Als Rybkin wieder auftauchte, sprach er zuerst von zwei, drei Tagen Privatvergnügen in der Ukraine, verplapperte sich dann aber und sprach vom milden Klima in Monaco und später, offensichtlich in einem Anflug sexueller Verwirrung, von Verfolgung durch düstere Mächte. Erst nach mehreren Gläsern Eiswasser konnte er sich wieder daran erinnern, lediglich den Bauch des im Wasser planschenden Briatore gesehen zu haben. Dieser Anblick werde ihn wohl sein Leben lang verfolgen, befürchtete Rybkin.
Die Tageszeitung "Kommersant" legte daraufhin per Ferndiagnose eine durch Schock exogen hervorgerufene psychische Erkrankung nahe, während Rybkin konterte: "Ich leide nicht an Schizophrenie, ich habe einen Freischwimmer, sowie einen Segelschein." Bilder von Flavio Briatore, die ihn kurz nach der Trennung von „der Klum“ zeigen, verraten, warum der Kandidat drei Tage lang offen ließ, was oder wer ihn aus der Bahn geworfen haben könnte.
Ein "Ukrainer ohne jegliche Komplexe" war bis jetzt der einzige Kommentar zu den Vorgängen, der Heidi Klum durch heftiges Wedeln mit einer 50 Dollarnote entlockt werden konnte. Manch kritische Beobachter zweifeln bereits ernsthaft an der Seriosität der möglichen, neuen russischen First Lady. Zumindest ihren Vornamen müsse sie ändern, verlangte die Chefredakteurin der russischen Frauenzeitschrift ‚Olga’, immerhin stünde sie in der Nachfolge so berühmter Frauen, wie Zarin Katharina. Auch Rybkins ‚Noch-Ehefrau tat wenig, um dem Katjes-Luder den Rücken zu stärken. Vor Reportern seufzte sie: "Armes Russland, wenn solche Leute es regieren wollen." - "Sprechen Sie von Ihrem Ehemann?" - "Nein, von der deutschen Schlampe natürlich."
Bisher war Rybkin weder als Bonvivant noch als psychischer Grenzgänger aufgefallen. Unter all den „psychisch labilen“, die dieses Jahr irgendwo auf dieser Welt zu einer Präsidentenwahl antreten, zählt er noch zu den Ernsthaften. Gegenüber dem amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Dennis Kucinich kann der bekennende Links-Stalinist sogar noch als konservativ bezeichnet werden. Ein Brückenbauer und Verwandlungskünstler wird er im postkommunistischen Russland genannt.
Doch es ist nicht immer klar, wo und wofür Rybkin steht. Mal liebt es der gelernte Experte für Landmaschinen neben der warmen Heizung aus dem Fenster in die verschneite russische Winterlandschaft zu blicken, mal ist er einfach nur glücklich, wenn „er“ überhaupt noch steht. Bereits 1994 befürwortet er den Plan, die Diäten der Duma-Abgeordneten zu Teil in Viagra auszuzahlen und wird aus Dankbarkeit, v. a. der älteren Parlamentarier, zu deren Präsidenten ernannt.
Nach Jelzins, durch Alkoholmissbrauch hervorgerufenem, Rückzug aus der aktiven Politik, profilierte sich Rybkin als Kritiker von Putins zweitem Tschetschenien-Feldzug und trat in die Partei ‚Liberales Russland’ ein. Sie wird von Putins erbittertstem Widersacher Boris Beresowski finanziert. Doch auch hier könnte die Fatwa des wütenden Italieners Briatore das Mächtegleichgewicht zu Ungunsten des Iwan Petrowitsch verschieben. Ermittlungen des pakistanischen Geheimdienstes zufolge planen tschetschenische Separatistengruppen bereits Rybkin als einen „im fremden Harem wildernden“ Ungläubigen zu diffamieren und Briatore zum Märtyrer des heiligen Krieges zu ernennen.
Briatore selbst hat bereits angekündigt, sich eine Bart und eine Djellaba wachsen zu lassen. Dass die Djellaba, trotz unwiderstehlich natürlicher Passform, kein Naturfell ist, wurde Flavio schnell von seinen neuen Freunden verraten. Mehr Probleme bereitet ihm nach eigenen Angaben noch das ständige Beten. Vor allem aber die Tatsache, dass das erigierte männliche Glied nicht zu den fünf Säulen des Islam gehört, will dem kleinen italienischen Hengst einfach nicht in den Kopf.
Für den verstoßenen Milliardär, der in Teheran tägliche Ayurvedamassagen genießt, ist Rybkin so etwas wie der Abstauber im italienischen Fünfmeterraum. Rybkin bekommt, was der Maestro im selbst gewählten Exil will. Und geht dabei weiter als jeder andere: Am vergangenen Dienstag beichtete er Briatore in einem offenen Brief, in der Löffelchenstellung abgerutscht und aus Versehen im A… gelandet zu sein. Heidi wäre total aus dem Häuschen und über eine Stunde nicht mehr ansprechbar gewesen, heißt es in diesem vertraulichen Schreiben, dass die Krill-Zeitung gestern aus gegebenem Anlass veröffentlichte.
Der "mächtigste Oligarch" der Formel 1 zu sein, skizziere Querverbindungen zur Petersburger Mafia, kommt Rybkin nun langsam aus der Defensive. Er vermutet Briatore könne mit muslimischen Extremisten und Präsident Putin gemeinsame Sache machen und ein Staatsverbrechen planen. "Putin hat kein Recht auf die Macht in Russland und Flavio hat kein Recht auf meine Heidi", wettert der mutige Iwan, „doch den beiden ist alles zuzutrauen. Deswegen werde ich bis zur Wahl meinen Wohnsitz nach Monaco verlegen.“
Wenn das mal nicht zuviel des Mutes war. Bereits der russische Parlamentspräsident und andere hochrangige Politiker vermuten, dass es Russlands Geheimdiensten grundsätzlich zuzutrauen sei, Heidi Klum mit sanfter Gewalt zu dem Flirt mit dem Oppositionellen bewegt zu haben. Es wäre ein schlauer Zug, denn Heidi genießt offensichtlich das Vertrauen des Mannes, der es bislang als einziger gewagt hatte, die umlaufenden Gerüchte über Putins angeblich einträgliche Verbindungen zur Geschäftswelt in öffentliche Anschuldigungen umzumünzen.
Zu einer Zeit, da schon leise Kritik am Führungsstil des Präsidenten den Kopf kosten können, wäre es für Rybkin tatsächlich vorteilhaft, sich den Verstand aus dem Leibe zu vögeln, bevor er durch unbedachte politische Äußerungen Selbstmord mit Vorankündigung begeht. Ob die zierliche Heidi, nicht nur aufgrund ihrer unsteten partnerschaftlichen Kompetenzen, dafür die richtige Wahl ist, steht allerdings noch in den Sternen. Denn noch immer droht Bin Briatore aus Teheran mit Allahs Schwert gegen den Feind der „sie“ liebte.
Dann doch lieber das Nudelholz.